Winterthur, Halle 53 / Katharina-Sulzer-Platz (Bild: Thomas Vogt, CC BY-SA 2.0)

Kultur statt Parkhaus

Eines der größten historischen Industrieareale der Schweiz befindet sich in Winterthur. Dort befand sich ab 1834 die altstadtnahe Metallgießerei der Gebrüder Sulzer. Innnerhalb von rund 150 Jahren entwickelt sich dort geradezu ein Stadtteil, in dem über 30.000 Menschen arbeiteten. In den 1980ern verließ die Firma ihr 150.000 Quadratmeter großes Gelände. Erste Projektstudien, die den weitgehenden Abbruch der zwischen 1834 und 1975 errichteten Gießerei-Bauten vorsahen, trafen auf weitgehende Ablehnung nicht zuletzt in der Bevölkerung. Nach mehreren Veranstaltungen zur Zukunft des Areals lobte die Firma Sulzer 1992 einen internationalen Wettbewerb aus, aus dem das Projekt „Megalou“ des Pritzker-Preisträgers Jean Nouvel (mit Emmanuel Cattani) siegreich hervorging. In der Zwischenzeit hatten sich bereits etliche Zwischennutzungen auf dem Sulzer-Areal etabliert. Und obwohl die Baugenehmigung seit 1995 vorlag, führten diverse Verzögerungen dazu, dass die Investorensuche erst Jahre später starten konnte – und mitten in eine Rezession fiel. 2001 wurde das Projekt „Megalou“ gekippt.

Mittlerweile konzentriert sich die Sulzer Immobilien AG auf ein ganzheitliches Entwicklungsmanagement, das neben Grossprojekten auch kleinere Um- und Neubauten auf dem teils denkmalgeschützten Areal zulässt. Es wird rege gebaut: Rund 30.000 Quadratmeter Bürofläche und etwa 300 Wohnungen befinden sich in Planung oder in Realisierung. Den ständigen Veränderungen fiel unter anderem die 2007 eingerichtete Fabrikkirche Winterthur schon wieder zum Opfer. Auch eine weitere Zwischennutzung endet nun: Die Halle 53, gemeisam mit der angrenzenden Halle das längste Gebäude des Areals, beherbergte bisher das wohl schönste Parkhaus der Schweiz. Seit längerem existiert aber ein Konzept für die Nutzung als Konzerthaus, Messe- und Kongresszentrum. Besitzerin des Baus ist die Stadt, die Winterthurer Firma Siska Immobilien steht nun nach einem Bericht des „Landboten“ als Investor fest. Den Wettbewerb hatten die Winterthurer Architekten Birgit und Beat Rothen zusammen mit Barbara Buser und Pascal Biedermann von der Basler Denkstatt Sàrl gewonnen. Sie schlossen sich mit Eric Allmendinger von Vivo Immobilien zur Halle 53 GmbH zusammen und mieten die Halle von der Stadt. Zusammen mit ihnen will die Siska das Projekt nun entwickeln. Die Autos müssen also wieder draußen parken. (db, 16.5.21)

Winterthur, Halle 53 / Katharina-Sulzer-Platz (Bild: Thomas Vogt, CC BY-SA 2.0)