Stuttgart, Hanns-Martin-Schleyer-Halle (Bild: Steffen Prößdorf, CC BY-SA 4.0)

Schleyerhalle ein Auslaufmodell?

Die größte Mehrzweckhalle Baden-Württembergs ist in die Jahre gekommen – was auch damit zu tun hat, dass der technische Anspruch an diese Gebäudegattung sich in den vergangenen Jahren vervielfacht hat. Ebenso die Brandschutzanforderungen, ein beliebtes Totschlagargument, wenn es um Abriss oder Sanierung geht. Jedenfalls ist die 1983 eröffnete Hanns-Martin-Schleyer-Halle in Stuttgart mittlerweile nicht mehr sehr beliebt bei Veranstaltern: Zu niedrig (Helene Fischer konnte ihre Akrobatikeinlage im Konzert nicht aufführen …), schlechte Akustik, veraltete Logistik und, und, und. Seit einer Modernisierung 2006 wurde nichts Wesentliches mehr ersetzt. Jetzt soll eine Machbarkeitsstudie bis Ende des Jahres erweisen, wie es weitergeht. Sanierung oder Abriss samt Neubau an gleicher Stelle heißen die Optionen. Die Tendenz in Richtung Abriss ist schon jetzt vernehmbar. Eigentlich sei die Halle eine überdachte Radrennbahn, sagte etwa Andres Kroll, Geschäftsführer der Veranstaltungsgesellschaft in Stuttgart, einer städtischen Tochterfirma, die die Halle betreibt. Doch selbst bei Sportveranstaltungen gebe es Probleme: Die bei Events mittlerweile üblichen Videowürfel ließen sich nicht anbringen, weil sie den Zuschauern auf den Rängen die Sicht nähmen, zudem gebe es insgesamt zu wenig Sitzplätze – doch immer häufiger würden Konzerte bestuhlt.

Mit einer Entscheidung über die Zukunft der Halle rechnet Kroll nicht vor Mitte kommenden Jahres. Vor der Fußball-EM 2024 werde sich aber sicher nichts tun, denn es müsse einen Architektenwettbewerb geben, Sponsoren, einen Namensgeber und eine Finanzierungszusage der Stadt. Allerdings sorge eine attraktive Halle auch für Wertschöpfung in der Stadt. Hotels, Gastronomie und Einzelhandel würden profitieren. Der Punkt Namensgeber ist dabei interessant: Der Neubau würde kaum mehr nach dem von der Roten Armee Fraktion (RAF) ermordeten Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer benannt werden, der immer wieder als Namensgeber wegen seiner Vergangenheit als Nazi-Funktionär und Mitglied der SS in der Kritik stand. Die Linksfraktion im Stuttgarter Gemeinderat hatte deshalb bereits 2019 eine Umbenennung der Halle gefordert. Mit dem Abriss hätte sich das Thema definitiv erledigt – ob nun elegant oder nicht. Gebaut wurde die spätmoderne Schleyerhale 1980-83 nach Plänen der Architekten Siegel, Wonneberg und Partner, das noch heute aktive Nachfolgebüro asp hat die Modernisierung 2007/2008 geleitet. (db, 23.9.21)

Stuttgart, Hanns-Martin-Schleyer-Halle (Bild: Steffen Prößdorf, CC BY-SA 4.0)