Japanische Tagträume

Japanische Tagträume

Shoji Ueda, aus der Serie "Sand Dunes", 1948 (Foto: © Shoji Ueda Office)
Shoji Ueda, aus der Serie „Sand Dunes“, 1948 (Foto: © Shoji Ueda Office)

Gibt es eine eigenständige moderne japanische Fotografie? Eine Antwort ermöglicht vielleicht die umfangreiche Sammlung von gut 900 modernen und zeitgenössischen japanischen Fotografien, die das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe in den 1980er Jahren aufbauen konnte. Anhand rund 30 ausgewählter Positionen freier künstlerischer Fotografie geht die dortige aktuelle Ausstellung „Japanische Tagträume“ noch bis zum 10. Juli diesen Fragen nach. Der rapide gesellschaftliche Wandel in Japan im frühen 20. Jahrhundert und die Spannungen zwischen Innovation und Tradition spiegeln sich in den Arbeiten verschiedener Fotografen.

In seinen abstrakten Dunkelkammerexperimenten thematisierte Kanbei Hanaya in den 1930er Jahren Licht und Bewegung als Phänomene der Moderne. Taikichi Irie porträtierte seit den späten 1930er Jahren die Puppen des Bunraku-Theaters in Osaka. Shoji Ueda inszenierte seine Modelle in den Sanddünen von Tottori wie Pantomimen auf einer Bühne. In den 1960er Jahren etabliert sich unter den japanischen Fotografen ein stark subjektiver Stil. Miyako Ishiuchi betrachtet in ihrer Serie „Yokosuka Story“ die Stadt ihrer Kindheit. Foumio Takashima arbeitet mit Tänzern zusammen. Masamichi Harada und Toshio Shibata zeigen in ihren Stillleben beschlagene Fensterscheiben oder Strukturen aus Sand. Eine Erweiterung um medienreflexive Ansätze findet sich beim Fotokünstler Satoshi Saito. (kb, 24.5.16)

Ist das Stadt oder kann das weg?

Ist das Stadt oder kann das weg?

"Ist das Stadt oder kann das weg" (Bild: Musenkuss Potsdam)
Der Zettel zeigt – in Anspielung auf das surrealistische Pfeifenbild von René Magritte – übersetzt: „Das ist kein Käse.“ (Bild: Musenkuss Potsdam)

Die Debatte um das „Neugestalten“ oder „Neudenken“ der Potsdamer Mitte ist bekannt – und wird aktuell per Bürgerbegehren ausgetragen. Nun nähert sich ein Ausstellungsprojekt der Frage, wie mit dem ostmodernen Erbe der Stadt umzugehen ist, auf kreative Weise. Unter dem schönen Titel „Ist das Stadt oder kann das weg? Zum Innehalten in der Stadtmitte Potsdams“ will es das fünfköpfige Kuratorenteam „neudeuter“ aus Berlin, Potsdam und Argentinien möglich machen, „am Ort der anstehenden Veränderungen in neue Blickwinkel einzutauchen“.

12 Potsdamer sind gebeten, aus einem Stück Beton des ostmodernen Fachhochschulgebäudes ihr eigenes Kunstwerk zu schaffen. Bei ihrem Treiben und Tun filmen sich die Akteure und diese Sequenzen werden in der Ausstellung zu sehen sein. Ob sie den Beton bebrüten, besingen, an die Wand werfen oder zerreiben, bleibt jedem selbst überlassen. In den Werkstätten, zu denen „Potsdamer Mitte neu denken“ eingeladen hatte, wurden Bürger gebeten, ihr Vorstellungen in Bilder umzusetzen. Das Projekt kann am 28. und 29. Mai 2016 im Schaufenster der ehemaligen Fachhochschule im ZEM (Brandenburgisches Zentrum für Medienwissenschaften, hinterm Stadtschloss/Neuer Landtag, Friedrich-Ebert-Straße 4, Potsdam) bestaunt werden. (kb, 22.5.16)

Berliner Ruinologie

Berliner Ruinologie

Teufelsberg_Bild_VergangenheitsverlagVom Zweiten Weltkrieg über die Innenstadtbrachen bis zum Flughafenbauversuch, Berlin wird auf besondere Weise durch seine Ruinen geprägt. Einem besonderen Beispiel dieser Gattung widmet Chris Wunsch nun im Vergangenheitsverlag eine neue Publikation mit dem treffenden Untertitel „Die Berliner Ruinologie“: Die Rede ist vom Teufelsberg. Eine Erhebung, die aufs engste mit der Stadtgeschichte verwoben ist, war sie doch Teil der Welthauptstadtplanungen „Germania“, die der Architekt Albert Speer für die Nationalsozialisten zu Papier und Modell brachte. Hier sind die Trümmer des Zweiten Weltkriegs begraben, nach 1945 funktionierten die Alliierten das Areal zur Abhörstation um.

Heute ist es der Teufelsberg der prominenteste verlassene Ort Berlins, ein lost place. In seiner „Ruinologie“ seziert Wunsch die Schichten des Trümmerbergs, und erzählt von den Utopien und Albträumen der Vergangenheit. Der Autor Christian-Gordon Wunsch, geboren 1981 in Berlin, studierte Kulturarbeit an der FH Potsdam und ist in Berlin als Kulturschaffender aktiv. Seit 2014 arbeitet er am ICI Berlin Institute for Cultural Inquiry. (kb, 20.5.16)

Wunsch, Christian, Teufelsberg: Die Berliner Ruinologie, Vergangenheitsverlag, Berlin 2016, 200 Seiten, 11,8 x 1,5 x 17,2 cm, ISNBN 978-3864082054.