Innenansichten: Mäusebunker & Co.

Es gibt viele Wege zu sagen: Bitte reißt den Mäusebunker (1981, Gerd und Magdalena Hänska) und das Hygieneinstitut (1974, Fehling+Gogel) nicht ab! Es ist die künstlerische Art, wenn in Berlin am 5. September 2020 von 13 bis 18 Uhr diese Ausstellung im „Studierzimmer“ eröffnet wird – kuratiert von Ludwig Heimbach, szenografiert von HEIM B. „Mäusebunker & Hygieneinstitut: Versuchsanordnung Berlin“ stellt diese beiden bedrohten Bauten in den Mittelpunkt. In der BDA-Galerie (Mommsenstraße 64) ist ein „Studierzimmer“ eingerichtet, während die Bauten in der Krahmerstraße in Berlin-Lichterfelde im Maßstab 1:1 gezeigt werden. Ergänzt wird die Präsentation durch zwei Veranstaltungen: Am 13. September um 12.30 Uhr um das Filmscreening „Mäusebunker“ von Lothar Hempel im Kino Filmkunst 66 – mit einer Sonderöffnung der Ausstellung von 14 bis 17 Uhr. Und zur Finissage am 29. September findet um 18 Uhr eine Podiumsdiskussion im Hygieneinstitut statt. In beiden Fällen ist eine Voranmeldung über die BDA-Homepage erforderlich. (kb, 26.8.20)

Collage: Versuchsanordnung Mäusebunker&Hygieneinstitut (Bild: © Ludwig Heimbach)

Berlin, Zentrale Tierlaboratorien, 1984 (Bild: © Georg Fischer)

Berlin, Mäusebunker, 2020 (Bild: © Kay Fingerle)

Berlin, Zentrale Tierlaboratorien der FU Berlin, Detail der Gaubenfenster, Gerd + Magdalena Hänska, 1973 (Bild: © Thomas Hänska)

Berlin, Mäusebunker, 2020 (Bild: © Kay Fingerle)

Berlin, Mäusebunker, 2020 (Bild: © Kay Fingerle)

Berlin, Mäusebunker, 2020 (Bild: © Kay Fingerle)

Berlin, Mäusebunker, 2020 (Bild: © Kay Fingerle)

Berlin, Mäusebunker, 2020 (Bild: © Kay Fingerle)

Berlin, Zentrale Tierlaboratorien der FU Berlin, Perspektiven, Entwurf, Grd + Magdalena Hänska, 1967 (Bild: © Thomas Hänska)

Berlin, Hygieneinstitut, Modellfoto, Fehling+Gogel, 1968 (Bild: © Karla Gogel-Pfefferkorn)

Berlin, Hygieneinstitut, 2020 (Bild: © Kay Fingerle)

Berlin, Hygieneinstitut, 2020 (Bild: © Kay Fingerle)

Berlin, Hygieneinstitut, 2020 (Bild: © Kay Fingerle)

Berlin, Hygieneinstitut, 2020 (Bild: © Kay Fingerle)

Berlin, Hygieneinstitut, 2020 (Bild: © Kay Fingerle)

Berlin, Hygieneinstitut, 2020 (Bild: © Kay Fingerle)

Film-Still des Music-Videos „Marry Me“ von Farao, Regie: Irrum (Bild: © Farao)

Film-Still aus „Mäusebunker“ (2014-20) von Lothar Hempel (Bild: © Lothar Hempel)

Titelmotiv: Berlin, Mäusebunker, 2020 (Bild: © Kay Fingerle)

Architektur an der Adria-Magistrale

Wir bedauern schon jetzt, bei Ihnen möglicherweise Fernweh auszulösen. Doch was die Herausgeberinnen Antonia Dika und Bernadette Krejs gerade im Jovis-Verlag veröffentlicht haben, ist die ideale Urlaubslektüre: Die Forscherinnen der TU Wien haben im Rahmen einer Exkursion mit Architektur-Studierenden entlang der kroatischen „Jadranska Magistrala“ (Adria-Magistrale) die Überbleibsel des sozialistischen Massentourismus untersucht. Entstanden ist ein Reiseführer, der aus einer Sammlung von sechs Essays samt ergänzender Karten besteht. Bemerkenswert ist der charmante Ansatz des Buches mit dem Titel „Mapping the Croatian Coast. A Roadtrip to Architectural Legacies of Cold War and Tourism Boom“. Reisen und dabei reflektieren, so könnte man das Ziel zusammenfassen.

Haludovo Hotel (Bild: Thorsten Shroeteler, CC BY-SA 4.0)

Haludovo Hotel (Bild: Thorsten Schroeteler, CC BY SA 4.0)

Mitte der 1940er Jahre kam erstmals die Idee auf, eine Autobahn entlang der kroatischen Küste zu errichten. Rund zwanzig Jahre sollten bis zur endgültigen Fertigstellung im Jahr 1965 vergehen. Für den Reiseverkehr bildete die Küstenstraße sozusagen das Rückgrat. Nachdem die ersten Fahrzeuge die Küstenstraße unter die Räder nahmen, blühte Ende der 1960er Jahre der internationale Tourismus im Land auf. An exponierten Hängen und Plateaus bauten Hotelketten neue Destinationen für anspruchsvolle Kunden. Die Architektur orientierte sich an internationalen Vorbildern der Moderne. Zwischen Reminiszenzen an Frank Lloyd Wrights Fallingwater-Haus und zeitgenössischen Interpretationen des Dogenpalasts in Venedig scheint sich beispielsweise der Hotelkomplex Haludovo in Malinska zu bewegen. Wo früher nebst Hydrokulturen auf gelbem Teppichboden eingecheckt wurde, liegen heute Trümmer. Nur die Deckenverkleidung im Tetris-Design und die plastischen Stützen erinnern noch an den Luxus im Sozialismus. Die organische Badelandschaft im Außenbereich hat außer Regen schon lange kein Wasser mehr gesehen.

„Mapping the Croatian Coast“ (Bild: Buchauszug, Jovis-Verlag)

Neben den (einst) mondänen Resorts rücken in den Beiträgen auch verlassene Militärgelände in den Blick. So führt das Buch weg vom üblichen Gedränge in den Altstädten von Dubrovnik oder Split, hin zu einer nicht minder interessanten Epoche der Geschichte Kroatiens. Oft sind die noch jungen Bauten derart verfallen, dass ein Besuch einer archäologischen Expedition gleicht. Der Leser soll niedrigschwellig auf die mal ruinösen, mal anderweitig genutzten, stets spektakulären Architekturen aufmerksam gemacht und zum Nachsinnen über deren Zukunft eingeladen werden. Spielerisch laden künstlerisch aufbereitete Überblickskarten zum intuitiven Erkunden ein. Praktischerweise wurde auch an einen robusten Schutzumschlag gedacht, damit das Buch auch bei Wind und Wetter oder einem Strandspaziergang nicht gleich zerbröselt. (mk, 6.8.20)

Kroatien (Bild: Kristina Sassenscheidt)

Kroatische Küste (Bild: Kristina Sassenscheidt, 2014)

Dika, Antonia/Krejs, Bernadette (Hg.), Mapping the Croatian Coast. A Road Trip to Architectural Legacies of Cold War and Tourism Boom, Berlin 2020, Jovis-Verlag, 144 Seiten, 8 Faltkarten, 108 Farb- und Schwarz-Weiß-Abbildungen, Englisch, ISBN 978-3-86859-648-9.

Fotostrecke

Kroatien (Bild: Kristina Sassenscheidt)
Kroatien (Bild: Kristina Sassenscheidt)
Kroatien (Bild: Kristina Sassenscheidt)

Titelmotiv und alle Aufnahmen der Fotostrecke: Kristina Sassenscheidt, Kroatische Küste, 2014

Hans Scharoun: Baustopp für Haus Baensch

Die Scharoun-Gesellschaft schlägt Alarm, die Behörden rufen den Baustopp aus: Es geht um Haus Baensch in Berlin-Spandau (Höhenweg 9), das 1934/35 kein Geringerer als der Architekt Hans Scharoun gestaltete. Auch der Garten ist mit Hermann Mattern mit einem klangvollen Namen verbunden. An diesem seit 1971 geschützten Kulturdenkmal wurden zu Jahresbeginn Bauarbeiten aufgenommen, um das für heutige Bedürfnisse knappe Raumprogramm zu erweitern. Im Sommer zeigte sich dann ein erschreckendes Bild: Teile des geschützten Gartens sind weggebaggert. Genehmigt war nur ein kleinerer Anbau im Bereich der angegliederten (ebenfalls geschützten) Garage. Doch nun erweist sich die begonnene Maßnahme als (geplante) tiefgreifende Unterbauung bzw. Aufstockung des Hauses.

Berlin-Spandau, Haus Baensch (Bild: Norhei, CC BY SA 3.0, 2011)

Berlin-Spandau, Haus Baensch, Gartenseite vor dem Umbau (Bild: Norhei, CC BY SA 3.0, 2011)

Nicht nur Modernisten schätzen Hans Scharoun für Werke wie Haus Schminke in Löbau oder die Berliner Philharmonie. Der neue Wohnsitz für Dr. Felix Baensch und seine Familie wurde von ihm 1934/35 konsequent auf einem fächerförmigen Grundriss entfaltet. Wo sich das Haus zur Straße blockhaft zeigt, öffnet sich die filigrane Gestaltung zum Garten hin. Die Stahlkonstruktion gibt viel Freiheit für großzügige Glasflächen. Von innen nach außen staffeln sich die Ebenen sanft den Hang hinab. Und vom fest installierten Sofa im vorgewölbten Wohnbereich weitet sich der Panoramablick auf die Havel.

Berlin-Spandau, Haus Baensch, Straßenseite vor dem Umbau (Bild: Norhei, CC BY SA 3.0, 2011)

Doch Scharouns überlegte Komposition scheint durch die aktuellen Umbaupläne bedroht. Verschiedene Vermittlungsversuchte brachten Ende Juni kein Ergebnis. Auf der „Letzten Seite“ der Juli-Ausgabe der „Bauwelt“ wird die Situation daher erneut angeprangert. Würden die Veränderungen weiter voranschreiten, könnte sogar der Denkmalschutzstatus in Gefahr sein. Nun wurden zunächst ein Baustopp verfügt und ein Bußgeld verhängt – vielleicht findet das bedrängte Haus Baensch ja bald einen neuen liebevolleren Käufer. (kb, 31.7.20)

Berlin-Spandau, Haus Baensch, Grundriss (Bildquelle: Tönnesmann, Andreas, Im Dritten Reich, in: Hoh-Slodczyk, Christine u. a. (Bearb.), Hans Scharoun. Architekt in Deutschland. 1893–1972, München 1992, S. 46–77, hierin: S. 50)

Innenaufnahmen zu Haus Baensch hier und hier. Einer der Umbauentwürfe hier.

Literatur

Die letzte Seite, in: Bauwelt, Juli 2020, 15, S. 64.

Krohn, Carsten, Hans Scharoun. Bauten und Projekte, Basel 2018, hierin: S. 86–87.

Pfannkuch, Peter (Hg.), Hans Scharoun. Bauten. Entwürfe. Texte (Schriftenreihe der Akademie der Künste 10), 1993 (Erstausgabe 1974), hierin: S. 11, 114–115.

Tönnesmann, Andreas, Im Dritten Reich, in: Hoh-Slodczyk, Christine u. a. (Bearb.), Hans Scharoun. Architekt in Deutschland. 1893–1972, München 1992, S. 46–77, hierin: S. 49–58.

Berlin-Spandau, Haus Baensch, Schnitt (Bildquelle: Pfannkuch, Peter (Hg.), Hans Scharoun. Bauten. Entwürfe. Texte (Schriftenreihe der Akademie der Künste 10), 1993 (Erstausgabe 1974), hierin: S. 115)

Titelmotiv: Berlin-Spandau, Haus Baensch, Gartenseite, Umbauarbeiten, 2020 (Bild: Claudia Riedel, via scharoun-gesellschaft.de)