Die Architekturmaschine

Erst das Buch, dann die Ausstellung: „Die Architekturmaschine“, kuratiert von Teresa Fankhänel (und herausgegeben mit Andres Lepik), widmet sich der Rolle des Computers in der Architektur. Heute ist die elektrifizierte Rechenmaschine aus dem Bauwesen nicht mehr wegzudenken. Doch nun wird ihre Rolle in der Architektur erstmals umfassend aufbereitet – und die Gretchenfrage gestellt: Hat sie oder hat sie nicht (das Entwerfen verändert)?

Insgesamt 40 Fallstudien und 200 Abbildungen beleuchten die Entwicklung von den 1950er Jahren bis in die Gegenwart. In vier Kapiteln präsentieren die Fachautoren den Computer als Zeichenmaschine, als Entwurfswerkzeug, als Medium des Geschichtenerzählens und als interaktive Kommunikationsplattform. Die Ausstellung zum Buch startet am 14. Oktober 2020 im Architekturmuseum der TUM in München, die Publikation kann man bereits jetzt erwerben. (kb, 11.7.20)

Fankhänel, Teresa/Lepik, Andres (Hg.), Die Architekturmaschine. Die Rolle des Computers in der Architektur, Birkhäuser-Verlag, Berlin 2020, ISBN: 978-3-0356-2155-6.

Otto Beckmann, Imaginäre Architektur, 1977-80, Fotomontage (Bild: © Archiv Otto Beckmann)

Denkmalschutzgesetz NRW: Die Kritik wird lauter

Nordrhein-Westfalen soll ein neues Denkmalschutzgesetz bekommen: Darin würden fachfremde Belange gestärkt (energetische Sanierung, Barrierefreiheit, …) und Fachvertreter geschwächt (aus der jetzigen formellen Benehmensherstellung der unteren Denkmalbehörden mit den Landschaftsverbänden (LVR/LWL) würde eine schlichte Anhörung). Zudem will man den Landesdenkmalbeirat (wenn auch nie umgesetzt, aber zumindest als Option vorgesehen) und den besonderen Schutz von Bodendenkmälern in Abbaugebieten aus dem Gesetz streichen. Nun wird die Kritik lauter, die Fachverbände bis Anfang Juli als Stellungnahme beim Landtag vorgelegen konnten.

Das Urteil lautet in den meisten Fällen: Eine Änderung ist unnötig. Die Arbeitsgemeinschaft der kommunalen Spitzenverbände Nordrhein-Westfalen etwa sieht „kein Erfordernis für eine Ergänzung des Denkmalschutzgesetzes um weitere Vorgaben“. Auch die Leiter der Bodendenkmalpflege der Landschaftsverbände (LWL, LWR) betonen, man solle lieber auf Grundlage des jetzigen Gesetzes „das Ziel des Erhalts des gemeinsamen archäologischen Kulturguts im Blick behalten und sichern“. Der Westfälischer Heimatbund vermisst ein deutliches Bekenntnis zum Ziel des neuen Gesetzes: „Oberste Priorität sollte die Erhaltung und Bewahrung von denkmalwerten Bauten haben.“ Und der Verband Deutscher Kunsthistoriker fürchtet grundsätzlich um die Attraktiviät des Denkmalpfleger-Berufs in NRW. (kb, 10.7.20)

Landschaftspark Duisburg Nord (Bild: Carschten, CC BY SA 3.0, 2010)

Coventry verschwindet

Noch immer schüttelt man verwundert den Kopf, wenn man sich so manche „Stadtsanierung“ der 1960er oder 1970er Jahre vor Augen führt. Mit großer Geste wurden ganze Innenstädte leergeräumt, zum Glück oft nur auf dem Papier. In Coventry jedoch setzt man gerade ebenso selbstbewusst den Rotstift an. Werden die Planungen umgesetzt – und es sieht sehr danach aus -, dann werden bald weite Teile des Stadtzentrums von Coventry abgerissen. Entstehen soll „Coventry City Center South“ mit, so das Werbeversprechen, viel Raum für öffentliches Leben und Vergnügungen in Cafés, Hotels, Geschäften u. v. m.

Vom bevorstehenden Abriss wird u. a. der Bull Yard – mit den markanten Lamellenstrukturen und dem identitätsstiftenden Schriftzug – betroffen sein, fertiggestellt 1969 nach Entwürfen der Architekten Arthur Ling und Terence Gregory. Teil der großen Anlage ist das vier Meter hohe und über 11 Meter lange „Three Tuns“-Relief, seit 2009 in der Heritage Category II gelistet. Denn geschaffen wurde das abstrahierende Band vom Bildhauer William Mitchell (*1925) als frühes Zeugnis seines „Atztec Style“. Mitchel zeichnet ebenso verantwortlich für die Betonfassade des Bull-Yard-Gebäudes. (kb, 6.7.20)

Coventry, Bull Yard (Bild: The Justified Sinner, CC BY NC SA 2.0, 2016)
Coventry, Three Tuns (Bild: The Justified Sinner, CC BY NC SA 2.0, 2016)

Coventry, Three Tuns und Bull Yard (Bilder: oben: RobJN, CC BY SA 3.0, 2013; E.Gammie, CC BY SA 2.0, unten: The Justified Sinner, CC BY NC SA 2.0, 2016)