Bauhäusle gefällig?

Im Sommer 2019 realisierten Studierende der Universität Kassel in Zusammenarbeit mit dem Baukollektiv Constructlab den Entwurf des Bauhauslehrers Ludwig Hilberseimer für das „Wachsende Haus“ (1930/32) auf dem Originalgrundstück in Dessau-Törten. Ähnlich wie bei den Neuen Meisterhäusern erfolgte diese (Re-) Konstruktion als innovative Aneignung. Das Gebäude lässt sich schnell und einfach demontieren und kann den Standort wechseln. Mit dem Umzug kann sich auch die Nutzung ändern. Die derzeitige Nutzung ist saisonal, da auf eine Wärmedämmung heutigen Standards verzichtet wurde, um dem Charakter der historischen Planung nicht zu entstellen. Der temporäre Bau ist Teil des Ensembles der Laubenganghäuser des Bauhauses unter Hannes Meyer – und von 31. Mai bis 11. Oktober wieder besichtigt werden.

Und dann? Mit Auslaufen des Pachtvertrags wird das Haus Ende Oktober in Dessau abgebaut. Dann steht das 85 Quadratmeter große Häusle (modularisierter Holzbau, saisonale Nutzung, mit 2 WC und Kochnische) für eine Übernahme durch eine kulturelle oder soziale Initiative oder Institution zu Verfügung.War das nix? Wer Interesse hat, möge sich bitte bis 15. Juli bei der Projektgruppe melden, Kontakt: dessau@bauhausbauen.de. Und wer (auch ohne Übernahmeabsicht) zur Besichtigung kommen mag, der findet das „Wachsende Haus“ in der Mittelbreite 12, 06849 Dessau-Törten, geöffnet ist Freitags 14 bis 17 und Sonntags 12 bis 16 Uhr (Mundschutz nicht vergessen!). (db, 25.5.20)

Dessau, „Das wachsende Haus“ (Bild: bauhausbauen.de)

Zukunft unter goldenen Wolken?

Das wird spannend: Am 19. Mai veröffentlichte das hessische Landesamt für Denkmalpflege ein Gutachten, welches den Denkmalwert zentraler Bauteile der abrissgefährdeten Städtischen Bühnen Frankfurt bestätigt. Diese stehen damit formell unter Denkmalschutz. In der Vergangenheit bestand hierzu bei der Stadt Frankfurt Unklarheit. Planungsdezernent Mike Josef (SPD) sagte im Vorfeld der Abrissentscheidung vom Januar, die Grundlage seiner Arbeit und Entscheidung über das Gebäude basiere auf der Tatsache, dass das Schauspielhaus oder Teile davon nicht unter Denkmalschutz stünden. Dies ist aber nun nicht (mehr) zutreffend. Das Landesdenkmalamt wurde vorab nicht in die Planungen der Stabsstelle Städtische Bühnen einbezogen.

Durch das Gutachten steht nun das beühmte Wolkenfoyer unter Denkmalschutz, eine formelle Eintragung in die Denkmalliste ist nach Paragraph 11 des Hessischen Denkmalgesetzes dafür nicht notwendig. In Hinsicht auf die bislang unterlassene, nun aber erforderliche Kontaktaufnahme äußerte der hessische Landeskonservator Heinz Wionski: „Wir freuen uns darauf, im konstruktiven Miteinander Chancen und Möglichkeiten der Erhaltung und Integration der denkmalwerten Elemente zu erörtern und gemeinsam weitere Schritte zu entwickeln“. Wichtig sei, die geschichtliche Dimension des Standorts sowie das besondere Erhaltungsinteresse am Foyer als Rahmenbedingung in den Planungsprozess einzubringen. Eine Petition gegen den Abriss der Städtischen Bühnen hat inzwischen über 5300 Unterzeichnende. (db, 22.5.20)

Frankfurt, Städtische Bühnen um 1970 (Bild: Dontworry, CC BY-SA 3.0)

Umbau als Königsdisziplin

Solange gebaut wird, wird auch umgebaut, angepasst, weiterverwendet. Doch seit der Industrialisierung der Bauwirtschaft und dem Einzug der Moderne ist der Neubau das Maß der Dinge. Die Kunst des Umbauens versank in der Bedeutungslosigkeit. Inzwischen haben sich die Vorzeichen geändert: Die Philosophie, dass nur was neu ist, gut sein kann, entpuppt sich immer deutlicher als ökologische Belastung – und auch als ideologische Sackgasse. Das reformerische Potenzial der Moderne sehen nicht wenige erschöpft, somit wird der Baubestand allmählich als Ressource anerkannt – vielleicht sogar als wichtigste Ressource für die Transformation unserer Städte. So erlebt die Architektur des Umbauens eine Renaissance. Gerade junge Architekten geben mit Projekten überraschende Antworten auf die ökologischen und gesellschaftlichen Fragen der Zeit.

30 (hoffentlich) wegweisende Umbauprojekte bündeln nun die Herausgeber Christoph Grafe und Tim Rieniets in ihrem Band „Umbaukultur. Für eine Architektur des Veränderns“ – angelehnt an die 2017er-Veranstaltung der Baukulturwerkstatt NRW. Ergänzt werden die Beispiele durch Essays u. a. von Andreas Hild und Georg Giebeler über die historische und architekturtheoretische Bedeutung des Umbauens. Womit sie bereits weit übers Thema „Graue Energie“ herausweist. (db, 18.5.20)

Grafe, Christoph/Rieniets, Tim (Hg.), Umbaukultur. Für eine Architektur des Veränderns, hg. mit Baukultur Nordrhein-Westfalen, Verlag Kettler, Dortmund 2020, 264 Seiten, farbige Abbildungen, Softcover.

Dortmund, Baukunstarchiv (Bild Podehl Foto Design)