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Vero-Bausatz "Hochhaus und Wohnbaugruppe" (Bild: historischer Vero-Katalog)

Hochhaus Ost-West

Die gebaute Welt bietet mehr als Fachwerkidylle mit einstelligen Geschosszahlen. Das ist bekannt. Doch in den Nachkriegsjahrzehnten schaffte es diese Wahrheit nicht immer bis in die Malbücher, Tourismusprospekte – und Modellbahnanlagen. Dabei lieferten die Kataloge für Miniaturbausätze ab den 1960er Jahren ausreichend Material, um auch eine moderne Großstadt abzubilden: Ein Hochhaus war ein Muss in der Produktpalette, hier machten Ost und West keinen Unterschied. Oder doch?

 

Zwischen Laden und Drempel

Bei der Schwarzwälder Modellbaufirma Faller gehörte um 1960 ein Hochhaus zu den Neuheiten: ein einladendes Ladengeschoss, darüber satte zwölf Büro- bzw. Wohnetagen, zu guter Letzt ein schwungvoller Drempel. Beim ostdeutschen Modellbau-VEB Vero kam das Plaste-Hochhaus zehn Jahre später auf den entkapitalisierten Markt, doch in der Form fühlt man sich an den Westen erinnert: eine aufgeständerte Verkaufszone, darüber diesmal sechs Wohngeschosse und zuletzt der malerische Flugdachabschluss. Dies- und jenseits der Mauer konnte der Miniaturwolkenkratzer in die Höhe erweitert und mit allerlei Schriftzügen, Werbeschildern und Schaufensterauslagen angereichert werden. Etwas Farbe machte die emporwachsende Moderne für die Zielgruppe gefälliger.

 

Einzeln und in Serie

Der Unterschied lag eher im dogmatischen Detail: Werbewirksam ähnelt der westdeutsche Bausatz dem realen Faller-Firmensitz, der parallel dazu in Gütenbach bei Furtwangen entstand. Ein individuelles Hochhaus wurde so zum Sinnbild aller Wirtschaftswunderwolkenkratzer. Der im Erzgebirge fabrizierte Vero-Bausatz hingegen propagierte das standardisierte „Raumzellen-Bausystem“, das – wenn auch mit einer Typenunschärfe – an die DDR-Platte erinnert. In der Montage und in den Details fiel das Modellbau-Ergebnis dann wieder individueller aus. Doch mehr wollen wir jetzt gar nicht verraten – die kleinen und großen Hochhäuser werden im kommenden Sommer Teil unserer Ausstellung „märklinMODERNE“ im Deutschen Architekturmuseum (DAM) Frankfurt und in der Stuttgarter Weißenhofgalerie. Wer selbst Teil des Projekts sein will, ist herzlich eingeladen, sich an unserem Crowdfunding zu beteiligen: www.startnext.com/maerklinmoderne. (kb/db, 16.10.17)

Hagen Stier, "Villa im Tessin", Ambrì/Gütenbach 2017 (limitierte Fotoedition)

märklinMODERNE-Countdown: Halbzeit!

Noch 22 Tage läuft der Countdown für unsere Crowdfunding-Aktion „märklinMODERNE – der Film zur Ausstellung“: Rund die Hälfte der Zeit ist rum, rund die Hälfte des Geldes (1. Fundingziel) ist drin. Deshalb haben wir vor allem ein herzliches „Danke“ zu sagen für die vielen Helfer und Unterstützer, für die lieben Nachrichten und Benefizaktionen. Die Meilensteine der letzten beiden Wochen haben wir für Euch hier zusammengestellt. Und, nur zur Erinnerung: Um den Film auch wirklich umsetzen zu können, brauchen wir natürlich mindestens noch die andere Hälfte des Geldes! Ihr bekommt dafür sehr gutes Karma und sehr attraktive „Dankeschöns“

 

Signierte Baukunst

Einen guten Architekten erkennt man an der markanten Unterschrift. Demnach hat der Baumeister Leopold Messmer nichts zu befürchten. Nicht nur sehr geduldig, sondern auch äußerst kundig signierte der 89-Jährige heute alle 25 Bausätze der „Villa im Tessin“, die uns zuvor von der Firma Faller gespendet worden waren. Messmer hatte die Villa, nach einem Schweizer Vorbild der Brüder Guscetti, 1961/63 im Schwarzwald errichtet und parallel die Entwicklung des Modellbausatzes begleitet. Nach der Signierstunde – die Unterschrift kam direkt auf den Karton – hat uns die Firma Faller alle 25 Bausätze noch einmal original-verschweißt (wie geil ist das denn!). Unser beliebtestes „Dankeschön“!

 

Limitierte Fotokunst

Bei unserer gemeinsamen Tour durch Schwarzwald und Tessin durften wir ihn schon bei der Arbeit bewundern: Wenn es um ein gutes Motiv geht, dann scheut der Hamburger Architekturfotograf Hagen Stier keine Mühen – notfalls auch mit der Trittleiter hinter dem ganz hohen Stativ. Für unsere Crowdfunding-Aktion unterstützt er uns exklusiv mit einem besonderen Kunstgriff: zwei Villen zum Preis von einer. Er hat zwei Motive – einmal das Tessiner Vorbild (Br. Guscetti, 1958), einmal den Gütenbacher Nachfolger (L. Messmer, 1961/63) – in einem Lichtbild zusammengefasst. Und das gibt es bei uns signiert und limitiert als hochwertigen Druck als neues „Dankeschön“.

 

Essen und Schrauben

Gleich zweimal wurden wir von ganz unerwartet schöner Seite unterstützt: Da sind einmal die netten Leute vom Freiburger Turmcafé, die uns nicht nur klaglos alles (wirklich alles von oben bis unten) für unsere Ausstellung haben fotografieren lassen. Wir haben hier nicht nur lecker Essen bekommen. Sie haben uns auch einen Essensgutschein im Wert von 50 Euro als „Dankeschön“ anvertraut. Und da wären die Oldtimerschrauber, die mit den Modelleisenbahnern etwas gemeinsam haben: Es muss gut aussehen und am besten auch noch gut rollen. So unterstützte uns an diesem Wochenende eine wackere Truppe Oldtimerfreunde: Trotz reichlich Wind und Sch*wetter hatten sie auf der Verterama-Messe in Mannheim einen kleinen Benefizstand für unsere Crowdfunding-Aktion „märklinMODERNE“ aufgeschlagen. Der Erlös ging direkt als Spende in unsere Aktion. Weiter so! Auch kleine Beträge helfen (große natürlich auch)! (db/kb, 8.10.17)

Titelmotiv: Hagen Stier, Ambrì/Gütenbach 2017 (limitierte Fotoedition)

 

Drei Klicks und fertig

Auf vielfachen Wunsch hier unser kurzer Wegweiser zum Erwerb der Dankeschöns. Das Ganze ist nicht kompliziert und für Dich ohne finanzielles Risiko. Die Kollegen des – leider gescheiterten – Crowdfunding-Projekts „Rettet die älteste Videothek der Welt“ haben es in einem feinen kurzen Erklärvideo zusammengestellt. So geht das auch bei uns:

  • Drei Klicks und fertig: Du klickst auf Dein gewünschtes Dankeschön, dann auf den grünen Button „Auswählen“, weiter wie beim Online-Shoppen (den Betrag für „Unterstütze Startnext“ kannst Du regulieren, auch auf 0), ganz unten den Button „Jetzt zahlungspflichtig unterstützen“ – fertig!
  • Für Dich ohne finanzielles Risiko: Deine Spende wird erst/nur abgebucht, wenn das Projekt am Ende (31. Oktober) erfolgreich ist.
  • Wenn das Projekt am Ende (31. Oktober) nicht erfolgreich sein sollte: Dann kostet es Dich nix. Deine Spende wird dann nicht abgebucht. (Solltest Du „Vorkasse“ als Bezahlmethode gewählt haben, bekommst Du dann Dein Geld direkt über die Plattform Startnext zurück.)
  • Wenn das Projekt am Ende (31. Oktober) erfolgreich ist: Dann hörst Du von uns, Deine Spende wird über Startnext abgebucht und wir schicken Dir Dein Dankeschön.
  • Da geht noch was: Alle Infos zum Nachlesen, alle Dankeschöns zum Mitmachen und Weiterempfehlen …
Bahnhof Goch (Bild: historische Postkarte)

Margarine-Bahnhof Goch

Als die Moderne langsam am Horizont aufzog, florierte die Wirtschaft im niederrheinischen Goch. Da war die Ölmühle van den Bosch – und das Margarinewerk Jurgens & Prinzen, eben jene Fabrik, die auch das Markenprodukt „Rama“ aus der Taufe hob. So war es fast zwingend, dass vor Ort schon ab 1863 ein Bahnhof und ab 1884 ein Güterbahnhof zur Verfügung standen. 1957 schließlich trat ein schnittiger Neubau an die Stelle des kriegszerstörten Empfangsgebäudes – und besagte Kultmargarine hatte sich, wenn auch unter neuem Firmennamen, längst tief ins kollektive Werbegedächtnis eingebrannt.

 

Wie wird man zur Marke?

In Goch klemmte der lokale Architekt Toni Hermanns einen Glaskeil mit Flugdach zwischen zwei dynamische aufstrebende Wandscheiben und rahmte ihn mit zwei niedrigeren Pavillonbauten. Im rechten Flügel wurde zudem eine Gaststätte untergebracht. Damit glückte ein „eckiger Nierentisch“, eine überzeugende Mischung aus bundesdeutscher Bodenhaftung und wirtschafswunderlicher Zukunftsfreude. Ein ähnlicher Kunstgriff gelang in diesen Jahren auch dem Rama-Werbemädchen, das mit Strohhut und sittsamer Zopffrisur ein gerüttelt Maß traditioneller Werte an den modernen Frühstückstisch brachte.

 

Modern und lichtdurchflutet

„Moderner Bahnhof mit lichtdurchfluteter Empfangshalle.“ So vielversprechend bewarb die Firma Faller 1966 ihr brandneues Modell „Bahnhof Neustadt“, das sich an Goch orientierte. Der Bausatz wurde 2016 als „Klassiker“ neu aufgelegt. Auch sein Vorbild hat es längst in die Reihe der zeitlosen Schönheiten geschafft: Der Bahnhof Goch steht unter Denkmalschutz. Doch mehr wollen wir jetzt gar nicht verraten – der kleine und der große Bahnhof werden im kommenden Sommer Teil unserer Ausstellung „märklinMODERNE“ im Deutschen Architekturmuseum (DAM) Frankfurt und in der Stuttgarter Weißenhofgalerie. Wer selbst Teil des Projekts sein will, ist herzlich eingeladen, sich an unserem Crowdfunding zu beteiligen: www.startnext.com/maerklinmoderne. (kb/db, 27.9.17)

Titelmotiv: Bahnhof Goch (Bild: historische Postkarte)

Freiburg, Turmrestaurant (Bild: historische Abbildung, nach 1951)

Autohaus in Aspik

Besonders wertvolle Stücke kommen in die Vitrine, so viel weiß jeder noch von der Oma mit den Untersetzern und Zierdeckchen. Wenn das einem Stück Architekturmoderne passiert, kann es manchmal ganz andere Gründe haben. In Freiburg hat man ein denkmalgeschütztes Ensemble (nun ja, das spektakulärste Sechzehntel davon) hinter Glas gestellt. Das ehemalige Autohaus „Breisgau“ aus dem Jahr 1951 wurde bis 2012 auf seinen dekorativsten Teil reduziert: das zweigeschossige verglaste Turmrestaurant mit der eleganten Wendeltreppe und dem weit ausgreifenden Vordach.

 

Eleganter geht nicht

Eigentlich sollte es ja eine Borgward-Vertretung werden, doch 1951 wurde in Freiburg ein Opel-Autohaus eröffnet. Der lokale Architekten Wilhelm Schelkes hatte einen futuristischen Stahl-Glas-Bau geschaffen, dessen Eleganz er mit amerikanisch anmutendem Fortschrittsoptimismus würzte. Seit 1986 unter Denkmalschutz, blieb das Turmrestaurant als einziger Rest des Autohauses „Breisgau“ stehen. Das übrige Gelände wurde mit Wohnblocks bebaut, dazwischen eingezwängt schirmte man die einstige Raststätte noch mit einer gläsernen Schallschutzwand vom Straßenverkehr ab. Heute dient der gläserne Turm gastronomischen Zwecken, inzwischen schon in den Händen des zweiten Betreibers. Das Vordach erweist sich dabei als durchaus praktisch, als regensicherer Biergarten mit Fünfziger-Flair. Nur das Türmchen ist anspruchsvoller: im Sommer rasch zu warm, im Winter schwer beheizbar und nur über die Außentreppe zu erreichen.

 

Moderne in Bewegung

Eine besondere Form des Nachruhms ist dem Turmrestaurant aber in jedem Fall sicher: Auf einem Familienausflug sahen die Fallers, die im Schwarzwald Bausätze für die Modellbahn produzierten, das futuristische Autohaus – und nahmen es zum Vorbild für eines ihrer erfolgreichsten Produkte. Hier kann der (bei Faller runde) Restaurantaufsatz nicht nur mit verschiedenen Werbeemblemen verziert werden, er verfügt auch noch über Beleuchtung und einen kleinen Drehmotor. Doch mehr wollen wir jetzt gar nicht verraten – das Freiburger Turmrestaurant und sein Modellbauableger werden im kommenden Sommer Teil unserer Ausstellung „märklinMODERNE“ sein. Wer selbst Teil des Projekts sein will, ist herzlich eingeladen, sich an unserem Crowdfunding zu beteiligen: www.startnext.com/maerklinmoderne. (kb/db, 20.9.17)

FOTOSTRECKE: Relikte

„Agrarland Niedersachsen“? Von wegen! Die Ausstellung „Relikte“ tritt ab dem 10. September den Gegenbeweis an. Gezeigt werden rund 30 Schwarzweiß-Fotografien von Martin Stöber, Hartmut Möller und Dr. Olaf Grohmann. Sie gehören dem Netzwerk Industriekultur im mittleren Niedersachsen e. V. aus Wennigsen am Deister an, das auch für die Ausstellung verantwortlich zeichnet. Es geht um Orte aus der Zeit der „großen Industrie“ zwischen Hannover, Hildesheim und Hameln : Industrieanlagen, Bergwerke, Verkehrswege und Wasserbauten, teils längst Geschichte und allenfalls eine Ruine im Landschaftsbild, teils immer noch produzierend und prägend im Ortsbild. Mit ihrer Arbeit liefern die Fotografen nicht nur eine Dokumentation. Sie wollen zugleich auf das Thema Industriekultur aufmerksam machen, für ihre Erforschung und idealerweise Erhaltung werben. Die Vernissage wird am Tag des offenen Denkmals, am 10. September 2017 um 16 Uhr gefeiert. Im Anschluss ist die Ausstellung bis zum 29. Oktober im Museum am Hüttenstollen in Salzhemmendorf-Osterwald zu sehen. (kb, 28.8.17)

Titelmotiv: Hannover-Vahrenwald, Continental-Stammwerk (Bild: Hartmut Möller)

Kassel, Eckis Videothek (Bild: Randfilm e. V.)

Rettet die „älteste Videothek der Welt“

Das Guiness-Buch der Rekorde ist sich sicher: Dieser Kasseler Film-Shop ist „die älteste Videothek der Welt“. Hier ging bei Eckhard „Ecki“ Baum 1975 der erste Verleihfilm über die Theke. Danach ist quasi eine ganze Generation von Filmfans in der Videothek aufgewachsen. Über 20.000 Titel umfasst Eckis Filmarchiv, davon sind viele weder als Internet-Download noch im Stream, manche noch nicht einmal auf DVD verfügbar. Am 1. September 2017 soll in Kassel der Ausverkauf beginnen, am 31. Oktober wäre dann endgültig Schluss. Inhaber Eckhard Baum geht in Rente. Doch was wird dann aus seiner Videothek?

 

Eine Heimat für Filmliebhaber

Zu Beginn hieß das Projekt von Eckhard Baum „Videotheke“, weil hier die Filme über den Thresen gingen wie Bier in einer Kneipe. Eigentlich war der gelernte Schriftsetzer leidenschaftlicher Super-8-Sammler. Also verlieh er zunehmend auch an Interessierte, gegen Gebühr. Als der Laden wider Erwarten bestens lief, zog Baum vom Wolfanger in die Erzberger Straße. Rasch eröffneten „Nachahmer“ ähliche Shops und nannten sie „Videothek“ – ohne „e“, man wollte ja keine eventuellen Namensrechte verletzen. Im Interview mit dem Literaturhaus Hessen zeigte sich Baum gelassen. Ob er denn wirklich der erste Mensch mit dieser Idee gewesen sei? „Ja! Ja … irgendeiner muss es ja sein, oder?“

Bis vor wenigen Jahren führte Baum auch eine Agentur. Hier hatte er Schauspieler wie Zachi Novy unter Vertrag, besser bekannt als der (sorry) „Dicke“ aus der Filmserie „Eis am Stiel“. Und er richtete Musikveranstaltungen aus, holte z. B. Fats Domino nach Kassel. Zuletzt betrieb Baum die Videothek nur noch als Hobby, der große Boom seines Genres hatte sich längst zugunsten von Kino und Internet aufgelöst. Doch aufgeben wollte er lange nicht, war sein Laden doch für ihn ein Stück Kulturerbe. Inzwischen war er selbst zur Kultfigur geworden: Der Regisseur Olaf Saumer widmete ihm den Dokumentarfilm „Eckis Welt“.

 

Promis trommeln für Eckis Videothek

Nun steht Eckis Welt vor der Nachfolgefrage. Engagierte Filmfans will mit der Kasseler Videothek ein Stück wertvoller Zeit- und Kulturgeschichte vor dem Verschwinden retten: Randfilm e. V., ein gemeinnütziger Verein zur Förderung der abseitigen Filmkultur, der u. a. seit 2014 jährlich das Randfilmfest organisiert. Eckis Videothek soll weiterleben als gemeinnützige kulturelle Begegnungsstätte mit Cafe, Veranstaltungsort, Museum und Verleihstätte. Hierfür will Randiflm ganz konkret Mietvertrag, Ladenlokal und Bestand übernehmen und um Gastronomie, Veranstaltungs- und Screeningraum sowie ein Videothekenmuseum erweitern.

Per Crowdfunding wollen die Engagierten dafür 29.000 Euro zusammensammeln. Die Beträge können von 5 bis 1.500 Euro gestaffelt werden, die „Dankeschöns“ reichen vom Zachi-Noy-Autogramm bis zum exklusiven Randfilmfest-Wochenende. Die Teilnahme ist noch bis zum 14. September 2017 möglich. Sie wären damit in guter Gesellschaft, finden doch im Videoshop schon erste Kulturevents statt. Künstler wie Dominik Graf, Jörg Buttgereit, Prof. Dr. Marcus Stiglegger, Wolfgang M. Schmitt jr. oder Casio Rakete unterstützen das Engagement von Randfilm für den Videoshop – und das Gesangs- und Klavierduo „Pfeffer und Likör“ gab eigens ein Konzert zwischen den Filmregalen. (kb, 23.8.17)

Kassel, Eckis Videothek (Bild: Randfilm e. V.)

 

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Crowdfunding-Aufruf

Homepage der Initiative Randfilm e. V.

Prachatice, Villa Kral heute (Bild: zivavila.cz)

Soll weg: Villa Kral in Prachatice

Das Haus war für einen Abend wieder voller Leben: Die Freitreppe wurde von Gartenlichter erhellt, im Kaminzimmer standen Stühle für die Zuhörer bereit, ein Projektor warf Bilder aus alten Zeiten an die Wand. Im Sommer 2016 lockte der Architekturtag im tschechischen Prachatice (Prachatitz) zahlreiche Besucher in die Villa Kral. Eine Ausstellung zur Masterarbeit von Barbora Staňková informierte über den 1932 fertiggestellten Bau. Dr. Iris Meder, Architekturhistorikerin aus Wien, stellte das Leben und Werk des Architekten Fritz Reichl vor. Und nicht zuletzt erzählte Dr. Hans Kral, der Sohn des Erbauers, vom Mut seines Vaters, ausgerechnet in der Provinz solch ein modernes Haus errichten zu lassen.

 

Der jüdische Architekt Fritz Reichl

Die markante kubische Villa wurde in den Jahren 1931 und 1932 in Prachatice (Prachatitz) nach den Plänen des jüdische Architekt Fritz Reichl (* 2. Februar 1890 in Baden bei Wien, † 1959 in Los Angeles) aus Wien erbaut. Reichl hatte in Wien zunächst an der Kunstgewerbeschule, dann an der Technischen Hochschule Architektur studiert. Ab 1925 machte er sich mit einem eigenen Büro u. a. einen Namen durch repräsentative Einfamilienhäuser, Villen und gehobene Wohnungsausstattungen im Stil des Neuen Bauens.

Fritz Reichl hatte während der letzten Kriegsjahre zunächst das türkische Büro von Clemens Holzmeister in Istanbul und Ankara weitergeführt. 1946 wanderte er in die USA aus, arbeitete dort im Büro von Richard Neutra und verwirklichte als selbständiger Architekt neue Projekte im Geist einer internationalen Moderne. In der Villa Kral sehen manche Forscher den nüchternen Stil eines Peter Behrens aufgegriffen, andere verweisen auf Adolf Loos und die Wiener Schule. Der Bauherr Johann Nepumuk Kral bewohnte das Anwesen mit seiner Familie bis zum 21. Mai 1945. Danach zog ein amerikanischer General ein, der hier mit einem russischen General das Kriegsende feierte. Im Anschluss diente das Haus als Kinderhort. Nach Auflösung dieser Nutzung stand die Villa leer und verfiel.

 

Studenten trommeln für den Erhalt

Nachdem die Villa Kral lange dem Vandalismus preisgegeben war, etablierte sich in den letzten beiden Jahren eine Initiative zu ihrem Erhalt: Studenten mieteten das Areal und engagierten sich dafür, den Bestand zu sichern sowie den architekturgeschichtlichen und gestalterischen Wert des Bauwerks wieder sichtbar zu machen: In Eigenleistung beseitigten sie den Unrat aus den Zimmern, flickten Scheiben, reparierten die Wasserführung und beräumten das Außengelände.

Den Initiatoren gelang es, mit verschiedenen kulturellen Veranstaltungen in der Villa, das Interesse für den Erhalt des modernen Bauwerks zu wecken. Ein Förderverein unterstützt dieses Vorhaben mit etwa 800 Mitgliedern. Schließlich konnte das Kultusministerium in Prag von der architektonischen Bedeutung des Hauses überzeugt werden: Die Villa Kral wurde unter Denkmalschutz gestellt. Mit dieser Anerkennung werden auch die Aktivitäten der Initiatoren Pavla Zelenková und Barbora Staňková gewürdigt. Der Bürgermeister von Prachatice hat gegen die Entscheidung des Kultusministeriums Einspruch erhoben, um die Villa abzureißen zu können. An ihrer Stelle soll eine neue Straße entstehen. Zum diesjährigen Architekturtag wird das Haus wohl leer bleiben. (Beitrag eingereicht durch Dr. Hans Kral, 13.8.17)

 

Prachatice, Villa Kral (Bild: zivavila.cz)

 

Literatur

Meder, I., Offene Welten. Die Wiener Schule im Einfamilienbau 1910 – 1938, Dissertation, Pforzheim, 2004.

Erbanová, E./Šilhan, M./Švácha, R., Berühmte Villen in Südböhmen, Prag 2007 (in tschechischer Sprache).

Förderverein zum Erhalt der Villa Kral

Hans Haacke, Fotonotizen zur documenta II, 1959, ausgestellt 2017 auf der documenta XIV

Irgendwas bleibt immer hängen

Da waren jene Italienurlaube in den 1970er Jahren, als der Vater vor romanischen Kirchen die große Baukunst erklärte. Als der Sohn derweil mit dem Micky-Maus-Heft in eine nochmals andere Welt abtauchte. Die Begeisterung für Architektur sprang zwischen den Sprechblasen dann doch irgendwie über. Später. Ähnliche Szenen fotografierte Hans Haacke 1959 in Kassel auf documenta II: Ein Junge versinkt vor einem abstrakten Gemälde in seiner Comic-Lektüre, ein Mädchen ist mehr von seiner Plüschkatze fasziniert als vom Pollock-Dripping, eine Nonne sucht im Ausstellungsführer verzweifelt nach dem tieferen Sinn der vor ihr aufgebauten Plastik. Jene Fotografien werden aktuell auf der documenta XIV gezeigt. Hier blicken viele zeitgenössische Künstler zurück auf die Entstehungsjahre der documenta, als Kassel selbst gerade wiederaufgebaut wurde. So ist es nur konsequent, dass sie ihre Werke dort auch an außergewöhnlichen Orten der Architekturmoderne zeigen.

 

Kommen und Bleiben

Kassel kämpft noch immer mit dem Image der „hässlichen“, der kriegszerstörten Stadt. Doch dieses Mal präsentiert sich die nordhessische Metropole auch von ihrer nachkriegsmodernen Seite: Das Kuratorenteam hat die Kunstschau über das ganze Stadtgebiet (und streng genommen auch das von Athen) verteilt. Damit kommen auch einige sonst verschlossene Räume zu neuer Geltung. Der einstige Hauptbahnhof z. B. wird seit der Eröffnung des ICE-Halts Kassel-Wilhelmshöhe noch als Nahverkehrsknotenpunkt und „Kulturbahnhof“ bespielt. Doch die dazugehörige U-Bahn-Station, 1968 mit urbaner Geste eröffnet, verlor völlig ihre Funktion und wurde 2005 geschlossen. Zur documenta öffnete man den Zugang wieder und ließ einige Künstler dort ihre Arbeiten inszenieren: Der in Kalkutta geborene Nikhil Chopra schlug als Teil seiner Performance ein Zelt auf, das auf einer Wanderung nach Kassel mit Landschaftsmotiven ausgemalt worden war. Und der Grieche Zafos Xagoraris verwies mit seinem Willkommensschild „Chairete“ (Seid gegrüßt!) an den Gleisen auf die deutsche Kriegsgefangenschaft seiner Landsleute im Jahr 1916.

 

Die Verlockung der Worte

An solchen documenta-Orten rückt die ausgestellte Kunst für manche Besucher fast in den Hintergrund. Zu groß ist die Entdeckerfreude, sei es über das Betonglasmosaik (1968, Dieter von Andrian) im unterirdischen Bahnhof oder die brutalistische Weite der zur „Neuen Neuen Galerie“ umfunktionierten Neuen Hauptpost (1975). So lohnt auch ein Abstecher in die zeitgleich geöffneten kirchlichen Ausstellungsprojekte: St. Elisabeth (Armin Dietrich, 1960) am Friedrichsplatz und die Karlskirche (1710, Paul du Ry, 1957 wiederaufgebaut) an der Frankfurter Straße. In St. Elisabeth hatte Stephan Balkenhol schon zur letzten documenta XII mit seinen Holzskulpturen für Gesprächsstoff gesorgt. 2017 spannt Anne Gathmann unter dem Titel „Statik der Resonanz“ einen weiten Bogen aus Aluminium-Elementen durch den Nachkriegsraum. In der Karlskirche inszeniert Thomas Kilpper den Glockenturm als „Leuchtturm für Lampedusa!“. Und im Inneren verarbeitet die indische Künstlerin Shilpa Gupta die wortorientierte, die hugenottische Tradition des Kirchenbaus: Eine riesige Traube aus Mikrofonen strahlt die Klangfolge „I keep falling at you“ in den Raum.

 

Räume neu besetzen

Die Installationen in der Kasseler Karlskirche gehören zum umfassenden Ausstellungsprojekt „Luther und die Avantgarde“, das in Kassel, Berlin und Wittenberg zum Reformationsjubiläum zeitgenössische Kunst präsentiert. Gerade in der Lutherstadt kommen dabei unerwartet moderne Orte zum Tragen: das Alte Gefängnis und die Exerzierhalle. Beide Jahrhundertwendebauten am Rand der vielbesuchten Altstadt wurden für kulturelle Anlässe hergerichtet. Im Alten Gefängnis zeigt u. a. der kunstvoll überdrehte Jonathan Meese sein Werk „Die 95 Thesen des Teufels“. Und am überzeugendsten wurde das etwas übergroß angelegte Reformationsjubiläum, wo die Aktionen mit Handfestem, mit Architekturprojekten verbunden wurden. In der Exerzierhalle zeigten das Marburger Kirchbauinstitut und die Wüstenrotstiftung Beispiele und studentische Entwürfe rund um die Kirchennutzung. Einige Studierende nahmen sich zudem leerstehender Ladenlokale (wovon es in Wittenberg erschreckend viele gibt) an. Die studentische Aktion ist mit der (tief Luft holen) „Woche der Spiritualität“ zwar abgeschossen, aber die von einer Publikation begleitete allgemeine Ausstellung läuft noch bis zum 5. September 2017. Alle übrigen beschriebenen Installationen können noch bis zum 17. September bewundert werden. (db/kb, 24.7.17)

Titelmotiv: Hans Haacke, Fotonotizen zur documenta II, 1959, ausgestellt 2017 auf der documenta XIV

Berlin, DGB-Haus, 2017 (Bild: Uli Borgert)

„Eine Stätte freien Menschentums“

„Ein besonderes Haus, eine Stätte freien und unerschrockenen Menschentums“, mit diesen Worten soll der oberste Gewerkschaftler Ludwig Rosenberg das Berliner DGB-Haus eröffnet haben. Am 5. Mai 1964 wurde der damals 6 Millionen DM teure Bau im Stadtteil Schöneberg an der Ecke Kleist- und Keithstraße feierlich an seine neuen Nutzer übergeben. Eigentlich hatte die Düsseldorfer Zentrale des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) den Wunsch der Berliner nach einem eigenen Verwaltungsgebäude schon abgelehnt. Doch in den frühen 1960er Jahren wuchs dem Plan mit dem Mauerbau eine politische Dimension zu. Nun entschied man sich mit voller Emphase dafür, dem Kommunismus in Berlin ein „Bollwerk“ des freien Gewerkschaftlertums direkt vor Augen (bzw. die Nase) zu stellen.

 

Neun Geschosse Aluminiumfassade

Das Hamburger Architekturbüros Wunsch & Mollenhauer hatte den neungeschossigen Stahlskelettbau von 1962 bis 1964 mit einer hochmodernen Aluminium-Vorhangfassade versehen. Besonders die drei „Eck-Balkone“ markierten das neue Gewerkschaftshaus stolz zur Ecke Kleiststraße/An der Urania. Noch dazu erhielt der Bau einen aufgeständerten zweigeschossigen Nebentrakt und ein eingeschossiges „Jugendzentrum“. Wohl in den 1980er Jahren wurde das Äußere stark verändert, womit die Fassade viel von ihrer modernen Klarheit einbüßte. So findet sich der DGB-Bau auch nicht auf der Denkmalliste der Stadt.

 

Eine gute Investition?

Doch leid tut es einem schon, wenn man vom bevorstehenden Abriss des DGB-Hauses hört. Stattdessen erhielt das Büro Ortner & Ortner nach einem Wettbewerb den Zuschlag, unweit des Wittenberger Platzes einen neuen Gewerkschaftssitz zu errichten. Dieser soll ab „den frühen 2020er Jahren“ als Zentrale nicht allein die berlin-brandenburgischen Mitarbeiter, sondern auch die bundesweit zuständige Belegschaft aufnehmen. Die sind aktuell noch am Hackeschen Markt untergebracht – der Neubau soll Miete sparen und zugleich im boomenden Berlin eine gute Kapitalanlage bieten. So zumindest die Argumentation für den Neubau, der zwischen 60 und 80 Millionen Euro kosten soll. Der Abriss der dann ehemaligen DGB-Zentrale wird für 2018 angekündigt. Die dort bislang untergebrachten Gewerkschaftler sollen vorübergehend in ein Ausweichquartier ziehen.

 

Dass es auch anders geht …

Dass es auch anders geht, zeigt der Umgang mit einem anderen Werk aus dem Büro Wunsch & Mollenhauer: In Düsseldorf wurde das 1968 eingeweihte Hans-Böckler-Haus unter Denkmalschutz gestellt. Von 2011 bis 2012 sanierte man die stilvollen Gewerkschaftsscheiben „im laufenden Betrieb“ – mit viele Rücksicht auf die prägende moderne Fassade. In Berlin geht man einen anderen Weg. Und dass an der Berliner Kreuzung Kleiststraße/Martin-Luther-Straße/Tauentzienstraße/An der Urania/Lietzenburger Straße nach den 1999 veröffentlichten Planungen mit weiteren Eingriffen in den Nachkriegsbestand zu rechnen ist, lässt städtebaulich nicht unbedingt hoffen. (kb, 13.7.17)

 

Literatur und Quellen

Der DGB in Düsseldorf, in: Bauwelt 1964, 24, S. 677.

In Berlin Schöneberg …, in: Die Quelle 15, 1964, 6, S. 276.

Weber, Klaus K. u. a. (Bearb.), Berlin und seine Bauten. Teil IX. Industriebauten Bürohäuser, Berlin u. a. 1971, S. 212.

Reif für den Abriss. Der Deutsche Gewerkschaftsbund trennt sich von seinem Berliner Sitz und baut neu. Das Gebäude in Schöneberg soll in ein paar Jahren bezugsfertig sein, in: Der Tagesspiegel 22. Mai 2017.

Frese, Alfons, Neues Haus für den DGB. An der Stelle des Berliner Domizils in der Nähe des KaDeWe entsteht die Bundeszentrale, in: Der Tagesspiegel 5. Juli 2017.

Sportpark Nord, Bonn, Südsüdost (Bild: Eckhard Henkel, CC-BY-SA 3.0)

Bonn: Fußball und Sichtbeton

„Tor in Bonn!“ – diesen Satz hört man in der Sportschau nur sehr selten. 2017 ertönte er nach langer Zeit aber einmal wieder: Die Konferenz zum Finaltag der Amateure schaltete sich in das Fußballstadion im Norden der Stadt, wo der Regionalligist Bonner SC gerade das 1:0 gegen den haushohen Favoriten Fortuna Köln geschossen hatte. Der Underdog schaffte es, die Führung über die Zeit zu bringen und steht damit in der ersten Runde des DFB-Pokals – zum ersten Mal seit 40 Jahren. Neben dem ambitionierten Fußballverein steht damit demnächst auch ein außergewöhnliches Stadion im Fokus der Sportwelt: Der Bonner Sportpark Nord.

 

Stadion zur Stadtaufwertung

Der Baubeginn des Sportkomplexes jährt sich in diesem Jahr zum 50. Mal. 1965 hatte die damalige Bundeshauptstadt das alte, nahe dem Regierungsviertel gelegene Gronaustadion an den Bund verkauft, heute steht an dieser Stelle der Post Tower. Bonn investierte das Geld in die Aufwertung seiner nördlichen Stadtteile. Neben einem neuen Wohnviertel sollte hier eine moderne Sport- und Freizeitanlage entstehen: der Sportpark Nord. Den entsprechenden Wettbewerb gewannen der Gartenarchitekt Wolfgang Darius und Ernst van Dorp, dessen Bauten Bonn bis heute prägen. Van Dorp plante unter anderem das ZDF-Hauptstadtstudio,die Niederländische Botschaft und war maßgeblich an der Gestaltung der Rheinauen zur Bundesgartenschau 1979 beteiligt. 1967 begannen die Bauarbeiten im Bonner Norden.

 

Beton trifft Botanik

Der 160 000 Quadratmeter große Sportkomplex wird durch die Autobahn 565 in zwei Teile zerschnitten. Auf der nördlichen Seite finden sich mehrere Ascheplätze und eine Bogenschießanlage. Die Verbindung stellt eine geschwungene Betonbrücke sicher, die die Autobahn in hohem Bogen überspannt. Als Bauland für das Stadion diente eine ehemalige Müllkippe in Süden des Areals. Van Dorp nutzte den nach der Auskiesung entstandenen Trichter, um ein ovales Mehrzweckstadion mit Fußballfeld anzulegen. Dabei verband er gekonnt Beton und Botanik: auf den Langseiten schmiegen sich die Zuschauerränge an den Hügel, Nord- und Südkurve sind unbebaut und durch dichte Hecken begrünt. Die Haupttribüne wird von einem scheinbar schwerelosen, weit überkragenden Betondach vor Regen geschützt, die Gegengerade bilden unüberdachte Stehblöcke. Im Süden blickt ein geschwungener Betonbau mit Terrasse in den Stadiontrichter. Das hier beheimatete Sporthallenzentrum bietet Platz für sämtliche olympische Hallensportarten und verfügt im Tiefgeschoss über ein Schwimmbad mit 50-Meter Becken.

 

Bonner Ambitionen

Der Bonner SC bezog die neue Spielstätte im Jahr 1970. Der Verein war fünf Jahre zuvor aus der Fusion der Traditionsclubs Bonner FV und Tura Bonn entstanden und sollte das neue Selbstbewusstsein der jungen Hauptstadt auch in den Profifußball tragen. Tatsächlich besiegten die Bonner 1967 den FC Bayern München mit 3:1, 1977 spielten sie sogar für eine Saison in der Zweiten Bundesliga und im DFB-Pokal. Der Höhenflug währte jedoch kurz, es folgten wirtschaftliche Probleme, Zwangsabstiege und die Insolvenz 2010. In den letzten Jahren ging es jedoch wieder aufwärts beim BSC, die Mannschaft stieg nach dem Neuanfang in der 7. Liga mehrfach auf, Höhepunkt der jüngeren Vereinsgeschichte ist die aktuelle Qualifikation für den DFB-Pokal. Auch das Stadion spiegelt diesen Aufwärtstrend wider. 2011/12 wurde es saniert und mit Anzeigetafel und Flutlichtanlage ausgestattet. Die vier charakteristisch geneigten Masten nehmen die Trichterform auf und überragen das Stadion wie überdimensionale Schreibtischlampen. Für den Entwurf zeichnete Jan van Dorp, der Sohn des Stadionarchitekten, verantwortlich. Wer den Bau in Gebrauch erleben möchte, dem bietet sich am 13. August eine gute Gelegenheit: zur ersten Runde des DFB-Pokals kommt Hannover 96 in den Sportpark Nord. Wer es nicht in die Bundesstadt schafft, kann zumindest auf den seltenen Torruf in der Fernsehkonferenz und eine Schalte in den Sportpark hoffen. (jr, 18.7.17)

Titelmotiv: Blick in den Sportpark Nord von der Terrasse des Sporthallenzentrums (Bild: Eckhard Henkel, CC BY SA 3.0)