Ausstellungen

Josep Renau, Entwurf zum Erfurter Wandbild (Detail), 1982, Mischtechnik auf Holz (Bild: © Stadtverwaltung Erfurt/D. Urban)

Die Rückkehr eines Wandbilds

Überall fallen künstlerische Zeugnisse der Ostmoderne. Überall? Nein, Erfurt … Bis zum Sommer 2017 lässt die Stadt das 6 x 28 Meter große Glaskeramik-Wandmosaik „Die Beziehung des Menschen zu Natur und Technik“ von Josep Renau (1907-82) restaurieren. Der bis 1976 in der DDR ansässige spanische Künstler schuf das monumentale Werk für das ehemalige Kultur- und Freizeitzentrum in Erfurt. Seine Beauftragung zog sich von 1975 bis 1980 hin, die Einweihung erfolgte 1984.

2008 wurde das Wandbild am Moskauer Platz in Erfurt unter Denkmalschutz gestellt. Als das leerstehende Kultur-und Freizeitzentrum abgerissen werden sollte, wurde das monumentale Kunstwerk 2012 abgenommen und eingelagert. Nun kehrt es, in einer konzertierten Aktion von Stadt, Kulturdirektion, Wüstenrot Stiftung, Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie und „bürgerschaftlichem Engagement“, an seinen alten Ort zurück. Zu diesem Anlass werden aktuell im Grafikkabinett des Angermuseums (Anger 18, 99084 Erfurt) Studien, Entwürfe, Fotodokumente und der maßstäbliche Karton zum Wandbild präsentiert. Die Ausstellung „Josep Renau und sein Erfurter Wandbild“ ist noch bis zum 28. Mai 2017 zu sehen. (kb, 18.4.17)

Titelmotiv: Josep Renau, Entwurf zum Erfurter Wandbild (Detail), 1982, Mischtechnik auf Holz (Bild: © Stadtverwaltung Erfurt/D. Urban)

Dresden, Kulturpalast, nach 1970 (Foto: Richard Peter, Bild: Deutsche Fotothek df ld 0003137 001, CC BY SA 3.0)

Dresden: Ausstellung zum Kulturpalast

In Dresden läuft der Countdown zur Eröffnung des sanierten Kulturpalasts. Am 28. April ist es soweit: Mit Klängen von Schostakowitsch, Felix Mendelssohn Bartholdy, Franz Schubert und Beethoven soll der neue Konzertsaal des Baus eingeweiht werden. Wer so lange nicht mehr warten kann, dem sei die Ausstellung „Der Dresdner Kulturpalast. Architektur als Auftrag“ im Stadtmuseum Dresden ans Herz gelegt. Sie wird bereits eine Woche vorher, am Freitag, dem 21. April um 19 Uhr eröffnet.

Der Kulturpalast war und ist einer der umstrittensten Bauten der Dresdner Nachkriegsmoderne. Erkannten die einen in dem nach Plänen von Leopold Wiel gebauten und 1969 eröffneten Bauwerk eine Perle ostmoderner Architektur, schmähten es andere als Symbol der SED-Diktatur und forderten den Abriss. Die Ausstellung rekonstruiert die (Bau)geschichte des „Kulti“. In Modellen und Plänen widmet sie sich neben dem Bauwerk selbst auch den nicht realisierten Konkurrenzplanungen, den Kunstwerken am und im Palast sowie dem jüngst vollendeten Umbau. Begleitend erscheint ein Set von acht bebilderten Leseplakaten mit Hintergrundinformationen sowie ein Architekturführer zu sieben ausgewählten Bauten der Dresdner Nachkriegsmoderne. Das Museum bietet dazu entsprechende Stadtrundgänge an, die auch nach der Ausstellung fortgeführt werden sollen. Sie ist bis zum 17. September zu sehen. (jr, 17.4.17)

Titelmotiv: Dresden, Kulturpalast, nach 1970 (Foto: Richard Peter, Bild: Deutsche Fotothek df ld 0003137 001, CC BY SA 3.0)

Was wollt Ihr denn?!

Margret Hoppe, Couvent de SaintMarie de La Tourette I, Eveux, 2013, C-Print hinter Acrylglas (Bild: Margret Hoppe)
Couvent de SaintMarie de La Tourette I, Eveux, 2013, C-Print hinter Acrylglas (Bild: Margret Hoppe)

Wie kann man Architektur abbilden? Welche Haltungen nehmen Fotografen ein? Welche Positionen beziehen sie zum Stadtraum,  zum Gebäude, zum Innenraum, zur Ikone, zum Privaten, zur Infrastruktur, zur Kulturlandschaft? Welche neuen Ansätze werden formuliert, welche Möglichkeiten und Grenzen gibt es? Oder etwas freier mit Urs Stahel gesprochen: „Ja, was will sie denn, die Architekturfotografie?“ Das Karlsruher Architekturschaufenster (Waldstraße 8, 76133 Karlsruhe) möchte vier Wochen lang helfen, helfen, das herauszufinden: mit der Reihe „Ein Monat Architekturfotografie“.

Die Fotografen Blaffert & Wamhof (zu sehen von 25. April bis 7. Mai) begleiten seit 2007 den Abzug der britischen Streitkräfte aus Deutschland und beobachten die Veränderungen von Räumen, Gebäuden, Natur und Menschen. Der dritte Teil ihrer Langzeitdokumentation zeigt die Garnison Bergen-Hohne/Bad Fallingbostel im Sommer 2015 sowie die Gedenkstätte im ehemaligen KZ Bergen-Belsen. Margret Hoppe (von 9. bis 23. Mai) setzt sich in zwei Serien künstlerischer Fotografie intensiv mit dem Werk Le Corbusiers auseinander: „Après une Architecture“ zeigt einige seiner Bauten in Deutschland und Frankreich, „Cotton and Capital – Le Corbusier in India“ widmet sich jenen in Indien. (db, 13.4.17)

DDR Moderne Cottbus

Cottbus (Foto: Martin Maleschka)
Cottbus und seine Ostmoderne, gesehen durch das Auge des Architekten und Fotografen Martin Maleschka (Foto: Martin Maleschka)

Unter der Schirmherrschaft von Frau Ministerin Dr. Martina Münch öffnet die Cottbuser SPD (Mühlenstraße 17) ihre Geschäftsräume für den Architekten und Fotografen Martin Maleschka. 2005 griff der gebürtige Eisenhüttenstädter zur Kamera und begann das festzuhalten, was im Verschwinden begriffen war – Wohnbauten, Gesellschaftsbauten und Kunst am Bau der DDR. Was als Hobby neben dem Architekturstudium begann, wurde zu Profession und Kunst.

Diese Ausstellung „DDR Moderne Cottbus“ ist ein Plädoyer für den Erhalt der Architektur und baugebundenen Kunst der DDR-Zeit in Cottbus. Gezeigt werden etwa 25 Fotografien in schwarzweiß, die Maleschka in den vergangenen Jahren gemacht habe sowie (s)eine künstlerische Umsetzung des ehemaligen Krebs-Wandbilds des Cottbuser Künstlers Horst Ring (am Giebel der Wohnhausscheibe Görlitzer Straße) mit dem Dämmstoff Styrodur. Die Ausstellungseröffnung wird am 12. April um 18.00 Uhr in der Geschäftsstelle der SPD gefeiert. Im Anschluss ist die Ausstellung zu den Öffnungszeiten der Geschäftsstelle zu bis zum 26. April zu sehen, der Eintritt ist kostenfrei. (kb, 8.4.17)

Nürnbergs 50er

Plaerrer-Hochhaus (Bild: Claus Baierwaldes)
Das Plaerrer-Hochhaus war auch von innen ein Hingucker (Bild: Claus Baierwaldes)

Nürnberg hatte nach dem Krieg ein ramponiertes Image. Die Nazis hatten der „Stadt der Reichsparteitage“ mit dem riesigen Aufmarschgelände und seiner weltweiten Rezeption nachhaltig ihren Stempel aufgedrückt. Vielleicht wurde die Nachkriegsmoderne daher hier von manchem besonders euphorisch begrüßt, 1953 ließen sich etwa die Nürnberger Stadtwerke mit dem modernen Plärrerhochhaus das höchste Gebäude Bayerns errichten. Die Fotoausstellung „Architektur der 1950er Jahre in Nürnberg. Fotografien von Claus Baierwaldes“ im Museum Industriekultur widmet sich diesem und weiteren Kleinoden der Nachkriegsmoderne.

Besonders eng verbunden sind Nürnbergs 50er mit dem Namen Sep Ruf. Mit der Akademie der Bildenden Künste, der Bayerischen Staatsbank und dem Neubau des Germanischen Nationalmuseums errichtete der Architekt hier Bauten von überregionaler Bekanntheit. Neben diesen bedeutenden Gebäuden nehmen die Fotografien Claus Baierwaldes auch die unbekannte Nachkriegsmoderne in den Blick. Darunter zählen verspielt-elegante Kleinbauten wie Tankstellen, Kioske oder Pavillons ebenso wie betont sachliche Schulen und öffentliche Verwaltungsgebäude. Die Ausstellung ist bis zum 30. April 2017 zu sehen. (jr, 6.4.17)

Prora: Das doppelte Mahnmal

Markus Georg Reintgen, HOTEL_HITLER, 2016, zweiteilig (Bild: © Markus Georg Reintgen)

In Prora auf der Insel Rügen planten die Nazis ein gigantisches Erholungsheim für 20.000 Menschen. Bis 1939 entstand an der Küste ein 4,5 Kilometer langes Gebäudeband, das nur durch die rechtwinklig anschließenden Gebäuderiegel rhythmisiert wird. Im Zweiten Weltkrieg kamen die Arbeiten zum Erliegen, ein Teil der Anlage wurde zerstört. Die verbliebenen 2,5 Kilometer beheimateten jahrzehntelang Soldaten der DDR.

Nach der Wiedervereinigung wurde ein Großteil des „Koloss von Prora“ von Investoren zu Wohn- und Hotelbauten umfunktioniert. Nun steht mit Block V ein Gebäude-Teil vor der Privatisierung, der in seinem Inneren beredtes Zeugnis von der Kasernenvergangenheit Proras ablegt. Die Initiative „Denk-MAL-Prora“ will mit einer Unterschriftensammlung, die bereits 15.600 Unterzeichner fand, auf eine neue Erinnerungskultur hinwirken. Man fürchtet, dass durch Konzentration auf den Außenbau allein die NS-Zeit erinnert wird, während die wesentlich längere Nutzung durch das DDR-Militär in Vergessenheit gerät – obwohl Prora als „doppeltes Mahnmal“ dienen könnte. Wer sich der Frage aus künstlerischer Perspektive nähern möchte, hat dazu bis zum 25. Juni im arp museum (Bahnhof Rolandseck, Remagen) Gelegenheit: Die Ausstellung „Was sich abzeichnet“ zeigt – unter Werken von Stipendiaten des Künstlerhauses Schloss Balmoral und des Landes Rheinland-Pfalz – auch Schwarzweiß-Aufnahmen aus Prora von Markus Georg Reintgen. (jr, 30.3.17)

Das MoMA steht in Bielefeld

MoMa New York (Bild: Bild hibino)
Das MoMA in Bielefeld: Das glauben Sie nicht? Waren Sie etwa schon mal dort? (Bild: Bild hibino, CC BY SA 3.0)

Zwischen dem New Yorker Museum of Modern Art und dem Dessauer Bauhaus bestanden viele Verbindungen. Mit der Ausstellung und Begleitpublikation „The International Style“ stellte das Museum 1932 einen Gestaltungskanon auf, der für die Klassische Moderne konstitutiv sein sollte. Er orientierte sich besonders an der „weißen“ Moderne Walter Gropius‘ und seiner Dessauer Kollegen – und ignorierte andere Modernisten, die nicht in dieses Raster passten. Dies begründete später den Erfolg des ehemaligen Bauhausdirektors in der US-amerikanischen Emigration. Die Ausstellung „Partners in Design. Bauhaus-Pioniere in Amerika“ in der Kunsthalle Bielefeld beleuchtet mit Alfred H. Barr Jr. und Philip Johnson zwei Gründungsväter des MoMA.

1929 öffnete das Museum in New York seine Pforten. Barr fungierte als erster Direktor der Institution, Johnson leitete die Abteilung für Architektur. Die Bielefelder Ausstellung fokussiert die kuratorischen Ansätze der beiden amerikanischen Bauhausverehrer und zeigt Exponate, die durch die historischen Ausstellungen des MoMAs heute als Designklassiker gelten. Die Bielefelder Kunsthalle weist eine besondere Verbindung zu Johnson auf: Dieser zeichnete als Architekt für den Bau verantwortlich, der 2018 seinen 50. Geburtstag feiert. Die Ausstellung ist bis zum 23. Juli 2017 zu sehen. (jr, 29.3.17)