Ausstellungen

Werner Mantz Café Wien, Köln, 1929 Bromsilberdruck Museum Ludwig, Köln © VG Bild-Kunst, Bonn 2017 Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln

Werner Mantz in Köln

Werner Mantz ist einer der prominentesten Architekturfotografen der Weimarer Republik. In seinen Fotografien verewigte er ab 1926 das Neue Bauen in seiner Kölner Variante. Architekten wie Wilhelm Riphahn, Peter Franz Nöcker oder Caspar Maria Grod schätzten seine Arbeit. Weitgehend unbekannt, obwohl nicht weniger qualitätsvoll, sind dagegen Mantz Portätfotografien. Die Sonderausstellung „Werner Mantz. Architekturen und Menschen“ im Museum Ludwig schließt diese Lücke und zeigt bis zum 21. Januar 2018 Mantz‘ Werk in seiner vollen Bandbreite.

1932 eröffnete er in Maastricht ein Atelier und widmete sich der Portätfotografie. Bereits in den frühen 1920ern hatte er zahlreiche Vertreter der intellektuellen Szene in Köln porträtiert. 1938 siedelte Mantz, der wegen seiner jüdischen Wurzeln in Deutschland um sein Leben fürchten musste, gänzlich in die Niederlande über. Die Portätaufnahmen aus der Maastrichter Zeit wurden bislang noch nie ausgestellt. Die Ausstellung ist ein Gemeinschaftsprojekt des Museums Ludwig mit dem Nederlands Fotomuseum in Rotterdam, das den umfangreichen Bestand von Mantz‘ Fotografien aus den Niederlanden bewahrt. (jr, 18.10.17)

Werner Mantz, Café Wien, Köln, (Bild: © VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Rheinisches Bildarchiv Köln)

Vaals, Abtei St. Benedictus (Bild: © Jeroen Verrecht)

„A House for the Mind“: Dom Hans van der Laan

Es klingt fast mittelalterlich: Da arbeitet ein Mönch zugleich als Architekt und baut – natürlich – Kirchen und Klöster. Der 1904 in Leiden geborene Hans van der Laan nahm sein Studium in Delft auf, das er zugunsten seines Eintritts in den Benediktinerorden abbrach. Zu seinen wohl bekanntesten Bauten zählen die Abtei St. Benedictus (1968) in Vaals und die Abtei Roosenberg (1974) im belgischen Waasmunster. Als van der Laan 1991 in Memelis bei Vaals verstarb, hatte er sich über Jahrzehnte der Aufgabe verschrieben, die mittelalterliche Kirchbautradition in die Moderne zu überführen.

In Belgien hat man sich unter dem Titel „A House for the Mind“ das Werk van der Laans vorgenommen. 1977 sollte dieser sein Grundlagenwerk „De architectonische ruimte“ veröffentlichen. Entlang dieses Theoriekonzepts wollen die Kuratoren das fast hermetisch wirkende Werk des Benediktiners aufschlüsseln. Drei zeitgenössische Künstlerinnen – die deutsche Fotografin Friederike Von Rauch, die estnische Filmemacherin Ingel Vaikla und die niederländische Tonkünstlerin Esther Venrooy – zeigen daher ihren Blickwinkel auf van der Laans Bauten. Die Präsentation ist vom 13. Oktober 2017 bis zum 14. Januar 2018 in Antwerpen (deSingel International Arts Campus – Expo, Desguinlei 25, Antwerpen) zu sehen. Die Vernissage findet am 12. Oktober 2017 um 20 Uhr (Blue Hall deSingel International Arts Campus, Antwerpen) statt, eine Anmeldung ist erforderlich. (kb, 11.10.17)

Vaals, Abtei St. Benedictus (Bild: © Jeroen Verrecht)

Unbekannt (© Sammlung Werkbundarchiv – Museum der Dinge, Foto: Armin Herrmann)

FOTO | ALBUM

Mit der Ausstellung „FOTO | ALBUM“ präsentiert das „Werkbundarchiv – Museum der Dinge“ erstmals in größerem Umfang seine sonst unsichtbare Sammlung: private und anonyme Fotografie und Fotoalben aus einem ganzen Jahrhundert. In drei Kapiteln zeigt die Sonderausstellung im ersten Teil Hunderte von Einzelfotos, gruppiert nach immer wiederkehrenden Motiven. In einem zweiten Teil werden zahlreiche Fotoalben präsentiert und auf ihre besonderen Erzählformen hin untersucht. Zuletzt wird anhand von dinglichen Foto-Objekten eine Sicht auf Fotografie als materielle Kultur eröffnet. Ergänzt wird die Ausstellung durch künstlerische Perspektiven sowie einen Blick auf den aktuellen Bedeutungswandel im Zeitalter digitaler Bilderflut.

Das Fotoalbum – Kulturtechnik und Ordnungsprinzip zugleich – erschafft und deutet (Familien-)Geschichte und damit die eigene Identität durch das Arrangieren von Bildern mit Text und auch mündlicher Erzählung. Was erinnert werden soll, bestimmt diese kulturelle Praxis des Anlegens von Alben genauso wie das, was sie verschweigen. Die Ausstellung „FOTO | ALBUM. Private und anonyme Fotografie aus der Sammlung des Werkbundarchiv – Museum der Dinge“ wird am 19. Oktober 2017 um 19 Uhr im Berliner „Museum der Dinge“ (Oranienstraße 25, 10999 Berlin) eröffnet. Im Anschluss ist die Präsentation bis zum 26. Februar 2018 zu sehen. (kb, 10.10.17)

Unbekannt (© Sammlung Werkbundarchiv – Museum der Dinge, Foto: Armin Herrmann)

Martin Maleschka: Kunstkalender 2018 (Detail)

Ost-Kunst-Kalender

Wie könnte man das bald kommende Jahr besser beginnen als mit großformatigen Motiven zur Ostmoderne aus den bewährten Händen des Fotografen Martin Maleschka. In diesem Jahr hat er sich für seinen Fotokalender die baugebundene DDR-Kunst vorgenommen. Das Ganze wird edel produziert: mattes 300-Gramm-Papier im A3-Hochformat. Gezeigt werden Motive aus zwölf Städten: Eisenhüttenstadt, Magdeburg, Berlin, Frankfurt/Oder, Hoyerswerda, Halle-Neustadt, Rostock, Schwedt/Oder, Chemnitz, Waren/Müritz, Merseburg, Dresden und Neubrandenburg.

Beziehen kann man den Kalender für 20 Euro direkt bei Martin Maleschka unter: kunstkalender@icloud.com. Weihnachten kommt auch dieses Jahr wieder schneller, als man denkt! Und wer noch eine weitere gute Dosis Maleschka sucht, findet diese ab dem 10. Oktober (Vernissage ab 19.30 Uhr) in der Neuen Sächsischen Galerie (Neue Chemnitzer Kunsthütte e. V., Moritzstraße 20, 09111 Chemnitz) in der Sammelausstellung „Roter Oktober. Kommunismus als Fiktion und Befehl“, kuratiert von Dr. Paul Kaiser in Zusammenarbeit mit Christoph Tannert und Mathias Lindner. Die Präsentation ist bis zum 14. Januar 2018 zu sehen. (kb, 9.10.17)

Titelmotiv und Bildgalerie: Martin Maleschka, Kunstkalender 2018

Seff Weidl, Skulptur "Einigkeit" in der Gartenstadt Vahr, Bremen, 1959 (Bild: Hamburgisches Architekturarchiv)

Ernst May und die Skulptur

Der Architekten Ernst May fühlte sich ein Leben lang eng mit der Bildhauerei verbunden. Nach eigener Aussage wäre er selbst gerne bildender Künstler geworden, entschied sich dann jedoch für das Bauen. Während der Zeit des Neuen Frankfurt tauschte sich May stets mit zeitgenössischen Bildhauern aus, darunter Richard Scheibe und Josef Hartwig. In den 1950er Jahren folgten Bernhard Heiliger und Seff Weidl. Weidls monumentale Bronzeskulpturen etwa gehörten unauflöslich zu den städtebaulichen Ensembles, die Ernst May für die Neue Heimat realisierte.

Diesem fruchtbaren Zusammenspiel widmet sich vom 15. Oktober 2017 bis zum 1. April 2018 eine – vom Berliner Architekten Florian Seidel kuratierte – Ausstellung im Frankfurter ernst-may-haus. Thema ist die Wechselwirkungen zwischen Ernst Mays Architektur und der Bildhauerei, angefangen bei seinem Frühwerk, seinen Arbeiten in Frankfurt am Main, bis hin zu seinen Arbeiten der Nachkriegszeit. Die Vernissage wird am 14. Oktober 2017 um 18 Uhr im ernst-may-haus (Im Burgfeld 136, 60439 Frankfurt) gefeiert. (db, 8.10.17)

Seff Weidl, Skulptur „Einigkeit“ in der Gartenstadt Vahr, Bremen, 1959
(Bild: Hamburgisches Architekturarchiv)

Aschaffenburg, Rathaus (Bild: Tilmann, CC BY SA 3.0)

Aschaffenburg und die 1950er

Die Stadt Aschaffenburg erlitt in den Jahren 1944/45 ungekannte Zerstörungen. In den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges wurde sie von der Naziführung zur „Festung“ erklärt und somit prädestiniertes Ziel alliierter Bombardements. Zahlreiche bedeutende Kulturdenkmäler der Stadt wurden zerstört oder schwer beschädigt. Der Wiederaufbau orientierte sich zwar an der historischen Bebauung, bescherte der Stadt jedoch auch bauliche Vertreter einer anspruchsvollen, modernen Architektur. Ihnen gilt die Fotoausstellung „Architektur einer neuen Zeit“, die ab 7.10.2017 in der Treppenhalle im Schloss Johannisburg (Schloßpl. 4, 63739 Aschaffenburg) gezeigt wird.

Die Schau versammelt Arbeiten des Fotografen Walter Vorjohann. Im Mittelpunkt stehen das Justizgebäude an der Friedrichstraße und das Aschaffenburger Rathaus. Letzteres wurde wurde 1956-58 nach Plänen Diez Brandis errichtet und stiftete der Stadt symbolisch ein neues Zentrum. Vorjohann porträtiert die Bauten nicht nur in Außenaufnahmen, sondern widmet sich auch der komplexen Innengestaltung der Gebäude. Die Ausstellung ist bis zum 5.11.2017 zu sehen. (jr, 2.10.17)

Aschaffenburg, Rathaus (Bild: Tilman2007, CC BY SA 3.0)

Stefan Wanke, postmoderner Typenbau als Korkmodell in der Altenburger Ausstellung (Bild: Stefan Wanke, AK Thüringen)

Postmoderne in Kork

In Altenburg sind sie noch bis zum 29. September (!) versammelt: die Typenbauten der postmodernen Konsumkultur. Aus Kork. Die Ausstellung „Altenburger Trialog“ ist derzeit im Lindenau-Museum in Altenburg (Gabelentzstraße 5, 04600 Altenburg) zu sehen. Unter den vorgestellten Ausstellungsstücken befindet sich auch eine Arbeit von Sebastian Wanke, dessen gemeinsam mit Christopher Falbe organisierte Fotoausstellung „Wanke und Falbe“ noch bis zum 30. September (!) in der Geschäftsstelle der Architektenkammer Thüringen (Architektenkammer Thüringen, Bahnhofstraße 39, 1. Obergeschoss, 99084 Erfurt) begutachtet werden kann.

Stefan Wankes mit Philipp Specht erstellte Arbeit „Von Aromaten und Alifanten“, die nun im Lindenau-Museum ausgestellt ist, übersetzt drei Typenbauten der postmodernen Konsumkultur maßstabsgetreu in das Material Kork. Der Kunsthistoriker Michael Merkel beschreibt die drei Korkmodelle von einem Fast-Food-Restaurant, einem Supermarkt und einer Tankstelle: Wanke und Specht „greifen bei ihren Arbeiten die altertümliche Erscheinung des Materials auf und modellieren mit ihm maßstabsgetreu markante Gebäude unserer Gegenwart. (…) Auf diese Weise erschaffen Wanke und Specht eine ironisch-unheilvolle Atmosphäre um die Bauwerke unserer Alltagskultur.“ (kb, 27.9.17)

Stefan Wanke/Philipp Specht, postmoderner Typenbau als Korkmodell in der Altenburger Ausstellung (Bild: Stefan Wanke, AK Thüringen)

Liebe-Deine-Stadt-Museum, Architekt: BeL Sozietät für Architektur, Bauherr: Merlin Bauer, Köln (Fotos: Veit Landwehr)

50 Jahre Kölner Architekturpreis

Er zählt zu den ältesten deutschen Architekturpreisen: 2017 feiert der Kölner Architekturpreis sein 50-jähriges Bestehen und wurde gerade zum dreizehnten Mal verliehen. Im Blick der Jury sind vorbildliche Bauwerke (Neubau, Umbau, Ausbau), städtebauliche Anlagen, Freianlagen und Interventionen im öffentlichen Raum in Köln und Umgebung. Die Auszeichnung will dazu beitragen, das öffentliche Bewusstsein für Baukultur zu schärfen und die kulturelle Relevanz des Planens und Bauens zu verdeutlichen.

Gestern wurden die Preisträger 2017 bekanntgegeben. Darunter Neubauten wie das Erzbischöfliche Berufskolleg in Köln-Sülz (3pass Architekt/innen, Kusch Mayerle BDA), das :envihab – Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin (Glass Kramer Löbbert Architekten mit Prof. Uta Graff) oder die Neuordnung östliche Domumgebung Köln (Allmann Sattler Wappner Architekten) – und das mobile Liebe-Deine-Stadt-Museum, entworfen von BeL Sozietät für Architektur. Gelobt wird der mobile Pavillon für seine „Belebung des Stadtbildes“, die „feingliederigen Kolonaden und die Leichtigkeit der Überdachung“. Die Initiative „Liebe Deine Stadt“ wärmt seit Jahren das Herz der Kölner für ihre Nachkriegsbauten. Zum runden Geburtstag des Architekturpreises ist zudem eine Ausstellung erstellt worden. Zu sehen ist die Präsentation noch bis zum 27. September täglich von 11 bis 18 Uhr im Kölnischen Kunstverein (Hahnenstraße 6, 50667 Köln), der Eintritt ist frei. (kb, 23.9.17)

Liebe-Deine-Stadt-Museum, Architekt: BeL Sozietät für Architektur, Bauherr: Merlin Bauer, Köln (Fotos: Veit Landwehr)

M. Schütte-Lihotzky, Porträt von Lino Salini 1927 (© Porträtzeichnung: Lino Salini)

Frau Architekt

Vor mehr als hundert Jahren wurden Frauen erstmals an den Technischen Hochschulen in Deutschland zu diplomierten Architektinnen ausgebildet. In der Folge haben sie – oft mit innovativen Ideen und nicht selten gegen massive Widerstände – maßgebliche Beiträge zur Architektur des 20. und 21. Jahrhunderts geleistet. Wie kaum eine andere Disziplin war Architektur von jeher eine Männerdomäne. Daran hat sich bis heute nur wenig geändert. Seit einigen Jahren jedoch studieren mehr Frauen als Männer an den Architekturhochschulen. Der Trend ist europaweit, in Deutschland mit mehr als 53 Prozent am deutlichsten.

Andererseits gibt es unter den im Beruf tätigen Architekten erst 30,9 Prozent Frauen. Zwar erreichen heute mehr Frauen als früher leitende Positionen als Partnerinnen in Architekturbüros, als Hochschullehrerinnen, als Präsidentinnen von Architektenkammern. An dem Geschlechter-Missverhältnis in der Architektur ändern solche Karrieren dennoch wenig. Die Gründung von Büros, die Besetzung einflussreicher Stellen und Professuren ist noch immer Männersache. Die Ausstellung „Frau Architekt. Seit mehr als 100 Jahren: Frauen im Architektenberuf“ im Deutschen Architekturmuseum (DAM) Frankfurt geht diesem Phänomen nach, zeigt historische und aktuelle Entwicklungen. Die Vernissage findet am 29. September um 19 Uhr statt, im Anschluss ist die Ausstellung bis zum zu sehen 8. März 2018. (kb, 20.9.17)

M. Schütte-Lihotzky, Porträt von Lino Salini 1927 (© Porträtzeichnung: Lino Salini)

Kitakyushu_Municipal_Museum_of_Art_(Bild: Wiki591801, CC_By_SA 3.0)

Tokio in Lothringen

Das Centre Pompidou in Metz legt derzeit einen inhaltlichen Schwerpunkt auf Kunst und Kultur Japans. Die Ausstellung Japan-ness. Architecture et urbanisme au Japon depuis 1945 fokussiert die architektonische Nachkriegsmoderne des Landes und zeichnet die japanische Zeitgeschichte in Architektur und Städtebau bis in die Gegenwart nach. Sie  wird ab dem 20. Oktober durch die Sonderausstellung Japanorama flankiert, die sich der japanischen Gegenwartskunst widmet.

Ausgang der Ausstellung Japan-ness ist die unvorstellbare Zerstörung, mit der sich Japans Architekten und Städtebauer 1945 konfrontiert sahen, insbesondere nach der atomaren Zerstörung der Städte Hiroshima und Nagasaki. In der Nachkriegszeit orientierte sich die japanische Architektur eng am Internationalen Stil, skulpturale Betonbauten hielten Einzug und die Ideen Le Corbusiers erfreuten sich hoher Popularität. Spätestens seit der Weltausstellung 1970 in Osaka setzten  japanische Architekten auch international eigene Akzente, so etwa die Metabolisten. Die Ausstellung schließt mit den Werken weltweit gefeierter zeitgenössischer Architekten wie Shigeru Ban, Kengo Kuma und Sou Fujimoto. Sie ist bis zum 8. Januar 2018 zu sehen. (jr, 17.9.17)

Kitakyushu Municipal Museum of Art (Bild: Wiki591801, CC BY SA 3.0)