Freiburg, St. Elisabeth (Bild: PD, wohl Ende 1960er Jahre)

Freiburg: Wohnen im Kirchturm

Die Glocke wurde 2014 nach Tansania abgegeben, der zugehörige Turm stand lange leer. Dabei war in die benachbarte Kirche St. Elisabeth in Freiburg-Zähringen bereits kurz darauf viel Leben eingezogen. Der brutalistische Baukörper wurde bis 2015 unter dem sinnigen Namen „Church-chill“ zu Wohnungen der gehobenen Kategorie umgenutzt. Das Pfarrhaus musste dran glauben, das Schiff wurde horizontal unterteilt, um Fensteröffnungen ergänzt und um zwei Geschosse aufgestockt – deutlich abgesetzt vom Bestand durch gelbe Fensterstreben.

Unter den Käufern der neuen Wohnungen im Kirchenschiff findet sich auch der Sohn des damaligen Architekten. Denn 50 Jahre zuvor hatte man die Kirche nach Entwürfen des Architekten Rainer Disse eingeweiht. Doch 2006 musste der Gottesdienstraum aus der liturgischen Nutzung genommen werden, der Abriss lag in der Luft. Nach der geglückten Rettung des Schiffs 2015 verliebte sich eine Filmarchitektin und Designerin in das letzte Sorgenkind: den Turm. Hier konnte sie schließlich ihr eigenes Domizil einrichten. Auf fünf Ebenen entstand zwischen 2018 und 2019 ein Konzept „für temporäre Wohn- und Kreativnutzungen“. Teils vorhandene Lichtschlitze wurden erweitert und neue Fensteröffnungen geschlagen. Im Inneren konnte der Sichtbeton teils erhalten und in die neuen Raumkonzepte einbezogen werden. (kb, 20.7.20)

Freiburg im Breisgau, St. Elisabeth, 2018 (Bild: © Jörgens.mi/CC BY-SA 3.0)
Bild: Willy Pragher, Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Freiburg, W 134 Nr. 099672a, 1974)

Freiburg im Breisgau, St. Elisabeth (Bilder: Titelmotiv: PD, wohl Ende 1960er Jahre; Mitte: © Jörgens.mi/CC BY-SA 3.0, 2018, unten: Willy Pragher, Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Freiburg, W 134 Nr. 099672a, 1974)