Bauhaus-Welterbe jetzt auch in Bernau

Schon über 20 Jahre gehört das Bauhaus in Dessau und Weimar zum UNESCO-Weltkulturerbe. Nun wurden zwei weitere Gebäudeensemble der Kunstschule in diesem Status gehoben: Seit dem 9. Juli 2017 gehören auch die Laubenganghäuser in Dessau-Roßlau und die Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes ADGB in Bernau dazu. Architekt der hinzugenommenen Stätten ist jeweils der Schweizer Hannes Meyer, der das Dessauer Bauhaus von 1928 bis 1930 leitete – und der in der Rückschau zwischen den Lichtgestalten-Direktoren Walter Gropius (1919-28) und Ludwig Mies van der Rohe (1930-32) oft verblasste, was sich nun ändern könnte.

„Das ist der lang ersehnte Lohn der Tüchtigen“, sagte der Bernauer Bürgermeister André Stahl (Linke) der Presse. Der Welterbestatus werde ganz sicher dazu beitragen, diesen weitestgehend noch immer verborgenen „Schatz vor den Toren der Hauptstadt“ einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen. Brandenburgs Kulturministerin Münch (SPD) nannte die Entscheidung „einen großen Glücksfall für das Bundesland“. Die UNESCO-Tagung in Krakau brachte mit den Eiszeit-Höhlen bei Blaubeuren eine weitere deutsche Neuaufnahme in die Weltkulturerbe-Liste. Erneut gescheitert ist die Bewerbung aus Sachsen-Anhalt: Der Naumburger Dom wurde zum zweiten Mal zurückgestellt mit der Bitte um Überarbeitung des Antrags. (db, 10.7.17)

Bernau, ADGB-Schule (Bild: Dabbelju, CC BY 2.5)

Volksbank Berlin: Der Abriss läuft

Es erschreckt noch immer, dass auch Gebäude mittlerweile zu Verbrauchsartikeln erklärt worden sind. Und wir sprechen nicht von einem Behelfspavillon für irgendeine Gartenschau, sondern von einem repräsentativen und aufwendig konstruierten Bürogebäude der Postmoderne, das zudem auch noch an einem städtebaulich markanten Ort steht: Seit einigen Wochen läuft der Abriss des erst 1985 fertiggestellten Volksbank-Hauses am Berliner Olof-Palme-Platz. Errichtet wurde es nach Plänen von Pysall, Stahrenberg und Partner für die Grundkreditbank, die später in der Volksbank aufging. Nachdem das Geldinstitut die Immobilie Ende 2014 an ein Konsortium aus drei Unternehmen verkauft hatte, erwarb sie im August 2016 der milliardenschwere Finanzier Barings „für einen von ihr beratenen institutionellen Investor„.

Das PoMo-Gebäude müsse nun weichen, da es in seiner Aufteilung sehr speziell und nur für den bisherigen Nutzer maßgeschneidert sei – so Armand Grüntuch von Grüntuch Ernst Architekten. Nach Entwürfen seines Büros soll an seiner Stelle ein 60 Meter hoher Turm entstehen, der den „Altbau“ mit dem hinreißend geschmacksunsicheren Entree ersetzt. Bereits seit einigen Jahren war diskutiert worden, ob das Volksbank-Haus aufgestockt werden könne; Planungen wurden aber aufgrund des großen Aufwands verworfen. Und so fällt ein weiteres, markantes Stück West-Berlin der späten Vorwendejahre. (db, 30.6.17)

Berlin, Volksbank (Bild: Jochen Teufel, CC BY SA 3.0)

Die Moderne in Niedersachsen

Was blieb vom Aufbruch der 1960er und 1970er? Gesellschaftliche und politische Veränderungen, Fortschrittsglauben und Ideale, aber auch Angst und Unsicherheit prägen die Zeit „zwischen Nierentisch und Postmoderne“, wie der Architekturkritiker Wolfgang Kil die 1960er und 70er Jahre einmal charakterisierte. Insbesondere in der Architektur zeigte sich die schier explosionsartige Entwicklung: Bauboom und technischer Fortschritt bewirkten innerhalb weniger Jahre eine wahre Zukunftseuphorie und stetig wachsende Experimentierfreudigkeit. Wie sich dieser gebaute Fortschritt in Niedersachsen manifestierte, zeigt ein neuer, von der Lavesstiftung herausgegebener Band aus dem Jovis-Verlag: Aufbruch. Architektur in Niedersachsen 1960 bis 1980.

Mit einem umfassenden Katalogteil und fundierten Beiträgen zu wichtigen Themen dieser gesellschaftlich und politisch veränderungsfreudigen Ära möchte die zur Architektenkammer Niedersachsen gehörige Lavesstiftung die Vorzüge der kreativen wie wagemutigen Architektur jener Tage in Erinnerung bringen. Zu den Autoren zählen unter anderem Karin Wilhelm, Nicole Froberg, Olaf Gisbertz, Rocco Curti und Ulrich Knufinke. Das Grundlagenwerk soll zur öffentlichen Diskussion anregen und damit zu Wertschätzung und Erhalt der 1960er- und-70er-Jahre-Architektur in Niedersachsen beitragen. (db, 29.6.17)

Aufbruch. Architektur in Niedersachsen 1960 bis 1980, hg. von der Lavesstiftung, Jovis Verlag, Berlin 2017, Hardcover, 21 x 28 cm, 200 Seite, ca. 300 Farb- und Schwarzweißabbildungen, ISBN 978-3-86859-471-3.

Titelmotiv: Buchcover (Jovis Verlag)