Schlachthof Lübeck unter Schutz

Schlachthof Lübeck unter Schutz

Lübeck, Schlachthof (Quelle: Youtube)
Schnittig, schnittig: Torbau des ehemaligen Lübecker Schlachthofs (Quelle: Youtube)

Zugegeben, nicht überall auf dem Gelände des ehemaligen Schlachthofs Lübeck finden sich markante Gebäude aus den 1920ern – viele der schmucklosen Hallen und Verwaltungsbauten stammen aus der Nachkriegszeit oder wurden damals umgebaut. Seit 2005 ist das Areal der „Norddeutschen Fleischzentrale“ verlassen und dem Vandalismus ungeschützt ausgesetzt. Ein Investor plant, hier einen Einkaufspark und Wohngebäude errichten. Nun wird es für ihn aber kompliziert: Das Schlachthofensemble wurde unter Denkmalschutz gestellt.

Der Hintergrund: Die 1929 eröffnete Anlage ist Deutschlands letzter erhaltener Seegrenzschlachthof. Die Tiere kamen per Schiff an, der zugehörige Teil der Kaikanten steht jetzt ebenfalls unter Schutz. Zudem der ehemalige Quarantänehof sowie die Viehtrift, über die die Tiere auf den Schlachthof getrieben wurden. Sie ist in Teilen heute noch vorhanden. Hinzu kommt das eigentliche Schlachthofgebäude – die Großschlachthalle, die teilweise überbaut ist. Hinzu kommen der Verwaltungstrakt und die Torgebäude, die als Einzeldenkmale ausgewiesen wurden. Wie es mit den Neubauplanungen nun weitergeht, ist offen. Die Stadt ist insbesondere mit dem großangelegten Einkaufszentrum nicht einverstanden und bevorzugt mehr Raum für Wohnungen. Inwieweit also tatsächlich historische Bausubstanz erhalten bleibt, darf zumindest als offen gelten – wenngleich die halbrunden Torbauten weder Shopping-Mall noch Wohnblöcken im Weg stehen dürften… (db, 14.10.16)

Frankfurt: Zwei Bürohäuser gerettet

Frankfurt: Zwei Bürohäuser gerettet

Frankfurt a.M., Niddastraße59, Bild: Daniel Bartetzko
Bleibt unangetastet: Das Frankfurter Bürohaus in der Niddastraße 59 (Bild: Daniel Bartetzko)

In jeder Stadt gibt es sie: unscheinbare Büro- oder Industriebauten der Nachkriegszeit, die auf unerklärliche Weise die Jahrzehnte unberührt überdauert haben. Und die dann, wenn sie endlich reif für den Denkmalschutz sind, gerne über Nacht abgerissen oder zur Unkenntlichkeit gedämmt werden. Umso erfreulicher, wenn derartige Gebäude einmal gerettet werden. Ausgerechnet aus dem veränderungswütigen Frankfurt gibt es gute Nachrichten: In der Kategorie „Lieblingshäuser der mR-Redaktion“ steht der filigran-technoide 1950er-Jahre-Bau in der Niddastraße 59 ganz vorne. Einst beherbergte er mehrere Pelzhändler, in den vergangenen Jahren gab es nur noch Interimsnutzungen, auch die Spuren des Verfalls mehrten sich.

Nun wird die Niddastraße 59 und das links angerenzende Eckhaus Nummer 57 – ebenfalls in den 1950ern errichtet – von der Stadt Frankfurt an zwei Wohnprojekte abgegeben. Unter sechs Bewerbungen wurden das „Hausprojekt Offenbach“ (57) und die „Wohngruppe Niddastern“ (59) ausgewählt. „Beide Projekte entsprechen der Zielsetzung des Liegenschaftsfonds zur Schaffung von innovativem Wohnraum“, sagt Planungsdezernent Mike Josef (SPD) auf der Homepage der Stadt Frankfurt.  „Niddastern“ will in dem schmalen Gebäude sechs Wohneinheiten, einen Dachgarten sowie eine halböffentlich genutzte Erdgeschosszone mit Gemeinschaftsküche verwirklichen – und dabei insbesondere die charakteristische Fassade erhalten. Wir atmen auf und drücken die Daumen! (db, 11.10.16)

Zu Sir Peter Cook nach Köln

Zu Sir Peter Cook nach Köln

Graz, Kunsthaus, Bild: Schneider & Aistleinter, CC BY-SA 2.5
Biomorphe Vision, verewigt in Stahl und Glas: Kunsthaus Graz von Peter Cook und Colin Fournier (Bild: Schneider & Aistleinter, CC BY SA 2.5)

Die knalligen Archigram- Stadtentwürfe wie „Plug-In City“ oder „Instant City“ loteten aus, was Architektur zu leisten vermag, dienen heute noch gerne als Diskussionsgrundlage, wenn es um den gesellschaftlichen Nutzen der Technologie geht, und sind schon lange Teil der Popkultur. Ihr Schöpfer, Archigram-Gründungsmitglied Sir Peter Cook, feiert am 22. Oktober seinen 80. Geburtstag und wird nun in Köln mit einer Ausstellung gefeiert – die natürlich nicht bei der 1974 entschlummerten Archigram-Gemeinschaft endet.

Nach jahrzehntelanger freier Tätigkeit gründete Cook 2006 mit Gavin Robotham das Londoner Crab Studio – in dem manch experimentelle Ansätze in die Realität umgesetzt wurden. Zu den tatsächlich gebauten Visionen zählen unter anderem das Kunsthaus Graz (2000), einen Bauteil der Wirtschaftsuniversität Wien (2008-14) und zur IBA 1987 ein Wohnhaus in Berlin. Der AIT-ArchitekturSalon Köln präsentiert ab dem 6. Oktober mit „Crab: Peter Cook and Gavin Robotham …and its Archigram Antecedents“ die Utopien von Archigram sowie Projekte von Crab Studio von 1960 bis heute. Neben Zeichnungen, Skizzen, Modellen und großformatigen Fotografien wird die Atmosphäre des Londoner Büros rekonstruiert. Die Ausstellung, eine Kooperation mit der Architekturfakultät Bochum, läuft bis 9. Dezember. (db, 8.10.16)