Alle Beiträge von Karin Berkemann

München-Neuperlach, Blick zu den Alpen, 2007 (Bild: buzzard525, CC BY SA 3.0)

Ein Auftakt in München

Das frisch gegründete DFG-„Netzwerk Bauforschung jüngerer Baubestände 1945+“ beschäftigt sich mit der Erhaltung und dem Weiterbauen von Nachkriegsarchitektur. Das Problem ist bekannt: Rund 60 Prozent unseres heutigen Bestands sollen aus den Jahren zwischen 1960 und 1980 stammen. Daher müsste nachhaltiger geplant, das ressourcenschonende Potential dieser Bauten besser erkannt und erhalten werden. Der Auftaktworkshop findet am 28. September an der TU München (ehem. Architekturbibliothek, Raum 2350) statt und wird die Erfassung, Inventarisierung und den architektonischen Umgang mit Bestandsgebäuden zu Thema haben.

In einem einleitenden Vortrag stellen die Mitglieder Netzwerks sich und ihre Herangehensweise vor. Es folgen sieben Vorträge, die sich um das Erfassen von Bestandsgebäuden drehen. Drei Arbeitsgruppen thematisieren neue Messmethoden, Dokumentationswerkzeuge oder Erfassungskriterien und spannen einen Bogen von der Restaurierung und Konservierung zur Translozierung als letzter Möglichkeit des Erhalts. Schlusspunkt der Veranstaltung sind zwei Vorträge zur qualitativen Erfassung von Bestandsgebäuden. Vor diesem Hintergrund sollen Positionen und Strategien des Weiterbauens entwickelt werden. Um Anmeldung wird gebeten unter: anmeldung@nbjb1945.de. (kb, 21.7.18)

Moderne mit Alpenblick: München-Neuperlach (Bild: buzzard525, CC BY SA 3.0)

Berlin, Scala-Girls mit Ballons (Bild: Willi Pragher, Deutsche Digitale Bibliothek, CC BY SA 3.0, 1936)

„… und abends in die Scala“

Der Jongleur Enrico Rastelli, der Clown Grock, die A-Capella-Truppe Comedian Harmonists und die tanzenden Ballon-Girls – in der Berliner „Scala“ traten von 1920 bis 1940 die damaligen Größen des Showbusiness auf. Damit galt die Berliner Institution als eines der berühmtesten Varietés Deutschlands. Die Scala stand zwischen den Zeiten der „Goldenen Zwanziger“ und den Jahren des Nationalsozialismus. Das Gebäude wurde teils kriegsbeschädigt, musste später einer Modernisierung und einem Neubau weichen.

Anfangs trafen sich hier Mensch unterschiedlicher Herkunft und Gesinnung. Unter den wechselnden Eigentümern des Varietés fanden sich viele jüdische Geschäftsmänner. Einer der damaligen Teilhaber ihnen, der Verleger und Kinobesitzer Karl Wolffsohn, wurde inhaftiert, sein Besitz arisiert. Am Ende konnte er nach Palästina fliehen und sein Enkel, der Historiker und Publizist Michael Wolffsohn, regte nun eine Gedenktafel am Standort der „Scala“ an. Diese wird von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa am 24. Juli 2018 um 11 Uhr in der Martin-Luther-Str. 14 in 10777 Berlin enthüllt. (kb, 20.7.18)

Berlin, Scala-Girls mit Ballons (Bild: Willi Pragher, Deutsche Digitale Bibliothek, CC BY SA 3.0, 1936)

Wien, Postsparkasse (Bild. Hagen Stier)

Multiple Modernismen

Klassische Moderne, Avantgarde, Neues Bauen, Funktionalismus, Rationalismus oder Internationaler Stil – die Stile zwischen den beiden großen Kriegen tragen viele Namen. Doch bereits seit den 1980er Jahren unternehmen es Forscher mit Publikationen und Ausstellungen, den Blick auch für die „anderen“ Spielarten der Moderne zu weiten. In Innsbruck will man nun anlässlich des 100-jährigen Bauhaus-Jubiläums einen „kritischen Blick“ werfen auf die Forschungen zur Moderne – und zugleich die Perspektive weiten für die vielen Spielarten des Bauens im 20. Jahrhundert.

Vom 31. Januar bis 2. Februar 2019 will die Universität Innsbruck (Forschungsinstitut Archiv für Baukunst) zur internationalen Tagung „Die Multiple Moderne“ einladen. Ziel der Veranstaltung ist es, dem Phänomen einer Multiplen Moderne näher zu kommen und den Stand der Forschung zu diskutieren. Parallel dazu wird im Archiv für Baukunst eine Ausstellung zur Tiroler Moderne gezeigt. Noch werden Themen gesucht, mögliche Schwerpunkte sind: das Bauhaus zwischen Selbstdarstellung und Außenwahrnehmung, die Auseinandersetzungen zwischen einer radikalen und einer gemäßigten Moderne, die Architekturgeschichtsschreibung der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Bis zum 15. September 2018 sind Abstracts für einen 20-minütigen Vortrag (max. 2.000 Zeichen mit Leerzeichen) und ein aktueller Lebenslauf mit (Dienst-)Adresse willkommen unter: klaus.tragbar@uibk.ac.at. (kb, 17.7.18)

Moderne-Ausstellungstipp auf dem Weg nach Innsbruck: die große Otto-Wagner-Schau in Wien, noch bis zum 30. September (Bild: Wien, Postsparkasse, Foto: Hagen Stier)

Badende Schönheit in den USA der 1950er Jahre (Bild: H. Armstrong Roberts, Getty Images)

Jetzt ein Pool!

Wenn es für die ersehnten sechs Wochen am Meer nicht gereicht hat, dann doch zumindest Pool zu Hause vor der heimischen Terrassentür. Oder für den wundervollen Bildband „Der Swimming Pool in der Fotografie“, der das Urlaubsgefühl auf den Coffeetable holt. Denn hier bekommt der geneigte Leser moderne Architektur in ihrer wohl erfrischendsten Form. Auf 240 Buchseiten kommen 200 Abbildungen, vor allem aus den retroschönen Zeiten der 1950er und 1960er Jahre. Denn in den Wirtschaftswunderjahren avancierte der Swimming Pool auch hierzulande rasch zur stilsicheren Zurschaustellung des eigenen Erfolgs – und des neuesten Einteilers. Obendrauf war er auch noch fürs sportive Planschen zu gebrauchen.

Auch Filmschaffende und Fotografen haben den Pool rasch für sich entdeckt. Zu verlockend waren die Lichtreflexe, die entspannte und zugleich erotisch untermalte Stimmung am Beckenrand. Hier ließen sich Filmstars, Models und andere Schönheiten gerne ablichten, u. a. von Henri Cartier-Bresson, Gigi Cifali, Stuart Franklin, Harry Gruyaert, Emma Hartvig, Jacques Henri Lartigue, Joel Meyerowitz, Martin Parr, Paolo Pelligrin, Mack Sennett, Alec Soth, Larry Sultan und Alex Webb. Und, keine Sorge wegen des Bildungsauftrags: Es gibt auch Pool-Architekturen von Le Corbusier und Co. zu bestaunen. (kb, 16.7.18)

Der Swimming Pool in der Fotografie, Hatje Cantz Verlag, 240 Seiten, 200 Abbildungen, 27 x 25 cm, Deutsch, ISBN-13: 9783775744089.

Badende Schönheit in den USA der 1950er Jahre (Bild: H. Armstrong Roberts, Getty Images)

Novosibirsk (Bild: Brücke-Osteuropa, PD, 2007)

Sun City Nowosibirsk

Die drittgrößte Stadt Russlands liegt in der westsibirischen Steppe: Nach Moskau und St. Petersburg hat es Nowosibirsk in die oberste Liga der Sowjetmetropolen geschafft. Die heutige Großstadt wurde um die Jahrhundertwende mit dem Vordringen der Eisenbahn gegründet. 1903 erhielt der Ort die Stadtrechte, 1926 den Namen Nowosibirsk, „Neu-Sibirien“. Heute gilt die einstige Neugründung als einer der kulturellen und wirtschaftlichen Mittelpunkte des Landes.

In ihrer neuen Publikation „Sun City Nowosibirsk“ porträtieren die drei Herausgeber – Stephan Lanz, Stefanie Peter und Kathrin Wildner – „ausgewählte urbane Transformationsprozesse“ – wie den Wandel der Großwohnsiedlungen oder wiederkehrende Planungen für den Marx-Platz. Es geht um die Prozesse, wenn Volks- in Privateigentum übergeht, wenn staatliche Planung vom Druck des Kapitals eingeholt wird. Textbeiträge, Fotoserien und ein Glossar dokumentieren und kommentieren so aus verschiedenen Perspektiven den Wandel von der sozialistischen zur kapitalistischen Stadt ebenso wie den Umgang mit dem sprichwörtlichen sibirischen Winter im öffentlichen Raum. Die Buchvorstellung findet morgen, am 15. Juli 2018, ab 19 Uhr in Berlin in der Floating University (Lilienthalstraße, 10965 Berlin-Kreuzberg) statt. (kb, 14.7.18)

Lanz, Stephan/Peter, Stefanie/Wildner, Kathrin (Hg.), Sun City Nowosibirsk. Transformationen einer sibirischen Metropole (metroZones14), Spector Books, Leipzig 2018, ISBN 9783959051651.

Nowosibirsk (Bild: Brücke-Osteuropa, PD, 2007)