Berlin, Villa Poelzig (Bild: Bauwelt 21, 1930, 34)

Villa Poelzig: Der Abriss läuft

Da haben sich die Modernist:innen die Finger wund geschrieben, kreativ demonstriert und argumentativ protestiert, am Ende hat alles nichts genutzt: Die Berliner Villa Poelzig wird gerade dem Erdboden gleich gemacht. Dabei stand hier in veritables Geschichtszeugnis, das alle Widersprüchlichkeiten der 1930er Jahre bündelt. Der Entwurf für das 1930 fertiggestellte Haus stammte von Marlene Moeschke-Poelzig – Bildhauerin, Architektin und eben auch Ehefrau des meist bekannteren Architekten Hans Poelzig. Die Gartengestaltung übernahm unter anderem Hermann Mattern. Nach Hans Poelzigs Tod 1936 kaufte der Regisseur Veit Harlan die Immobilie. Wahrscheinlich wurde hier der Film „Jud Süß“ geschnitten, der im neu eingerichteten Kinoraum die private Uraufführung erlebte. Geschichtsträchtiger geht es kaum – die Gedenktafel der Stadt Berlin am Tor, die nur an Hans Poelzig erinnerte, war eigentlich zu knapp …

Über Monaten hinweg stand der Abriss der Villa Poelzig bereits im Raum. Das Landesdenkmalamt hatte Anfang der 1990er entschieden, dass das Gebäude aufgrund diverser, zuletzt 1954 erfolgter Umbauten nicht schützenswert sei. Zuletzt verfiel das Anwesen, das Dach wurde abgedeckt und nur vorübergehend mit einer Plane geschützt. Nun berichtet der Architekturjournalist Nikolaus Bernau in der Berliner Zeitung, dass gestern die Abrissarbeiten begonnen haben. Das zugehörige Foto zeigt das schwere Gerät genau dort, wo weite Teile des Hauses schon in Trümmern liegen. Das Areal wurde vor einigen Wochen veräußert, entstehen sollen nun neue Wohnungen im Luxussegment. Abrissgegner:innen haben heute Abend über Social Media dazu aufgerufen, morgen (2. November) zwischen 12 und 13 Uhr vor der Villa (Tannenbergallee 28) zu demonstrieren. Man will mit dem Eigentümer verhandeln, um zu retten, was noch zu retten ist (wenn noch etwas zu retten ist). (kb, 1.11.21)

Berlin, Villa Poelzig (Bild: Wasmuths Monatshefte 14, 1930, 10)
Berlin, Villa Poelzig (Bild: Wasmuths Monatshefte 14, 1930, 10)

Berlin, Villa Poelzig (Bilder: Bauwelt 21, 1930, 34)