Ludwigshafen, RathausCenter (Bild: Rudolf Stricker, gemeinfrei, 2007)

Ein Hoch auf die Hässlichkeit!

Der 30. Ludwigshafener Kultursommer sucht den Corona-Widrigkeiten zu trotzen. Bei einer Veranstaltung klappt das ganz hervorragend: Unterm (zugegebenermaßen suggestiven) Titel „Germanys Ugliest City Tours“ lädt das Kulturzentrum Das Haus zu einer Radtour rund um die City von Ludwigshafen. Für all jene, die vom Schreckens-Tourismus nicht genug kriegen können, geht es per Pedale auf eine zwölf Kilometer lange Strecke in die Randbereiche; versprochen werden fragwürdige, irritierende und verstörende Orte. Der besondere Charme der Tour liege im Gefühl, dass man glaube, diese Orte des Schreckens schnell verlassen zu können – um dann mit gleicher Geschwindigkeit am nächsten schrägen Platz zu landen.

Dass Ludwigshafen aber nicht wirklich niederschmetternd hässlich ist, und dass der bisweilen krude urbane wie architektonische Mix längst Fans hat, zeigte sich sehr schnell nach Bekanntgabe der Veranstaltung: Sie war in Nullkommanix ausgebucht! Wer mag, kann zumindest versuchen, sich auf die Warteliste setzen zu lassen (los geht es am 18. September um 18 Uhr). Unser Tipp: Wenden Sie sich doch nach dem 18. September an die Veranstalter und lassen sich (wenn möglich) die Stationen durchgeben, um sie selbst abzuradeln. Denn das bislang gentrifizierungsfreie Ludwigshafen hat viele schrecklich charmanter Orte zu bieten – gerade für Liebhaber der Nachkriegs- und Spätmoderne! (db, 29.8.20)

Ludwigshafen, RathausCenter (Bild: Rudolf Stricker, gemeinfrei, 2007)