Zum Tode von Klaus Kinold

Der Architekturfotograf Klaus Kinold ist im Alter von 81 Jahren verstorben. Seine zeitlosen Fotografien werden in Erinnerung bleiben. Noch im vergangenen Jahr war ein kleiner Ausschnitt seines Schaffens in einer Ausstellung im Museum DKM in Duisburg zu sehen. Präsentiert wurden Fotografien, die eine Grabanlage des italienischen Architekten Carlo Scarpa zeigen. Hinzu kamen Motive, die Kinold auf Reisen nach Italien entdeckte, wo er in Venetien die Möglichkeiten der Panoramafotografie auskostete. Ebenso nahm er Bauten von Ludwig Mies van der Rohe oder Le Corbusier vor die Linse. Doch nicht nur die Meisterwerke der klassischen Moderne begeisterten ihn: Hans Döllgast, Karljosef Schattner oder Josef Wiedemann, als Vertreter einer bayerisch-gemäßigten Moderne waren für Kinold nicht weniger bildwürdig. Gerne lichtete er ihe Bauten in schwarz-weiß ab, sein Credo: „Ich will Architektur zeigen, wie sie ist“.

Bekannt wurde Kinold Ende der 1960er Jahre und durchaus mit Mut zur Farbe, als er nach seinem Architekturdiplom, das er an der TH Karlsruhe unter Egon Eiermann erwarb, für die Zeitschrift „KS Neues“ verantwortlich war. Dieses anspruchsvolle Fachblatt rückte Gebäude mit dem Material Kalksandstein in den Fokus. Überhaupt hatte es in der Nachkriegszeit für so manchen Baustoff ein prätentiöses Magazin gegeben, von „ac – Die internationale Asbestzementrevue“ bis hin zu „Glasforum“. In diesem Potpourri elaborierter Druckerzeugnisse waren es Kinolds Gestaltung und seine Fotografien, die aus KS Neues etwas ganz Besonderes mach(t)en. (mk, 22.3.21)

Titel: Klaus Kinold bei einer Vernissage in Bielefeld 1993 (Copyright Wilfried Dechau)

Kulturdenkmal Ferienwohnung

Der Schwarzwald ist um ein Kulturdenkmal reicher: In Sasbachwalden-Brandmatt ist eine Ferienwohnanlage vom Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg unlängst als Denkmal gelistet worden, wie die BNN berichten. Es ist ein besonderes Kleinod, das hier im Schatten der Hornisgrinde entstand. Anstelle anheimelnder Holzhütten erwarten Terrassenhäuser mit Laubengang-Erschließung die Gäste. Die fahren erst einmal über eine Ringstraße in das „Dorf im Dorf“ und parken dann direkt unter ihrem Apartment. In der Mitte des Rings befindet sich das ursprünglich als Hotel errichtete Haupthaus.

Gebaut wurde die Anlage zwischen 1971 und 1975 nach Plänen von Heinz Jakubeit und Gerhard Seebacher. Um das Haupthaus herum ordneten Jakubeit und Seebacher die Terrassenhäuser in gestaffelten Zeilen an. Durch ihre Fassaden und Satteldächer in braunen Faserzementplatten wurden sie harmonisch in die Landschaft eingebunden. Grün gefasste, metallene Balkonbrüstungen und Geländer an den Laubengängen sowie Stützmauern aus Sichtbeton zählen zum bauzeitlichen Farbkonzept. Man mag sich dabei vielleicht am winterlichen Schwarzwald orientiert haben? Obwohl das Hotel samt Restaurant inzwischen ebenfalls zu Ferienwohnungen umgebaut wurde, hält es bis heute Schwimmbad und Sauna für Urlauber:innen vor. Der außergewöhnliche Erhaltungszustand hat auch die Denkmalpflege überzeugt und lässt die Ferienträume der Flower-Power-Ära noch heute wahr werden. (mk, 20.2.21)

Sasbachwalden-Brandmatt, Ferienwohnungen (Bild: booking.com)

Pekka Pitkänen und die finnische Moderne

Bei DOM Publishers ist erstmals eine englischsprachige Monografie über den finnischen Architekten Pekka Pitkänen erschienen. Obwohl der Architekt außerhalb Finnlands bislang kaum Bekanntheit genießt, war eine solche Würdigung überfällig, denn er prägte maßgeblich die klare Nachkriegsmoderne seines Heimatlands. 1927 geboren, eröffnete er im südfinnischen Turku Mitte der 1950er Jahre ein Architekturbüro. Seine Bauten entstanden hauptsächlich in der Umgebung der nach Einwohnern immerhin sechstgrößten finnischen Stadt. Bekannt wurde er mit einer 1967 fertiggestellten Friedhofskapelle in Turku, die sich durch ihre geometrischen, geschlossenen Baukörper klar von der umgebenden Kulisse des Nadelwalds absetzt.

Als weiterer Meilenstein im Werk Pitkänens kann die Erweiterung des finnischen Parlaments gelten, die er 1978 gemeinsam mit Ola Laiho und Ilpo Raunio umsetzen konnte. In seinen letzten Jahren konzentrierte er sich auf öffentliche Bauten wie das Gericht von Turku (1997). Auf über 200 Seiten beleuchtet nun der Autor Mikko Laaksonen das breite Werk Pitkänens. Neben zahlreichen Abbildungen sollen in das Buch auch die unveröffentlichten Memoiren des Architekten eingeflossen sein. (mk, 4.2.21)

Laaksonen, Mikko, Concrete Modernism in Finland. Pekka Pitkänen 1927–2018, Dom Publishers, Berlin 2021, 21 x 23 cm, 204 Seiten, 350 Abbildungen, Softcover, ISBN: 978-3-86922-744-3.

Turku, Runosmäen koulu (Bild: © Samuli Lintula, CC BY SA 3.0, 2008)