Das Modell Steiermark

Zu wenig bezahlbarer Wohnraum, das betrifft immer mehr Städte – von Berlin über Freiburg und Jena bis zu Wien und Graz. In Österreich lieferte das sog. Modell Steiermark neue Lösungswege im Massenwohnungsbau der Nachkriegsmoderne. Vor diesem Hintergrund findet die Abendveranstaltung „Der Wohnbau des Modell Steiermark und dessen Wohnzufriedenheit“ von Helle Panke e. V. Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin findet am 21. November 2019 im Gemeinschaftshaus Gropiusstadt (Bat-Yam-Platz 1, 12353 Berlin) statt. Der Abend mit der Grazer Architektin und Wohnbauforscherin will das Modell Steiermark zunächst geschichtlich in seine politischen Voraussetzungen einordnen.

Mittels einer publizierten Studie wurde der Grad der Wohnzufriedenheit erhoben, mit dem Ergebnis: In den partizipativen Wohnbauten waren die Bewohner leicht zufriedener als in konventionellen Bauten. Die Ergebnisse der Studie anhand einer österreichischen Modellvergabe soll die Grundlage für ein stadtpolitisches Gespräch über die Vergabeverfahren der Stadt Berlin und partizipative Stadtentwicklung geben. (kb, 9.11.19)

Graz, St. Peter, Terrassenhaus (Bild: Moschitz S.Partl, GFDL oder CC BY SA 3.0, 2008)

Karlsruhe: Wenig Transparenz zum Landratsamt?

„Mit Verwunderung nimmt die Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Stadtbild (ArKaS) zur Kenntnis, dass der Kreistag in seiner öffentlichen Sitzung am 7.11.2019 erneut mit einer Abstimmung seinen Beschluss vom 22.11.2018 sowie vom 24.01.2019 zum Abriss des Hochhauses am Ettlinger Tor bekräftigen soll.“ Mit diesen Worten meldet sich heute die ArKaS zu Wort. Hintergrund ist die Debatte um die Zukunft eines modernen Baudenkmals: des Karlsruher Landratsamts, des ehem. Badenwerk-Hochhauses (1961-65). Begleitet wird das Bauwerk mit Aluminium-Glas-Fassade von einem Kasino- und einem Langbau mit Betonwabenfenstern. Die Planung geht zurück auf die Architekten Norbert Schmid und Claus Möckel.

Am 7. November 2018 meldeten die „Badischen Neuesten Nachrichten“ eine bevorstehenden Sanierung des eingetragenen Kulturdenkmals für 100 Millionen Euro. Am folgenden Tag wurde in derselben Zeitung von Abbruch gesprochen, zugunsten eines Neubaus: Die Landesdenkmalpflege ziehe die Unterschutzstellung zurück, sollten Fassadenelemente erneuert werden. Noch immer warte die (ArKaS) auf eine Antwort des Petitionsausschusses auf die im Dezember 2018 eingereichte Erklärung, die mit Blick auf Denkmalpflege, Städtebau und Kostenbilanz für den Gebäudeerhalt plädiert. Eine besondere Brisanz liegt für die ArKaS darin: „Über den Abriss eines Kulturdenkmals kann ein Denkmaleigentümer grundsätzlich keinen eigenen Beschluss fassen“. Kurz: Der Kreistag muss erst die Voten von Petionsausschuss und Denkmalbehörde abwarten. (db/kb, 7.11.19)

Karlsruhe, Badenwerk-Hochhaus (Bilder: Gerhard Kabierske)

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Abteipassage Pulheim: Berufung angekündigt

Die Bürgerinitiative für den Erhalt der Abteipassage in Pulheim-Brauweiler will sich nicht geschlagen geben. Daher hat sie gegenüber der Presse angekündigt, gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts Köln beim Oberverwaltungsgericht Münster Berufung einzulegen. Der postmoderne Bau besticht durch steile Dächer, viel (natürlich weiß) lackierten Stahl, Klinkerfassade und allerhand Glas- und Stahl-Spielereien im Einzelhandelsbereich. 1985 wurde der Bau vom Pulheimer Bürgermeister gemeinsam mit Stargast Willy Millowitsch eingeweiht, doch bald soll das Ensemble einem Neubau weichen. Im Juni 2018 wurde die Einkaufsmeile verkauft, der neue Eigentümer, eine Kölner Entwicklungsgesellschaft, will an ihrer Stelle einen großen Supermarkt samt Tiefgarage sowie bis zu 60 Wohnungen errichten. Der Planungsausschuss der Stadt gab vor einem Jahr grünes Licht für das Bauvorhaben.

Bei Anwohnern und Geschäftsleuten hat dies wenig Begeisterung hervorgerufen: Viele fordern den Erhalt des Einkaufszentrums. Vor allem der inhabergeführte Handel fürchtet bei einem Abriss um seine Existenz. Derweil steht das Gebäude schon zu größeren Teilen leer – wegen der üblichen Verdächtigen: Brandschutz, Rettungswege, Barrierefreiheit. Die Stadt sieht im Neubau daher für Brauweiler die beste Lösung. Und jüngst stellte das Verwaltungsgericht Köln auf eine Klage der Bürgerinitiative hin fest, dass ein Bürgerentscheid ungültig sei. Doch die Abrissgegner wollen weiterhin für eine frühzeitige Einbindung der Öffentlichkeit auf dem Weg zum Bebauungsplan eintreten. (kb, 7.11.19)

Pulheim, Abteipassage (Bild: SPD Pulheim)