LEITARTIKEL: Freie Zeiten, gute Orte

von Ingeborg Flagge (Heft 14/1)

Um wie viel einfacher wäre jetzt ein kurzer Abriss über die Qualität alter Architektur vom Barock bis zum Jugendstil. Aber dies sollen allgemeine Gedanken über moderne Architektur am Beispiel von Freizeitbauten werden. Und das ist schwer nach meiner kürzlichen, fesselnden Lektüre des klugen, aber äußerst pessimistischen Buches „Hybris“ von Meinhard Miegel, der das Bauen in unserer weltweiten Gesellschaft als eine Konstellation aus Exzessen bezeichnet, die zum Himmel schreit.

 

Alles, und zwar sofort

Die Londoner Skyline (Bild: Cmglee)
Die Londoner Skyline – links im Bild die Kuppel von St. Paul – wird heute von Hochhäusern beherrscht (Bild: Cmglee)

Nach Miegels Meinung ist diese Entwicklung der Tatsache geschuldet, dass eine unersättliche Gesellschaft immer mehr und immer höher hinaus will, und dieses alles sofort, ohne zu warten. Geduld sei keine ausgeprägte Eigenschaft unserer Konsumgesellschaft. Wer die neuesten Schreckensberichte über die Zerstörung der Skyline Londons liest, die sich noch vor ungefähr zehn Jahren an der Höhe der Kuppel von St. Paul orientierte, während heute über 200 neue Hochhäuser ohne Rücksicht hierauf realisiert werden, versteht, was Miegel kritisiert.

Es ist eine Binsenweisheit, dass Architektur eine Gesellschaft in ihrem Entwicklungszustand widerspiegelt und vieles aussagt über ihre Verantwortung, ihre Werte, ihre Ängste und ihre Prioritäten. Wir erfahren täglich, dass und wie sehr wir auf Sensationen, auf Höchstleistungen und außergewöhnliche Events hin orientiert sind. Das Spektakuläre hat Hochkonjunktur. Eben auch in der Architektur.

Extravagante Bauten und eine aufsehenerregende Gestalt, die wie Weltrekorde den Weg in die Nachrichten finden, werden bestaunt und besucht. Extreme Architekturlösungen wie ein phallusähnliches Hochhaus oder „das Wunder von Baku“ – eine spektakuläre Arena, die 2012 mit dem Eurovision Song Contest eingeweiht und in weniger als zehn Monaten realisiert wurde, sind das Ziel von Besucherströmen. Bekannte Architekten werden im Zuge dieser Entwicklung auch schon einmal zu Superstars erklärt und ihnen Züge von Superman zugeschrieben.

 

Auf Dauer überfordert

Dennoch: Offensichtlich bestaunt der Mensch diese Entwicklung, lässt sich von ihr auch faszinieren, fühlt sich aber in der Architektur dieser überwältigenden neuen Welt auf Dauer überfordert und nicht wohl. Wenn er wieder zu Hause in seiner eigenen, überschaubaren Welt ist, gibt er sich zufrieden und beginnt nicht etwa, diese jetzt entsprechend umzubauen.

Im Zentrum der genormten Gartenstadt Bad Dürrenberg bei Merseburg (A. Klein, 1930) sollte ein begrünter Platz  mit Planschbecken zum Verweilen einladen (Bild: Bundesarchiv, 1930)
Im Zentrum der genormten Gartenstadt Bad Dürrenberg bei Merseburg (A. Klein, 1930) sollte ein begrünter Platz mit Planschbecken zum Verweilen einladen (Bild: Bundesarchiv, 1930)

Irgendwie erinnert diese Diskrepanz an die 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Moderne Architekten propagierten damals für die Nutzer neue, „ungeschmückte Sachformen“ (Hermann Muthesius) als Fortschritt, die allerdings erst nach dem Zweiten Weltkrieg eine weltweite Verbreitung erfuhren. Die Menschen aber liefen Sturm gegen die anonyme Verzichtsarchitektur der Großsiedlungen der 60er Jahre und ihr stereotypes Raster.

Eben die menschenverachtende Rationalität solcher Bauten war einer der Gründe für die Hinwendung der Deutschen zu historischer Architektur, ihrer Maßstäblichkeit und ihrer Formenvielfalt. Die Schweizer nennen uns inzwischen „Rekonstruktionsweltmeister“, weil in Deutschland nicht nur der Erhalt und die Pflege alter Architektur leidenschaftlich betrieben wird, sondern auch abgerissene Schlösser und gesprengte Kirchen in so großer Zahl wieder rekonstruiert werden wie in keinem anderen europäischen Land.

 

Auf der Suche nach einem Zuhause

Das Modell-Wohnzimmer (1957) des VEB Deutsche Werkstätten Hellerau übersetzte die Ziele der Neuen Sachlichkeit in die Heimatsuche der frühen Nachkriegszeit (Bild: Bundesarchiv, 1957)
Das Modell-Wohnzimmer (1957) des VEB Deutsche Werkstätten Hellerau übersetzte die Ziele der Neuen Sachlichkeit in die Heimatsuche der frühen Nachkriegszeit (Bild: Bundesarchiv, 1957)

Wie aber muss eine moderne Architektur aussehen, in der der Mensch sich wohl und zu Hause fühlt? Diese Frage müsste eigentlich jeden Architekten umtreiben und Richtschnur seines Handelns sein. Die Antwort ist so schwer nicht: Sie muss großzügig und vielfältig sein, farbig, kleinteilig, atmosphärisch reich, aber nicht schrill.

Ernst Bloch sprach davon, dass „Bauen ein Produktionsversuch menschlicher Heimat“ sei. Diese sperrige Formulierung meint nichts anderes, als dass eine entsprechende Architektur uns bereichert und nicht einengt, dass sie dem Menschen Halt gibt und Spielraum lässt, dass sie selbstverständlich ist und nicht nur ein oberflächliches Versprechen. Wenn ein Bau Heimat sein soll, dann muss er hoffnungsfroh stimmen und Freude machen. Die Identität, die in einem solchen Fall entsteht, bedeutet die Übereinstimmung der Kenntnisse und Werte eines Menschen mit seiner Umgebung. Der ehemalige französische Kultusminister Francois Mauriac fand dafür einen schönen Vergleich. Er meinte: „Der Bau von Luftschlössern in unserer Welt kostet nichts. Aber ihre Zerstörung ist sehr teuer.“

Unsere Gesellschaft ist viele Gesellschaften: Massengesellschaft, Konsumgesellschaft, Wegwerfgesellschaft, Spaßgesellschaft, Freizeitgesellschaft. Die Bauaufgabe Freizeit ist dabei äußerst komplex und reicht von Kinobauten über Bäder bis zu Sportstätten. Für alle diese Entwurfsaufgaben gelten zwar unterschiedliche ästhetische und funktionale Anforderungen, aber keine Abstriche in Sachen herausragender Architekturqualität.

 

Gegen die Langeweile

München, Schwabylon (J. Dahinden, 1973, Abriss 1979/2013) (Bild: J. Dahinden)
Das Münchener Freizeitcenter „Schwabylon“ (J. Dahinden, 1973, Abriss 1979/2013) beherbergte u. a. exklusive Ladengeschäfte und die Großraummdisko „Yellow Submarine“ (Bild: J. Dahinden, 1973)

Der Schweizer Justus Dahinden, ein nicht immer erfolgreicher Architekt in Sachen Freizeit, formulierte – ziemlich abgehoben, aber trotzdem noch richtig – über das Bauen für Erholungssucher: „Es ist die Befreiung von der Langeweile […] Der Gestaltpsychologe vertritt die Meinung, daß Architektur die Empfindungswelt des Menschen in hohem Maße beeinflusst. Er spricht dabei von der Gefühlsansteckung, die sich als intensive Form der Kommunikation zwischen Bauwerk und Mensch einstellt. Architekten sind also die Regisseure, die Formen, Farben, Materialien, Licht und Schatten, Zeichen und Symbole so einsetzen, daß sich eine geplante Einstimmung des Menschen ergibt […] Für die Architektur bedeutet dies ein sinnliches Milieu zum Anfassen.“

Also überschaubare Einrichtungen statt des Baus riesiger Komplexe, die Berücksichtigung individueller Anforderungen statt massenhaft programmierter Bedürfnisse. Es gilt – so Dahinden – „die Architektur aus der Stummheit von reinen Formen und vom Lärm ostentativer Konstruktionen zu befreien, damit ein Bau wieder zu einem Gestaltungsanlaß werden kann […] Das Resultat sind dann nicht länger nur Funktionsbehälter und Konstruktionswunder“, sondern eine einnehmende Architektur, die überzeugt und erfreut.

 

Literatur

Hamm, Oliver G., Das Wunder von Baku, Berlin 2013 (3. Auflage)

Miegel, Meinhard, Hybris, Die überforderte Gesellschaft, Berlin 2013

Flagge, Ingeborg/Romeiß-Stracke, Felizitas, Freizeitarchitektur. Planen und Bauen für die Freizeit, Bd. 3, Architektur in der Demokratie, Stuttgart 1988

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Frühjahr 14: Sport und Spektakel

LEITARTIKEL: Freie Zeiten, gute Orte

LEITARTIKEL: Freie Zeiten, gute Orte

Ingeborg Flagge sieht hinter den modernen Freizeitbauten eine Gesellschaft aufscheinen, die alles auf einmal will – und doch nur ein Zuhause sucht. Dabei brauche es weder vordergründiges Spektakel noch pure Funktion und Konstruktion. Sie ist sich sicher: Wirklich gute Architektur nimmt ein, überzeugt und erfreut.

FACHBEITRAG: Der Berliner Spreepark

FACHBEITRAG: Der Berliner Spreepark

Christina Gräwe folgt all den vielen Achterbahnfahrten: Jetzt gibt es neue Hoffnung für den stillgelegten Berliner Freizeitpark.

FACHBEITRAG: Das Kurbad Königstein

FACHBEITRAG: Das Kurbad Königstein

Karin Berkemann zeigt den Bäderbau der Nachkriegszeit: am Kurbad Königstein, das Otto Herbert Hajek 1977 künstlerisch gestaltete.

FACHBEITRAG: Der Hockenheimring

FACHBEITRAG: Der Hockenheimring

Daniel Bartetzko blickt auf den Geschwindigkeitsrausch und die sprechenden Architektur am Hockenheimring.

INTERVIEW: Zu Hause bei Dieter Rams

INTERVIEW: Zu Hause bei Dieter Rams

Der langjährige Braun-Designer zeigt sein Kronberger Haus: Wohn- und Atelierräume als Gesamtkunstwerk.

PORTRÄT: Das Gloria in Weißenfels

PORTRÄT: Das Gloria in Weißenfels

Sarah Huke beschreibt die moderne Baugeschichte und ungewisse Zukunft des Lichtspieltheaters Gloria in Weißenfels.

FACHBEITRAG: Der Berliner Spreepark

von Christina Gräwe (Heft 14/1)

Berlin, Spreepark (Bild: D. Bartetzko)
Dinosaurier am Eingang des ehemaligen Freizeitparks (Bild: D. Bartetzko)

„Ehemalige Attraktionen, ehemalige Shows und Ausstellungen, weiteres Ehemalige“ – so lauten bei Wikipedia einige Kategorien zum „Spreepark Plänterwald“. Seit 13 Jahren wartet der Freizeitpark im Berliner Bezirk Treptow auf seine Wiedererweckung. Welche Instrumente dafür nötig oder überhaupt denkbar sind, darüber herrscht(e) bis jetzt Unklarheit. Weder gibt es eine klare Leitlinie für die künftige Nutzung, noch sehen sich die Denkmalschützer in der Pflicht. Aber der ehemalige Freizeitpark hat eine bewegte, 45-jährige Geschichte, und die ist noch nicht zu Ende erzählt.

 

Ein Geschenk der DDR-Regierung

Der 1969 als „VEB Kulturpark Berlin“ gegründete Rummelplatz war ein Geschenk der DDR-Regierung an die Bevölkerung zum 20. Jahrestag der Staatsgründung. Innerhalb von nur sieben Monaten Bauzeit entstanden, sollte sich der Park von den anderen DDR-Rummelplätzen abheben – was mit Hilfe von Fahrgeschäften aus „nichtsozialistischen Warengebieten“ und dadurch, dass sie ganzjährig betrieben wurden, geschah. Die Landmarke des Parks, ein 40 Meter hohes Riesenrad, wurde 1989 noch kurz vor dem Mauerfall durch ein 45 Meter hohes abgelöst – diesmal zum 40. (und letzten) Staatsjubiläum.

Berlin, Spreepark (Bild: D. Bartetzko)
Das 40 Meter hohe Riesenrad zählt zu den beliebtesten Fotomotiven im stillgelegten Freizeitpark (Bild: D. Bartetzko)

In der DDR war der „Kulti“ äußerst beliebt: 1,5 Millionen Besucher jährlich; das Programm wurde stetig um Konzerte, Tanz- und Kinderveranstaltungen erweitert. Für die Schausteller war es lukrativ und komfortabel, denn es gab feste Standplätze mit Wasser-, Strom- und Telefonanschluss. Der Erfolgs-Einbruch kam abrupt: Nach der Wende ging der Besucherandrang schnell um mehr als zwei Drittel zurück. Das zweite Kapitel des ehemaligen „Kulti“ lässt sich mit einer Achterbahnfahrt beschreiben, mit optimistischen Hochs und tief abfallenden Talfahrten, juristischen Loopings und schließlich langem Stillstand des Betriebs.

 

Der Neustart als Spreepark

Zunächst starteten der Berliner Kultursenat und der Bezirk Treptow optimistisch in die neue Zeit: Der DDR-Rummelplatz sollte nach dem westlichen Vorbild eines Freizeitparks weiterleben. Durch eine öffentliche Ausschreibung wurden Bewerber mit schlüssigen Konzepten gesucht. Die Schaustellerfamilie Witte, schon seit 1979 mit dem VEB Kulturpark verbunden und alte Hasen in der Branche, hatte sofort nach der Wende ihr westdeutsches Fahrgeschäft auf den Standort am Spreeufer erweitert und erhielt unter sieben Konkurrenten den Zuschlag. Die „Betreibergesellschaft Spreewaldpark GmbH“ musste zunächst viel Geld in das Unternehmen auf 32 Hektar Fläche stecken: 10 Millionen D-Mark Eigenkapital, 30 Millionen über einen Kredit, abgesichert durch einen Erbpachtvertrag.

Berlin, Spreepark (Bild: D. Bartetzko)
Für den neuen Spreepark hoffte man 1992 auf jährlich 1,8 Millionen Gäste (Bild: D. Bartetzko)

Zu den Verpflichtungen für die Betreiber gehörte, das denkmalgeschützte „Eierhäuschen“, ein Ausflugslokal des 19. Jahrhunderts, in das Parkkonzept zu integrieren und denkmalgerecht zu sanieren. Insgesamt sollte der Rummelplatz zum familienfreundlichen Freizeitpark mit viel Grün und Wasser aufgewertet werden. Diese Pläne blieben nicht unbemerkt; schnell regte sich Skepsis bei Anwohnern und Umweltschützern. Das Ergebnis: Die Spreewald GmbH trat eine kleine Teilfläche ab und eröffnete 1992 den Spreepark im Plänterwald mit dem Ziel, 1,8 Millionen Gäste jährlich zu begrüßen. Als Orientierung diente ein Freizeitpark gleicher Größe in den alten Bundesländern. Bis 1997 flossen 40 Millionen D-Mark in den Ausbau des Parks, der ständig mit neuen Attraktionen angereichert wurde.

 

Der unaufhaltsame Abstieg

Hinter den Kulissen spielte sich derweil ein juristischer Krimi ab, zu dem es bis heute gegenseitige Vorwürfe und verhärtete Fronten gibt. Fest eingeplante Gelder, wie Zuschüsse aus dem Fonds „Aufbau Ost“, verfielen, weil seitens des Bezirks Treptow Fristen für Verträge nicht eingehalten wurden. Betreiber und Verwaltung arbeiteten aneinander vorbei, der Informationsfluss stagnierte. So war es von Anfang an nicht möglich, an dem abgelegenen Ort ausreichend Parkplätze zur schaffen – ein Muss für die ehrgeizigen Besucherzahlen und zu DDR-Zeiten völlig unproblematisch. Angeblich jedoch erfuhren die Betreiber zu spät, dass ihr Gelände unter Landschaftsschutz gestellt worden war, was das Grundstück verkleinerte und die Einrichtung weiterer Stellplätze verhinderte. Die Idee, den Spreepark in der nahegelegenen Wuhlheide umziehen zu lassen, verlief im märkischen Sand.

Berlin, Spreepark (Bild: D. Bartetzko)
Im Jahr 2001 schloss der ehemalige “Kulti” seine Pforten (Bild: D. Bartetzko)

Laut wird der Streit zwischen Berliner Senat und der Familie Witte ab 2001 ausgetragen, als angeblich ein zwei Jahre altes Gutachten auftaucht, das den Parkplatzbau bewilligt. Der Gegenvorwurf: Die sinkenden Besucherzahlen und wachsenden Schulden lägen am schlechten Management. Die Spreepark GmbH sieht nach gut zehn Jahren Hindernislauf keine Chancen mehr, den Ex-VEB-Park als modernes Freizeitareal wiederzubeleben. Sie kündigt den Erbpachtvertrag und hofft, sich damit aller Verpflichtungen zu entledigen. Man habe den Vertrag unter völlig anderen Bedingungen abgeschlossen, als sie mittlerweile eingetroffen seien. Der Liegenschaftsfonds des Senats wehrt sich gegen diese Vorwürfe und weist die Vertragskündigung zurück. Die Betreiber melden Insolvenz an und räumen das Grundstück.

 

Eine filmreife Familiengeschichte

Die Familie Witte baut Fahrgeschäfte ab und reist nach der Saison 2001 nach Peru. „Flüchtet“ wird ihr vorgeworfen, ihnen große Summen Schwarzgeld im Gepäck nachgesagt. Ob diese Gerüchte der Wahrheit entsprechen, wird wohl ebenso wenig aufgeklärt werden, wie das Gezerre zwischen Spreewald GmbH und dem Bezirk Treptow. Jedenfalls konnte die Familie nach der Schließung des Spreewaldparks in Lateinamerika nicht neu anfangen. Norbert Witte, Techniker und Pressesprecher der Betreibergesellschaft, wurde wegen Drogenschmuggels, der – angeblich ohne sein Wissen – an peruanische Kreditgeschäfte geknüpft war, in Berlin zu sieben Jahren Haft verurteilt, die er verkürzt absaß.

Berlin, Spreepark (Bild: D. Bartetzko)
Das sog. Westerndorf im Park wurde noch einige Zeit bewohnt (Bild: D. Bartetzko)

Unterdessen ruhten die Bemühungen, für den Spreepark Plänterwald eine Lösung und neue Betreiber zu finden, keineswegs. Die Insolvenzverwalter erhoben Räumungsklage gegen den Initiator und 23 Bewohner des Westerndorfs. Unterschiedliche Investoren zogen sich wegen der anhaltenden Probleme zurück; auch die späte Bewilligung eines Parkhauses überzeugte nicht. Selbst die rudimentäre Versorgung mit Strom, Schneebeseitigung, Grünflächenpflege und Wachschutz kosten die Berliner monatlich 30.000 Euro. Der Park verfällt seit 2001 kontinuierlich.

 

Das denkmalgeschützte „Eierhäuschen“

Von dem Niedergag ist auch das einzige tatsächliche Denkmal des Parks, das „Eierhäuschen“ betroffen. Nach seiner Schließung während der konfliktreichen Übergangszeit zum West-Park wurde nie wie eigentlich verabredet Hand angelegt. Das Eierhäuschen verdankt den Namen dem nahen Schiffsanleger, von dem aus an vorbeifahrende Schiffer hartgekochte Eier verkauft wurden. Die ursprünglich 1837 gebaute Schifferkneipe brannte zweimal ab, schaffte es aber in Theodor Fontanes Roman „Der Stechlin“. Der 1897 erstmals publizierte Roman bezog sich vermutlich auf den zweiten, heute noch stehenden Wiederaufbau als Fachwerkhaus von 1891/92 durch Karl Frobenius. Eine Teilrestaurierung 1973 tat dem beliebten Ausflugslokal nicht gut: Um Heizkosten zu sparen, wurde die Deckenhöhe reduziert und dabei der historische Stuck beschädigt.

Berlin, Spreepark (Bild: D. Bartetzko)
Das denkmalgeschützte „Eierhäuschen“ wartet dringend auf Sanierung (Bild: D. Bartetzko)

Heute lässt man sich von befürchteten denkmalpflegerischen Auflagen abschrecken. Aber auch die juristische Situation erschwert die drängende Sanierung des Eierhäuschens, denn bisher löste man es trotz zahlreicher Anträge u. a. durch die Initiative „Pro Plänterwald“ nicht aus dem Erbpachtvertrag. Das würde einen separaten Verkauf und eine neue Chance für das historische Lokal ermöglichen. Doch selbst wenn sich ein Interessent fände, müsste der eine weitere Hürde nehmen: Auch das Eierhäuschen gehört zum Landschaftsschutzgebiet Plänterwald – somit darf im Außenbereich kein Mobiliar stehen, für das Sommergeschäft gänzlich unattraktiv. Inzwischen prüft die Stiftung Denkmalschutz Berlin erneut die Möglichkeit eines separaten Verkaufs; das Ergebnis ist offen und könnte für das desolate Haus zu spät kommen.

 

Der neue Ruinentourismus

Berlin, Spreepark (Bild: D. Bartetzko)
Verblassende Farben verleihen dem Park einen morbiden Charme (Bild: D. Bartetzko)

Das marode Eierhäuschen steht für die Atmosphäre des gesamten ehemaligen Freizeitparks. Ob verrammelte Kassenhäuschen, verblasste Dinosaurierfiguren oder das lückenhafte Maul der Geisterbahn – alles verharrt wie von einem Zauberstab in den Tiefschlaf versetzt. Mit der wuchernden Natur entsteht ein morbider Charme, und genau der lockt heute Scharen von Besuchern. Der Ruinentourismus wird durch Wochenend-Führungen angekurbelt. Sie starteten 2009 zum 40. Geburtstag des Rummelplatzes; die Laufzeit wurde wegen des großen Erfolgs bis heute verlängert. Seit 2010 informiert ein kleines Spreepark-Museum über die Geschichte und aktuelle Aktionen. All das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Verfall und Vandalismus fortschreiten.

Den Verfall zu stoppen und dem Freizeitpark neues Leben einzuhauchen, ist weniger eine Frage des Denkmalschutzes als guter Nutzungsideen. Denn was genau soll (abgesehen vom Eierhäuschen) geschützt werden? Eine glorreiche Vergangenheit, festgemacht an nur noch freiluftmuseal zu betrachtenden Einrichtungen, die größtenteils erst nach der DDR entstand? Einerseits will man an der morbiden Atmosphäre teilhaben, andererseits den Freizeitpark neu erfinden. Doch wie passt das zusammen? Die aktuelle Vermarktung kann nur eine Zwischennutzung sein. Für solche ist Berlin bekannt, manche Provisorien stabilisieren sich für Jahre. Aber auch hohe Eintrittspreise und das seit 2011 installierte „Café Mythos“ tragen nur notdürftig zum Unterhalt bei. Der Ruinentourismus ist keine Dauerlösung, wohl aber eine Werbung für den Standort und ein Mahnruf an die Verantwortlichen.

 

Ein Happy End?

Berlin, Spreepark (Bild: D. Bartetzko)
Vergangenes wartet auf Wiederbelebung (Bild: D. Bartetzko)

So jedenfalls stellte es sich Ende März 2014 dar, nachdem auch eine Zwangsversteigerung im Herbst 2013 geplatzt war. Überraschend scheint Bewegung in die verfahrene Situation gekommen zu sein. Am 26. März konnte man im Lokalteil des Berliner Tagesspiegels lesen: „Der Liegenschaftsfonds kauft den Spreepark zurück“. Und am Tag darauf: „Zeit, dass sich was dreht“, darunter eine Abbildung des Riesenrads. Vollkommen unerwartet für die Öffentlichkeit, hat sich das Land Berlin entschieden, den Spreewaldpark zurückzukaufen. Das Schuldenproblem ist damit gelöst; die Familie Witte wird trotz ihrer Misswirtschaft für die Räumung des Grundstücks abgefunden, der Weg für einen Neuanfang scheint frei.

Ein Happy End? Das bleibt abzuwarten. Der Treptower Bezirksbürgermeister möchte sich um eine möglichst rasche Baugenehmigung bemühen, was für dieses „Sondergebiet mit hohem Grünanteil“ kein Problem sei. In der alten DDR-Größenordnung denken auch die Optimistischsten nicht, wohl aber an eine halbe Million Besuchern jährlich. Wohnungen, so ein häufig geäußerter Verdacht in der Schließungsphase, seien weder geplant noch genehmigungsfähig. Erfreulicherweise erfährt auch das Eierhäuschen die längst fällige Beachtung: Es soll als Baudenkmal restauriert und wieder zu einem Ausflugslokal verwandelt werden. Und zwar kurzfristig.

 

das wurde draus …

In der Nacht vom 10. auf den 11. August 2014 brannte das Themendorf „Alt England“ auf dem Spreeparkgelände nieder.

 

Ein Rundgang durch den Spreepark

Begleiten Sie mit Bildern von Daniel Bartetzko eine „Fan-Führung“ durch den stillgelegten Berliner Freizeitpark.

 

Literatur und Quellen

Schönball, Ralf, Spreepark im Plänterwald. Was hat Berlin nun mit dem Spreepark vor?, in: Der Tagesspiegel. Berlin 27. März 2014

Stollowsky, Christoph, Der Liegenschaftsfonds kauft den Spreepark zurück, in: Der Tagesspiegel. Berlin 26. März 2014

Szabo, Sacha/Flade, Christopher, Vom „Kulturpark Berlin“ zum „Spreepark Plänterwald“. Eine VergnügungskulTOUR durch den berühmten Berliner Freizeitpark, Berlin 2011

Fan-Homepage des Berliner Spreeparks

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Frühjahr 14: Sport und Spektakel

LEITARTIKEL: Freie Zeiten, gute Orte

LEITARTIKEL: Freie Zeiten, gute Orte

Ingeborg Flagge sieht hinter den modernen Freizeitbauten eine Gesellschaft aufscheinen, die alles auf einmal will – und doch nur ein Zuhause sucht. Dabei brauche es weder vordergründiges Spektakel noch pure Funktion und Konstruktion. Sie ist sich sicher: Wirklich gute Architektur nimmt ein, überzeugt und erfreut.

FACHBEITRAG: Der Berliner Spreepark

FACHBEITRAG: Der Berliner Spreepark

Christina Gräwe folgt all den vielen Achterbahnfahrten: Jetzt gibt es neue Hoffnung für den stillgelegten Berliner Freizeitpark.

FACHBEITRAG: Das Kurbad Königstein

FACHBEITRAG: Das Kurbad Königstein

Karin Berkemann zeigt den Bäderbau der Nachkriegszeit: am Kurbad Königstein, das Otto Herbert Hajek 1977 künstlerisch gestaltete.

FACHBEITRAG: Der Hockenheimring

FACHBEITRAG: Der Hockenheimring

Daniel Bartetzko blickt auf den Geschwindigkeitsrausch und die sprechenden Architektur am Hockenheimring.

INTERVIEW: Zu Hause bei Dieter Rams

INTERVIEW: Zu Hause bei Dieter Rams

Der langjährige Braun-Designer zeigt sein Kronberger Haus: Wohn- und Atelierräume als Gesamtkunstwerk.

PORTRÄT: Das Gloria in Weißenfels

PORTRÄT: Das Gloria in Weißenfels

Sarah Huke beschreibt die moderne Baugeschichte und ungewisse Zukunft des Lichtspieltheaters Gloria in Weißenfels.

FACHBEITRAG: Das Kurbad Königstein

von Karin Berkemann (Heft 14/1)

Königstein/Taunus, Kurbad, Treppenturm (Bild: K. Berkemann)
Kommunale Bäder – hier Königstein – gehörten nach dem Krieg zur „Grundausstattung“ (Bild: K. Berkemann)

Es macht wenig Sinn, einen Artikel über Hallenbäder mit einer Tennishalle zu beginnen – wären da nicht ein futuristischer Entwurf und ein eigensinniger Architekt gewesen. Als das Taunusstädtchen Idstein 1970 endlich ein neues Hallenbad bekommen sollte, lobte man einen Wettbewerb aus und wählte die zwei besten Einsendungen aus. Nach lokalen Ränkespielen jedoch zog der Idsteiner Architekt Richard Bauer seinen Vorschlag zurück. Dabei hatte er das Ganze so schön geplant: eine moderne weitgespannte Betonschalen-Konstruktion. Kurzerhand verdoppelte Bauer die Grundfläche, errichtete seinen Entwurf 1973 auf eigene Kosten am Stadtrand, benannte das Ergebnis nach seiner Frau und bewirtschaftete es über Jahrzehnte als Tennis- und Veranstaltungshalle. Aber dazu später mehr …

 

Die neue Lust am Baden

Königstein, Kurbad (Bild: K. Berkemann)
Bis in die Nachkriegszeit stand bei vielen Hallenbädern die Idee von Sport und Gesundheit im Vordergrund (Bild: K. Berkemann)

Um 1970 rüsteten viele Kleinstädte ihre Infrastruktur auf, um einladender, unterhaltsamer, urbaner zu wirken. Neben die Umgehungsstraße und die Gesamtschule traten vielerorts das Theater und das Hallenbad. Noch um 1900 diente die öffentliche Badeanstalt vor allem der großstädtischen Gesundheit. Mit den Jahren etablierten sich auch auf dem Land Natur- und Freibäder und nach 1945 wollte man schließlich flächendeckend sportliche Schwimmstätten einrichten. Doch noch immer standen Gesundheit und Hygiene im Vordergrund, dabei hatte sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts eine andere, lustvolle Badekultur entwickelt: Im Kur-(Hallen-)Bad sollte sich der Gast körperlich wie seelisch erholen.

Im besten Fall verband man das Gute aus beiden Strömungen: die Breitenwirksamkeit der Sportbäder mit der Erholungsqualität der Kurbäder. Denn mit dem Wohlstand wuchs nach dem Krieg auch die Sehnsucht nach den kleinen Fluchten. Immer mehr Freizeit wollte immer anspruchsvoller gefüllt werden – und dafür stand den Badegästen immer mehr Geld zu Verfügung. Neue Großprojekte nutzten diesen Trend, so z. B. das Alpamare (1970) im traditionsreichen Kurort Bad Tölz. Für das erste deutsche Wellenbrandungsbad wurde mit Urlaubsflair geworben: Baden unter Palmen. Und wo es in Kleinstädten nicht für tropische Gewächse reichte, mussten zumindest Riesenrutsche und Pommesbude her.

 

Eine Wahrzeichen für Königstein

Königstein, Villa Borgnis (Bild: K. Berkemann)
Die Königsteiner Villa Borgnis wurde 1927 zum Kurhaus umgewidmet (Bild: K. Berkemann)

Die Taunusstadt Königstein hatte ein geschütztes, fast mediterranes Klima, nur keine eigene Heilquelle. Doch dem Arzt Georg Pingler (1815-92) genügte für seine – an Sebastian Kneipp erinnernde – Kur „normales“ kaltes Wasser. In das 1851 begründete Prießnitz-Bad kamen rasch illustre Patienten wie der nassauische Herzog Adolph. Das wachsende Königstein konnte für seine Bürger 1924 das Freibad im Woogtal eröffnen und für seine Gäste 1927 die malerische Villa Borgnis (1860) zum Kurhaus umwidmen. Was zum „vollgültigen“ Kurort noch fehlte, war ein repräsentatives Kurmittelhaus.

Als 1970 ein Wettbewerb ausgelobt wurde, wünschte man ein Hallenbad mit einem Kurmittelhaus, einer (später nicht umgesetzten) Arztabteilung und Räumen für Friseur, Pediküre, Maniküre, Kiosk … Überzeugen konnte der Entwurf des Stuttgarter Büros Geier + Geier, der die unterschiedlichen Funktionen am Hang geschickt übereinander staffelte. Doch auch die „symbolischen“ Anforderungen an das neue Wahrzeichen waren hoch: Der Bau sollte die Tradition wie die Modernität einer Kurstadt verkörpern, der Gesundheit wie der Freude dienen, die Einheimischen wie die Kurgäste ansprechen.

 

Ein Gesundheitsbad zum Wohlfühlen

Königstein/Taunus, Kurbad, Außenbau (Bild: K. Berkemann)
Weithin sichtbar und gut erreichbar liegt das Kurbad Königstein am Hang über der Bundesstraße 8 (Bild: K. Berkemann)

Auf diesen Anspruch waren Rudolf (1916-2007) und Ingeborg (* 1931) Geier bestens vorbereitet: Er hatte in Karlsruhe u. a. bei Egon Eiermann gelernt und schon beim Kurbad Badenweiler (1954) – mit Otto Linde und Georg Meistermann – erste Erfahrungen gesammelt. Sie hatte in Aachen u. a. bei Hans Schwippert ihre Ausbildung absolviert. Gemeinsam gründeten sie 1963 ihr Büro und konzentrierten sich rasch auf den boomenden Bäderbau. Mit Großprojekten wie Bad Bevensen (bis 1970) konnten sie bereits ihr Gesellenstück vorweisen.

Für Königstein gestalteten Geier + Geier einen plastischen Stahlbetonbau: lagernde schalungsraue Brüstungsfelder, aufstrebende strukturierten Treppentürmen und große Glasflächen. Eine markante Form, die an prominenter Stelle – über der Bundesstraße 8, unter Burg Falkenstein, vor der grünen Taunuslandschaft – gerne mit einem Schiff verglichen wurde. Egal wie, das neue Kurbad war nicht zu übersehen.

 

Der Griff in den Farbtopf

Königstein/Taunus, Kurbad, Foyer (Bild: K. Berkemann)
Im Foyer des Königsteiner Kurbads werden Gäste von leuchtenden Farben willkommen geheißen (Bild: K. Berkemann)

Daran war der Stuttgarter Maler und Bildhauer Otto Herbert Hajek (1927-2005) entscheidend beteiligt. Seine Farbgestaltung tauchte das neue Kurbad 1976/77 in leuchtende Blau- und Orangetöne. Manche sahen darin die traditionellen nassauischen Farben – der Künstler selbst hielt sich von solch vordergründigen Deutungen fern. Er führe nur das Waldgrün und Himmelsblau der malerischen Umgebung mit künstlerischen Mitteln fort. Mit leuchtenden Farben heiße er die Gäste von Weitem willkommen und begleite sie mit immer neuen abstrakten Mustern durch die einzelnen Räume.

Hajek zählte Königstein zu seiner Reihe „Farbwege“, einer Gruppe von Farbgestaltungen im öffentlichen Raum. Durch seine Beiträge zur Kasseler documenta II und III (1959/64) hatte sich Hajek einen Namen gemacht und als Vorsitzender des Künstlerbundes (1972-79) bundesweit Wirkung entfaltet. Seine farbliche Ausgestaltung der Saarbrücker Mensa (bis 1970) schließlich eröffnete die Reihe der „Farbwege“, die Hajek bis nach Königstein führen sollte: häufig Primärfarben, immer zwischen Abstraktion und Zeichen, im besten Fall als Einheit aus bauender und bildender Kunst.

 

Ein außergewöhnliches Gesamtkunstwerk

Königstein/Taunus, Kurbad, Schwimmhalle (Bild: K. Berkemann)
Architektur und Farbe verbinden sich in Königstein zum Gesamtkunstwerk (Bild: K. Berkemann)

Als Hajeks Signalfarben in Königstein 1977 sichtbar wurden, diskutierten die Einheimischen wie die Fachleute leidenschaftlich. War das jetzt erfrischend modern oder unerträglich fremd? In jedem Fall war es mutig, denn allzu lange hatte sich die bildende Kunst im Bäderbau auf dezente Mosaike und dekorative Figürchen reduzieren lassen. Doch um 1970 trat die Farbe immer selbstbewusster neben die Architektur – wie etwa der Grafiker Anton Stankowski in Allendorf an der Eder 1972 das Viessmann-Bad durch seine Entwürfe prägte. In Königstein nutzte man das innovative Gesamtkunstwerk ganz pragmatisch: Die neu gegründete KurGmbH übernahm Hajeks vieldiskutiere Blau-Orange-Kombination kurzerhand als Werbefarben für die ganze Stadt.

In den folgenden Jahren wurde das Kurbad behutsam an die sich wandelnden Bedürfnisse angepasst. Zur Hangseite erweiterte man 1983 und 1994 die Sauna und ergänzte nach Osten 1988 – wieder in Hajek-Farben – ein Freibecken. Damit blieb das Königsteiner Kurbad bemerkenswert unverändert erhalten. Ein seltener Glücksfall, werden kommunale Bäder doch immer öfter „ertüchtigt“ oder gleich ganz eingespart. Die Architekturhistorikerin Iris Meder zählt das Königsteiner Gesamtkunstwerk gar zu den „außergewöhnlichsten Bädern in Mitteleuropa“. Und auch die Königsteiner hat neue Badelust gepackt, wie am 8. April 2014 die Frankfurter Rundschau meldete: „Das alte Kurbad soll saniert werden“.

 

Freiräume für neue Ideen

Idstein, Lore-Bauer-Halle (Bild: K. Berkemann)
Die Idsteiner Lore-Bauer-Halle (1973) – geplant als Schwimm-, umgesetzt als Tennishalle – steht seit einigen Jahren leer (Bild: K. Berkemann)

Und was wurde aus dem verhinderten Hallenbad von Idstein? Auch das Geld für Tennishallen ist knapp geworden. Seit einigen Jahren steht die Lore-Bauer-Halle leer und wartet auf eine neue Nutzung. Ein Raum, der schon in der Planungsphase einmal leichtfüßig seine Funkion gewechselt hat, lässt dafür viel Freiheit. Viele moderne Freizeitbauten können mehr, als wir uns heute für sie einfallen lassen. Sie können Freiräume werden für kleine Fluchten und große Begegnungen, neue Entdeckungen und erholsame Erlebnisse. In diesem Sinne: Gehen Sie mal wieder schwimmen!

 

Rundgang durch das Kurbad

 

Archive und Literatur

Deutsches Kunstarchiv, Nürnberg; Geier Völlger Architekten [ehem. Geier + Geier], Stuttgart; Kurbad Königstein, Königstein/Taunus; Nachlass Richard Bauer, Idstein; Stadt Königstein, Bauverwaltung, Königstein/Taunus; Stadt Idstein, Bau- und Betriebsamt; Stadtarchiv Idstein; Stadtarchiv Königstein/Taunus; Südwestdeutsches Archiv für Architektur und Ingenieurbau/Karlsruher Institut für Technologie, Karlsruhe

Meder, Iris, Badefreuden. Eine Reise zu den außergewöhnlichsten Bädern in Mitteleuropa, Wien 2011

Großmann-Hofmann, Beate/Köster, Hans-Curt, Königstein im Taunus. Geschichte und Kunst. Mit einem Katalog einiger erhaltenswerter historischer Bauten (Die Blauen Bücher), Königstein/Ts. 2010 (2. Auflage)

Gomringer, Eugen (Hg.), O. H. Hajek, eine Welt der Zeichen, hg. [anlässlich einer dortigen Ausstellung] von der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Köln 2000

Hess, Ilse, Die Neuorientierung im Bäderbau 1970 bis 1985 unter besonderer Berücksichtigung der historischen Entwicklung, Ahrensburg 1989 [zgl. Diss., Universität, Hamburg, 1988]

 

Nach diesem Beitrag ging es weiter mit …

2014 erschien im Langewiesche-Verlag eine Monographie zum Königsteiner Hallenbad: mit großformatige Abbildungen und Fachbeiträgen.

Klempert, Gabriele/Köster, Hans-Curt (Hg.), Hajeks Farb-Bad in Königstein. Eine Symbiose aus Architektur und Kunst von Geier + Geier mit Otto Herbert Hajek am Kurbad in Königstein i. Ts., Langewiesche-Verlag, 2014, gebunden, 101 Seiten, 22,3 x 27 cm (quer), 185 Abbildungen (zumeist farbig), ISBN 978-3-7845-6306-0.

 

Und die Deutsche Bauzeitung nahm sich des Kurbads 2016 mit einem fachkundigen Beitrag von Dr. Chris Gerbing an.

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Frühjahr 14: Sport und Spektakel

LEITARTIKEL: Freie Zeiten, gute Orte

LEITARTIKEL: Freie Zeiten, gute Orte

Ingeborg Flagge sieht hinter den modernen Freizeitbauten eine Gesellschaft aufscheinen, die alles auf einmal will – und doch nur ein Zuhause sucht. Dabei brauche es weder vordergründiges Spektakel noch pure Funktion und Konstruktion. Sie ist sich sicher: Wirklich gute Architektur nimmt ein, überzeugt und erfreut.

FACHBEITRAG: Der Berliner Spreepark

FACHBEITRAG: Der Berliner Spreepark

Christina Gräwe folgt all den vielen Achterbahnfahrten: Jetzt gibt es neue Hoffnung für den stillgelegten Berliner Freizeitpark.

FACHBEITRAG: Das Kurbad Königstein

FACHBEITRAG: Das Kurbad Königstein

Karin Berkemann zeigt den Bäderbau der Nachkriegszeit: am Kurbad Königstein, das Otto Herbert Hajek 1977 künstlerisch gestaltete.

FACHBEITRAG: Der Hockenheimring

FACHBEITRAG: Der Hockenheimring

Daniel Bartetzko blickt auf den Geschwindigkeitsrausch und die sprechenden Architektur am Hockenheimring.

INTERVIEW: Zu Hause bei Dieter Rams

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Der langjährige Braun-Designer zeigt sein Kronberger Haus: Wohn- und Atelierräume als Gesamtkunstwerk.

PORTRÄT: Das Gloria in Weißenfels

PORTRÄT: Das Gloria in Weißenfels

Sarah Huke beschreibt die moderne Baugeschichte und ungewisse Zukunft des Lichtspieltheaters Gloria in Weißenfels.