Bonn: Kein Wiedersehen nach dem Lockdown

Das Hotel Bristol in Bonn wird nach dem Lockdown nicht wieder eröffnen. Das modernistische Gebäude wurde 1972 errichtet und besticht das Auge durch seine streng gegliederte Sichtbetonfassade und dem dahinter liegenden Skelett aus Stahlbeton. Der Eigentümer des Hotels, die Hamburger Centro Hotel Group, beschloss nun in Absprache mit dem Verpächter den Mietvertrag zu terminieren. Grund hierfür sei nicht etwa die wirtschaftliche Notlage durch die Pandemie, sondern bauliche Mängel, die eine Sanierung unwirtschaftlich machen würden. Nach dem Abriss will das Immobilienunternehmen Corpus Sireo auf dem Areal Wohnungen und Büros errichten.

Mit dem Hotel geht ein Bau des in Bonn geborenen Architekten Ernst van Dorp verloren. Während eines Studienaufenthalts am MIT machte der junge Architekt Bekanntschaft mit Walter Gropius und lernte die Architektur von Mies van der Rohe und Frank Lloyd Wright kennen. 1950 legte er sein Diplom an der Technischen Hochschule Karlsruhe unter Egon Eiermann ab. Das Hotel Bristol, der Sportpark Nord, das ehemalige ZDF Hauptstadtstudio und die Niederländische Botschaft sind nur einige von unzähligen Gebäuden, die van Dorp für die Stadt Bonn während ihrer Zeit als Regierungssitz der Bundesrepublik Deutschland entwarf. Seine Architektur prägt das Stadtbild bis heute. (re, 25.3.21)

Bonn, Bristol-Hotel (Bild: Eckhard Henkel, CC BY SA 3.0, 2013)

Essen: Begegnung mit dem Bagger?

Die Zeichen stehen auf Abriss für das Haus der Begegnung in Essen. Entstanden 1921 als Ledigenwohnheim, diente der dreiflügelige Bau später u. a. als Sitz der Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfe behinderter Menschen. Zuletzt wurden die Räume 2017 für Veranstaltungen der Grünen Hauptstadt Europas genutzt, dann stand das Ensemble leer. Der Projektentwickler Allbau, der das Haus von der Stadt erwerben wollte, erklärte zunächst: Bei der anstehenden Sanierung bliebe die historische Fassade erhalten. Doch geschätzte Kosten von 5 bis 6 Millionen Euro wertete das Unternehmen 2019 als unwirtschaftlich und stellte daraufhin einen Abrissantrag. Dem erteilten die Denkmalbehörden der Stadt Essen und des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) ihre Zustimmung. Ein Gutachten war zu dem Schluss gekommen: Bei einer Sanierung müsste man zwei Drittel der historischen Bausubstanz verloren geben, womit der Denkmalschutz entfiele.

Der drohende Abriss stieß auf Widerstand. Im September 2020 besetzten Aktivist:innen das Gebäude und gründeten darin ein selbstverwaltetes anti-rassistisches Zentrum. Auch aus der Politik fand die Aktion Zuspruch. Oberbürgermeisterkandidat Daniel Kerekeš (Die Linke) erklärte: „Nachdem die Stadt keine Idee hatte, was mit dem Haus geschehen sollte, ist es nur richtig, dass die Menschen in der Stadt selbst überlegen wie sie das Haus nutzen wollen”. Das Ensemble, für das verschiedene Gruppen immer wieder gemeinschaftsorientierte Konzepte entwickelt hatten, wurde kurz darauf von der Polizei geräumt. Gegenüber der Neuen Ruhrzeitung (NRZ) erklärte Allbau noch Anfang des Jahres, ohne wirklich konkret zu werden, man wolle über einen bloßen Abriss hinausgehen. Denkbar sei eine städtebauliche Entwicklung, um das Essener Uni-Viertel besser an die nördliche Innenstadt anzuschließen. (re, 17.3.21)

Essen, ehemaliges Ledigenwohnheim (Bild: C. Schulze, 2021)

Essen, ehemaliges Ledigenwohnheim (Bild: Cordula Schulze, 2021)

Iserlohn: Abriss trotz Denkmalschutz?

Für das Rathaus I am Schillerplatz in Iserlohn stehen die Zeichen auf Abriss. Noch 2018 gab es Grund zur Freude, denn damals wurde der 1974 fertiggestellte Bau aus der Feder des örtlichen Architekten Ernst Dossmann unter Denkmalschutz gestellt. Damit verstummten vorübergehend die Pläne für einen Rathaus-Neubau. Doch bereits im November 2019 häuften sich die schlechten Nachrichten: Wegen erheblicher Brandschutzmängel wird nun erneut die Option Abriss geprüft. Im Rahmen einer Benehmensherstellung, so Stadtbaurat Thorsten Grote gegenüber ikz-online, soll der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) Münster erklärt haben: Man könne die Argumentation der Kommune nachvollziehen, dass eine Sanierung technisch unmöglich sei.

Die Stadt Iserlohn verweist im Detail darauf, dass eine geeignete Brandschutzsanierung nicht umsetzbar sei. Denn mit dem ursprünglich geplanten Rückbau auf das Betonskelett allein sei es nicht getan. Fehlende beziehungsweise mangelhafte Rettungswege würden einen Eingriff in die Tragstruktur erforderlich machen. Dieser werde statisch durch die instabile Bodensubstanz erschwert, wofür der Baugrund wiederum mit Betonpfählen ertüchtigt werden müsste. Doch für das notwendige Großgerät fehle im Untergeschoss des Rathauses der Platz. Demnach scheint der Erhalt des Gebäudes daran zu scheitern, dass die Räume im Untergeschoss schlicht zu niedrig sind. Noch steht der brutalistische Bau unter Denkmalschutz, aber könnte bald mit der Prüfung des Abrissantrags aus der Denkmalliste gestrichen werden. Und damit käme dann wieder der alte Neubauplan auf den Tisch. Wann genau der Abriss starten soll, ist noch offen – immerhin sind noch nicht alle Rathausräume leergezogen. (re, 23.2.21)

Iserlohn, Rathaus (Bild: Sauerlandtom, via mapio.de)