Pod-Style-Hostel-Entwurf (Entwurf: Ruth Unger, Alina Florja, Cherry Blocksom)

Das Japanische Haus

Aus einem verlorenen Ort im ehemaligen Rotlichtbezirk der japanischen Millionenstadt Yokohama soll ein Ort der Begegnungen werden: Dieser Aufgabe haben sich Architektur-Studierende der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK ) Leipzig gewidmet. Ihr neues „5-Sterne-Hostel“ soll kosmopolitisch, mit der Umgebung verknüpft und dem gemeinschaftlichen Wohnen verpflichtet sein. In einem Masterkurs des vergangenen Wintersemesters entstanden, betreut durch Architekturprofessorin Anthusa Löffler, zehn ganz unterschiedliche Entwürfe. Sie verknüpfen aktuelle Problemlagen mit japanischen Lösungskonzepten der 1970er Jahre. Die Ergebnisse sind noch bis zum 12. Mai in der Ausstellung „Cosmopolis Yokohama“ im Japanischen Haus in Leipzig (Eisenbahnstraße 113b) zu sehen. Unterstützt wurden die Studierenden dabei von der japanischen Architektin und Architekturkritikerin Noriko Minkus.

 

Vom Kapselhotel zum 5-Sterne-Hostel

Das „5 Star Creative Hostel Cosmopolis“, das die Studierenden entworfen haben, versteht sich als „Shared Place“ – als Übernachtungs-, Wirkungs- und Begegnungsstätte für Reisende, Künstler und verschiedene sozialen Gruppen. Alle sollen die Räume gemeinsam nutzen und sich mit dem Stadtviertel vernetzen. Dafür sind Gemeinschaftsküchen, gemeinsame Veranstaltungs- und Arbeitsräume oder auch „Pod-Styled-Schlafsäle“ (durch Vorhänge getrennte Schlaf-Röhren) vorgesehen. Solche Übernachtungstypen machen in Japan gerade Furore und könnten bald auch in Europa umgesetzt werden. Japan, wo Raum knapp und teuer ist, gilt als Experimentierfeld für außergewöhnliche Unterkünfte. Bereits in den frühen 1970er Jahren entstanden dort „Kapselhotels“: Häuser mit funktionalen Mini-Kabinen. Inzwischen sind sie auch auf europäischen Flughafen zu finden, insbesondere in Transitbereichen.

 

Stadtentwicklung durch Kunst-Projekte

Das Projekt soll mitten im Koganecho Stadtviertel von Yokohama starten – einem verrufenen Ort unter einer Eisenbahnbrücke. Bereits 2008 wurde ein jährliches Kunstfestival aus der Taufe gehoben, um die Wiederbelebung dieses Quartiers zu unterstützen. Mittlerweile haben sich dort neue Studios und Galerien, sogar eine internationale Kunst-Triennale etabliert. Vor diesem Hintergrund hat sich Yokohama dem „Creative City Network of Japan“ zur nachhaltigen Stadtentwicklung angeschlossen. In Leipzig schlägt das „Japanische Haus“ e. V. (DJH) seit nunmehr sieben Jahren eine Brücke zwischen internationalem Austausch und lokalen Aktionen. Durch japanische Migranten ins Leben gerufen, hat sich hier ein offener Ort für Menschen mit verschiedenen kulturellen Hintergründen entwickelt. (kb, 30.4.18)

Titelmotiv: Pod-Style-Hostel-Entwurf (Entwurf: Ruth Unger, Alina Florja, Cherry Blocksom)