Hamburg, Freihafen-Elbbrücke (Bild: GeorgHH, PD, 2007)

Der Kompromiss zur Freihafen-Elbbrücke

Schon seit Jahren wird darum gestritten, ob die Hamburger Freihafen-Elbbrücke abgerissen oder denkmalgerecht saniert werden soll. Der Denkmalverein Hamburg nannte die zwischen 1914 und 1926 errichtete Konstruktion ein „gefährdetes Wahrzeichen“. Die Arbeiten waren vom Ersten Weltkrieg unterbrochen worden, die Entwürfe stammten von den Oberbaudirektoren Gustav Leo und Friedrich Sperber. Als „Fachwerkbogenträger mit Zugband“ werden die sog. Deutschen Bögen – nur selten wurden sie wie hier in Hamburg zweigeschossig ausgeführt – als Denkmal von nationalem Rang eingestuft. Damit erhielten Fußgänger:innen, Eisenbahn und Autoverkehr die Gelegenheit, die Elbe zu kreuzen. Das Obergeschoss war für U-Bahnzüge vorgesehen, deren Strecke allerdings nie in Betrieb genommen wurde.

Die Vorstellungen über die Zukunft des Ingenieurbaukunstwerks gingen auseinander. Ein Gutachten der TU Cottbus sprach 2018 von einer ausgezeichneten Stahlqualität und einem guten Erhaltungszustand. Zudem biete sich hier die Chance, das brachliegende Obergeschoss etwa für einen Fußgänger- und Fahrradweg zu erschließen. Demgegenüber sah die Hafenverwaltung (Hamburg Port Authority, HPA) eine marode Brücke und forderte den Abriss. Eine Sanierung sei zu aufwendig und teuer. An die Stelle der denkmalgeschützten Konstruktion wäre dann ein historisierender Neubau getreten. Nun zeichnet sich ein Kompromiss ab: Während man das gesamte Untergeschoss und im Mittelteil auch das Obergeschoss austauscht, werden die beiden rahmenden Obergeschosse denkmalgerecht instandgesetzt. Damit bleibt zumindest ein Teil der geschützten Originalsubstanz erhalten. 2024 sollen die Arbeiten, deren Gesamtkosten auf 160 Millionen Euro geschätzt werden, abgeschlossen sein. (kb, 22.2.21)

Hamburg, Freihafen-Elbbrücke (Bild: GeorgHH, PD, 2007)