Alle Beiträge von Daniel Bartetzko

Oldenburg, Avia-Tankstelle 2018 (Bild: Matti A. Bohm)

Oldenburg: Tankstelle gerettet?

Die denkmalgeschützte Oldenburger Tankstelle an der Ecke Kaiserstraße/Bleicherstraße ist in letzter Minute vor dem Abriss gerettet worden. Der vormalige Eigentümer hatte den Tankstellenbetrieb Ende Juni eingestellt. Aufmerksame Ex-Kunden beobachteten, dass bereits wenige Tage später ein Abbruchunternehmen die Gebäude vermessen hatte. Einer von ihnen informierte die Nordwest Zeitung: Er wusste um den Denkmalstatus der Avia-Station und mutmaßte, dass der neue Eigentümer Tatsachen schaffen wolle, bevor die Behörden eingreifen können. Offenbar hatte er Recht: Ein Sprecher der Verwaltung bestätigte der NWZ sowohl, dass die Tankstelle unter Schutz stehe als auch, dass tatsächlich ein Abriss zugunsten einer Wohnbebauung geplant gewesen sei. Die Stadt habe den Investor Capital Real dann auf den Denkmalstatus hingewiesen.

Nach der vorläufigen Rettung wurde indes gleich weiter an der 1955 errichteten Zapfstation geknabbert: Eine Tankstellenbau-Firma demontierte Tankks und Zapfsäulen. Das markante Flugdach, Hauptgrund der Unterschutzstellung blieb aber an Ort und Stelle. Nach einem Gespräch mit der Unteren Denkmalschutzbehörde erklärten die Investoren und die beauftragten Architekten von Neun Grad Architektur, nun Teile der Tankstelle in den Neubau zu integrieren. Neun Grad kann sich eine gastronomische Nutzung im Erdgeschoss vorstellen. Alle Pläne wolle man mit der Denkmalbeörde abstimmen. Klingt spannend … (db, 15.7.18)

Oldenburg, Avia-Tankstelle (Bild: Matti A. Bohm)

Buchen-Hettingen, Eiermann-Magnani-Haus (Bild: Wüstenrot Stiftung, Thomas Wolf)

Eiermann-Magnani-Haus

Am 17. Juni wurde mit dem Eiermann-Magnani-Haus in Buchen-Hettingen im Neckar-Odenwald-Kreis ein neues Museum eröffnet: Gemeinsam hatten der Architekt Egon Eiermann und der Ortspfarrer Heinrich Magnani nach dem Zweiten Weltkrieg hier ein soziales Vorzeigeprojekt geschaffen – eine der ersten Genossenschaftssiedlungen für Heimatvertriebene und Einheimische. Ein Gebäude aus dem Jahr 1947 blieb fast unverändert erhalten. Die Wüstenrot Stiftung hat es denkmalgerecht saniert und die vom Haus der Geschichte Baden-Württemberg konzipierte Ausstellung maßgeblich finanziert. Das Museum erzählt nicht nur vom frühen Hauptwerk eines außergewöhnlichen Architekten, sondern auch von der Aufnahme von Fremden und großem Engagement im Dorf.

Hettingen zählte damals 1.500 Einwohner und hatte rund 500 Vertriebene aufzunehmen. Mit der Gründung der Baugenossenschaft „Neue Heimat“ versuchte Magnani, „Ostflüchtlinge“ und Alteingesessene ebenso preisgünstig wie würdig unterzubringen. Die Siedlung entstand größtenteils in Eigenleistung der zukünftigen Bewohner und mithilfe ehrenamtlicher Freiwilliger. Eiermann schuf auf engem Raum großzügige, offene Wohnbereiche und plante die Ausstattung bis ins Detail. Das Vorzeigeprojekt zog weite Kreise, sogar der Papst würdigte es. Während fast alle Bauten der „Neuen Heimat“ Hettingens später verändert wurden, blieb das Häuschen in der Adolf-Kolping-Straße 29 ohne große Umbauten erhalten und wurde 2011 vom Verein Eiermann-Magnani-Dokumentationsstätte erworben, die Wüstenrot Stiftung übernahm es 2012 in ihr Denkmalprogramm. (db, 25.6.18)

Buchen-Hettingen, Eiermann-Magnani-Haus (Bild: Wüstenrot Stiftung, Thomas Wolf)

Karl Junker: Entwurf für Lemgo (Bild: Sammlung Prinzhorn)

Unruhe und Architektur

Um 1915 fing der Heidelberger Arzt und Kunsthistoriker Hans Prinzhorn (1886-1933) an, besonders faszinierende Werke seiner Patienten zu sammeln. Die meisten waren Insassen der Heidelberger „Universitäts-Irrenklinik“, wie sie hieß: Menschen mit Wahnvorstellungen oder Demenz, Traumatisierte, Autisten oder Schizophrene, die ihren Blick auf die Welt illustrierten. Die Sammlung Prinzhorn ist gewachsen, inzwischen zählt sie gut 26.000 Werke der sogenannten Outsider-Art – für die es in Heidelberg ein eigenes Museum gibt. Dort ist nun bis 26. August die Ausstellung „Unruhe und Architektur“ zu sehen, anlässlich der Zwischenpräsentation der Internationalen Bauausstellung Heidelberg (IBA), entstanden in Zusammenarbeit der Sammlung Prinzhorn mit Stephen Craig und Carl Zillich.

Wie Architektur Leben und Erleben bestimmt, wird besonders Menschen bewusst, die den Großteil ihres Lebens hinter den Mauern der Psychiatrie verbringen. So finden sich in Heidelberg neben Anstalts- und Zellendarstellungen etliche Baumotive – von abstrakten Entwürfen bis zu großformatigen, fantastischen Architekturzeichnungen. Rund 150 Papierarbeiten und Gemälde sind zu sehen. Darunter ist auch ein Entwurf für das „Junkerhaus“ in Lemgo (1889-91). Sein Schöpfer war Karl Junker, Künstler und Architekt. Es gebe keine Belege dafür, dass dieser tatsächlich psychisch krank war, meint Prinzhorn-Leiter Thomas Röske. Doch weil es Gerüchte gab, seien die Entwürfe einst in die Sammlung eingegangen. (db, 10.6.18)

Karl Junker, Entwurf für sein Wohnhaus (um 1888, Sammlung Prinzhorn)

Düsseldorf, Dreischeibenhochhaus (Bild: mini malist, CC BY ND 2.0, 2015)

Fritz Eller gestorben

„Gehen Sie nach Düsseldorf, da beginnt der Wiederaufbau“ – ein wohlmeinender Rat ihres Professors führte Fritz Eller und seine Kommilitonen Robert Walter und Erich Moser nach dem Diplom an der TH Graz 1953 ins Rheinland. Im Büro Hentrich & Heuser (später Hentrich & Petschnigg) begann die Karriere von Eller und Walter mit dem Entwurf des Ludwigshafener BASF-Hochhauses. Bald darauf – Erich Moser war wieder dabei – entstand 1960 im Auftrag der Phoenix-Rheinrohr AG das Dreischeibenhaus in Düsseldorf. Der US-Architekturhistoriker Henry-Russell Hitchcock nannte es „eines der schönsten Hochhäuser der Welt“ und stellte es auf eine Stufe mit dem zeitgleichen New Yorker Seagram Building.

In wechselnden Konstellationen – immer wieder mit Walter und Moser – gewann Eller Ende der 1950er etliche Wettbewerbe für große Unternehmen, die auf der Suche nach einer neuen Identität waren: Nach BASF und Thyssen kamen Boehringer, Mannesmann und Bayer. Es folgten Hochschulprojekte wie die Ruhr-Universität Bochum und die Hochschule Duisburg. Zu den wichtigen Entwürfen späterer Jahre zählen das Aachener Ludwig Forum, das Kölner Schokoladenmuseum und der Düsseldorfer Landtag. Fritz Eller, der zudem von 1962 bis 1992 am Institut für Bauwesen der RWTH Aachen lehrte, ist am 31. Mai im Alter von 91 Jahren in seiner Wahlheimat Aachen gestorben. (db, 7.6.18)

Düsseldorf, Dreischeibenhochhaus (Bild: mini malist, CC BY ND 2.0, 2015)

Emden, Kunsthalle (Bild: Unukorno CC BY-SA 3.0)

Hannover würdigt die Spengelins

Ingeborg (1923-2015) und Friedrich Spengelin (1925-2016) schufen die alte Bundesrepublik prägende Bauten wie das Rathaus Helgoland (1957-60), die Dreifaltigkeitskirche in Hamburg (1965), die Hochhäuser des NDR (1964-67) und der Hamburger Landeskirche (1971-74, Abriss 2017) sowie die Kunsthalle Emden (1983-86/1997-2000). Das Architektenpaar eröffnete 1951 ein gemeinsames Büro in Hamburg, ab 1975 wirkten sie in Hannover. Nachfolger des Hamburger Büros war von 1972 bis 2010 die Planungsgemeinschaft Spengelin, Gerlach und Partner (sgp). Nicht alle Spengelin-Bauten wurden – und werden – wirklich geliebt. Die vordergründige Strenge und die schiere Größe vieler Entwürfe sind es, die insbesondere den Stadtplanungen Friedrich Spengelins vorgeworfen werden: Auch das 1979 fertiggestellte, derzeit im Umbau befindliche „Bonner Loch“ zählt zu jenen Projekten, die einst gelobt und bald verachtet wurden.

Die Architektenkammer Niedersachsen in Hannover widmet den Spengelins bis zum 27. Juli eine Ausstellung. Zu sehen sind unter anderem Entwürfe für Hannover und Hamburg, für Buxtehude und Eckernförde. Die Kuratorin Ute Maasberg hat das Material mit Unterstützung von Barbara Spengelin, der Tochter des Paares, zusammengestellt. So finden sich auch Exponate aus dem Nachlass wie Fotos, Aquarelle und Schmuckstücke, die teils von Ingeborg Spengelin, teils von Eske Nannen angefertigt wurden – der Witwe des einstigen „Stern“-Herausgebers Henri Nannen, der seiner Geburtsstadt Emden eben auch die Kunsthalle gestiftet hat. (db, 4.6.18)

Emden, Kunsthalle (Bild: Ukumo, CC BY SA 3.0)