“Mach’s gut, geliebte Paulshöhe”

Vor Kurzem fand das letzte Spiel am historischen Ort statt: Mit einem Sieg gegen Anker Wismar verabschiedete sich der SG Dynamo Schwerin vom Sportplatz Paulshöhe im Stadttei Ostdorf. Hier wurde seit 100 Jahren Fußball gespielt. Den Anfang machte eigentlich ein Biergarten mit angeschlossenem Saal, der wiederum zu einer traditionsreichen Brauerei am Ort gehörte.

Hintergrund der Schließung der Paulshöhe ist der Sportpark Lankow, der in den letzten Jahren im Norden der Stadt errichtet wurde. Hier will man künftig die ganze Fußballpalette der Stadt bündeln, von Breitensport bis Oberliga, sogar für den American Football soll Raum sein. Doch bevor der Bagger loslegt, soll erst ein Architekturwettbewerb die Zukunft des Areals klären. Die Hälfte soll für Wohnzwecke neu bebaut werden, für dei andere Hälfte ist von einer Schule und viel Grünfläche die Rede. Zum Abschied hatten die gut 2.000 anwesenden Fans noch ein Transparent enthüllt: “Mach’s gut, geliebte Paulshöhe”, und zugegeben, das Komma haben wir seitens der Redaktion eingeschmuggelt. (kb, 30.6.22)

Schwerin, Paulshöhe (Bild: Paulshöhe, CC BY SA 4.0, 2022)

Frankfurt: Dietrich-Bonhoeffer-Kirche steht zum Verkauf

Noch 2008 hatte es nach einer guten Lösung für die Frankfurter Dietrich-Bonhoeffer-Kirche ausgesehen: Die Gemeinde übernahm den brutalistischen Bau in die eigene finanzielle Verantwortung. 1969 war die evangelische Kirche – außen (später weiß gefasster) Sichtbeton, innen Backsteinoberflächen – im neuen Quartier der Nordweststadt eingeweiht worden, gestaltet nach den Entwürfen des Architekten Werner W. Neumann. Für die Glasgestaltung zeichnete der Künstler Hermann Goepfert verantwortlich, für die Betonreliefs konnte Thomas Zach gewonnen werden. Neumann hatte sich in Frankfurt und Südhessen schon in den 1950er und 1960er Jahren einen Namen gemacht mit seinen evangelischen Kirchenbauten. Doch in der Nordweststadt traf er auf den damaligen Umschwung von der liturgisch ausgerichteten Raumauffassung zu den neuen Fragen einer Gemeinde mit sozialdiakonischer Ausrichtung. Folgerichtig verzichtete man vor Ort auf den eigentlich geplanten Glockenturm, um das Geld für die Entwicklungshilfe zu spenden.

Auch der Innenraum lebt von der Spannung zwischen gottesdienstlicher Feierlichkeit und sozialem Anspruch. Über dem Altar öffnet sich die Decke zu einem Oberlicht, das eine Metallinstallation zum Leuchten bringt. Auf der gegenüberliegenden Empore ruft ein künstlerisch gestaltetes Bonhoeffer-Zitat zum ethischen Handeln auf. 2021 dann übergab man vor Ort den Bau an den Regionalverband, der nun bekannt gab, dass die Kirche und das Pfarrhaus zum Verkauf stehen. Vorangegangen war eine Gemeindefusion, mit der seit 2020 die Dietrich-Bonhoeffer-Kirche, Cantate Domino, St. Thomas und die evangelische Gemeinde in Niederursel zusammengehören. Dieser Gebäudebestand soll reduziert werden, doch an der Bonhoeffer-Kirche bleibt ein Standort erhalten, denn das Gemeindehaus samt Kindergarten werden nicht veräußert. Auch für den Kirchenbau wolle man eine Lösung finden, die nicht zum Abriss führt, so der Regionalverband gegenüber der Presse. (kb, 29.6.22)

Frankfurt, Bonhoeffer-Kirche (Bild: Gaki64, CC BY SA 3.0, 2013)

Frankfurt am Main, Dietrich-Bonhoeffer-Kirche (Bilder: oben: Karsten Ratzke, CC0 1.0; unten: Gaki64, CC BY SA 3.0, 2013)

Neo Tokyo in Berlin

Es wird düster, aber auf die gute Art: Mit “Akira” hat sich die Tchoban Foundation in diesen Wochen eine dystopische Vision der Architektur vorgenommen. 1988 bot dieser japanische Kult-Animationsfilm alles, was ein Cyberpunk-Bodyhorror-Herz höher schlagen ließ. Nach dem obligatorischen atomaren Supergau samt Drittem Weltkrieg war Tokyo wieder da, aber in soziale Gegensätze und Kämpfe verwickelt. Konkurrierende Gangs, übernatürliche Kräfte, Gedankenkontrolle, Motorräder und am Ende das aufscheinende neue Universum wurden in stilvollen Bildern zu einer Filmgeschichte verknüpft. In der Tradition von “Akira” entstanden nicht nur Magna-Comics und Videospiele, sondern auch weitere Filmprojekte in diesem Stil. In den 1990er Jahren sollte der Siegeszug des japanischen Anime seinen Höhepunkt erreichen.

In Berlin steht nun der urbane Hintergrund des Films, die dystopische Stadt Neo Tokyo, im Mittelpunkt einer Ausstellung. Die Präsentation “Akira – Die Architektur von Neo Tokyo” zeigt die originalen Hintergrundmalereien aus der Animation des Science-Fiction-Klassikers und ist noch bis zum 4. September 2022 im Berliner Museum für Architekturzeichnung zu sehen. Damit werden 59 originale Produktionshintergründe, Layout-Zeichnungen, Konzeptentwürfe und Imageboards – teils zum ersten Mal überhaupt – zugänglich gemacht, die für die Gestaltung von Neo Tokyo im Animationsfilm zum Einsatz gekommen waren. Die Präsentation zeigt Werke von Toshiharu Mizutani, der als Art Director der Produktion fungierte, und seinen Kollegen Katsufumi Hariu, Norihiro Hiraki, Shinji Kimura, Satoshi Kuroda, Hiromasa Ogura, Hiroshi Ōno, Hajime Soga, Tsutomu Uchida und Takashi Watabe. (kb, 28.6.22)

Titelmotiv: AKIRA, Schnitt Nr. 182, finaler Produktonshintergrund, Toshiharu Mizutani (Bild: Plakatfarbe auf Papier, 55 x 42 cm)