Die Bagger rücken an in Stuttgart

Die Wellen schlugen hoch, als 2016 bekannt wurde, dass der neue Eigentümer der EnBW-Zentrale in Stuttgart das Gebäudeensemble abreißen möchte: Erst 1997 wurde der dunkel geklinkerte, hochwertig ausgestattete Bau an der Jägerstraße fertiggestellt – nach Plänen des Büros Lederer Ragnarsdottir Oei. Der vordere Bereich an der Kriegsbergstraße stammt aus dem Jahr 1975. Die Architekten Kammerer und Belz schufen das großzügig verglaste Spätmoderne-Haus. Zwei hochwertige Gebäude in bestem Nutzungszustand, erstellt von namhaften Architekten: Wie weit kann Ressourcenverschwendung gehen, fragten viele angesichts der Abrisspläne des Investors Reiß und Co. Real Estate.

Mittlerweile ist klar, dass zumindest der jüngere Teil der EnBW-Zentrale erhalten bleibt. Der Glasbau von Kammerer und Belz hingegen wird demnächst abgerissen. An seiner Stelle soll ein 400-Betten-Hotel entstehen, gegebenenfalls auch Büroräume. Als Architekten wurden hier „alte Bekannte“ gewonnen: das Büro Lederer Ragnarsdottir Oei, für dessen 1990er-Jahre-Gebäude in der Jägerstraße nun neue Mieter gesucht werden. Ein Bonbon halten die Stuttgarter Nachrichten bereit: einen Rundgang mit dem Architekten Heiko Stachel durch die Abrissgebäude. Nun mag man nur noch darüber diskutieren, ob die Vernunft gesiegt hat, oder ob nur angesichts eines drohenden Imageschadens vom Abriss der gesamten Anlage abstand genommen wurde. Auf der Homepage des Nachfolgebüros von Kammerer und Belz heißt es übrigens: „Bauwerke brauchen Dauerhaftigkeit und die Fähigkeit zu altern“ … (db, 14.2.18)

Stuttgart, EnBw-Zentrale (Bild: Klaus Rau)

Berlin: Vergessener Mauerabschnitt entdeckt

Die Berliner Mauer wurde „nie“ beabsichtigt, gebaut, besprüht, durchlöchert und zuletzt – in Scheiben geschnitten – auf neureiche russische Vorgärten verteilt. Was in Berlin blieb, wurde als Zeitzeugnis umso wertvoller. Das dortige Landesdenkmalamt hat nun einen vergessenen Mauerabschnitt wiederentdeckt und gesichert. Am S-Bahnhof Schönholz wurde während der deutsch-deutschen Teilung eine alte Ziegelmauer als Teil der „Berliner Mauer“ verwendet. Zuvor trennte sie Parzellen an der Pankower Buddestraße vom benachbarten Bahnhof ab und sollte (ergänzt, erhöht und mit Sperrelementen versehen) Fluchtversuche verhindern. Damit liegt der 80 Meter lange Mauerabschnitt keine 200 Meter vom Fluchttunnel am Pankower Friedhof, durch den (bis zu seiner Entdeckung) rund 100 DDR-Bürger in den Westen gelangten.

Das Mauerstück dokumentiert, wie in der ersten Zeit des Mauerbaus vorhandene Strukturen für die schnelle Absperrung genutzt wurden. Auch an der Bernauer Straße dienten anfangs die Reste von Mietshäusern der Grenzbefestigung. Diese Bauphase ist sonst an keiner Stelle mehr in Berlin derartig authentisch überliefert. Deshalb wurde nun die Unterschutzstellung dieses besonderen Mauerabschnitts eingeleitet. Dr. Klaus Leder, Senator für Kultur und Europa, erklärte, die Regierungskoalition habe „sich vorgenommen, erhaltene Mauerreste verstärkt zu schützen.“ (kb, 6.2.18)

Eines der 1980 unübersehbaren Mauerabschnitte an der Liesen-/Gartenstraße (Bild: Alexander Buschorn, GFDL oder CC BY SA 3.0) – Bilder vom wiederentdeckten Mauerabschnitt in Pakow gibt es hier

Solingen: Abschied am Hermann-Löns-Weg

Einst kickte hier die Union Solingen in der 2. Fußball-Bundesliga. Doch die guten Zeiten im Stadion am Hermann-Löns-Weg sind lange vorbei. Der Fußballverein, nach einer Insolvenz 1990 als 1. FC Union Solingen neu gegründet, ist seit 2012 endgültig Geschichte. Und im 1929 errichteten Stadion werden bereits seit 2010 keine Ligaspiele mehr ausgetragen. Einst traten die Solinger hier gegen Bayern München, Schalke 04 (die 1983 mit 0:4 untergingen) und Borussia Mönchengladbach an – im DFB-Pokal 1985 wurde gegen das Team vom Niederrhein der Besucherrekord von 16.000 erreicht. Heute wird nur noch ein Nebenplatz samt Umkleidekabinen vom Verein OFC Solingen genutzt, den Rest des 1976 und 1982 sanierten Stadions hat mittlerweile die Natur erobert.

Bald dürfte mit der Idylle Schluss sein: Seit Jahren ist der Abriss der Sportanlage beschlossene Sache, nun dürfte es tatsächlich bald losgehen. Auf dem Areal im Stadtteil Ohligs sollen insgesamt 72 Häuser mit 105 Wohneinheiten entstehen, die von der Kölner BPD Immobilienentwicklung seit dem vergangenen Herbst vermarktet werden. Der Investor kündigt zumindest an, die Geschichte des Grundstücks zu berücksichtigen: Sofern möglich, wolle man Bereiche des Union-Stadions in die Bebauung mit einbeziehen. Stadt und Investor sind startbereit, derzeit wartet aber noch der Bebauungsplan auf die endgültige Genehmigung, diesen muss das Bauministerium des Landes NRW absegnen. (db, 3.2.18)

Solingen, Stadion am Hermann-Löns-Weg (Bild: Matthias Hermann)