Staatsaffäre Bauhaus

Bis heute kämpfen Länder und Interessensgruppen um den Platz an der Sonne des blitzblanken Bauhaus-Images. Schon die Begründer der reformfreudigen Kunstschule hatten eifrig mitgestrickt an einer derartigen Markenbildung. Da verwundert es nicht, dass dieses ideeelle Erbe nach dem Zweiten Weltkrieg rasch zum Politikum wurde. Nicht nur die Bundesrepublik stellte sich gerne in die Tradition des Bauhauses, das mit Demokratie, Freiheit und Moderne gleichgesetzt wurde.

Diesem Thema widmet sich nun der Beitragsband „Staatsaffäre Bauhaus“, frisch erschienen bei Gebr. Mann. Aus einer internationalen Perspektive fragt das Buch, wie der Reformstil in Belgien, in der DDR, in Israel, in den Niederlanden, in Polen, in der Türkei und in den USA wahrgenommen wurde. Die von Thomas Schleper herausgegebene Publikation vereint Beiträge von Gerda Breuer, Andreas Butter, Fredie Flore, Frederike Huygen, Milena Karabaic, Bernd Nicolai, Thomas Schleper und Beate Stortkuh. (kb, 28.11.20)

Thomas Schleper (Hg.), Staatsaffäre Bauhaus. Beiträge zur internationalen Bauhaus-Rezeption, Hardcover, 224 Seiten, Gebr. Mann-Verlag, Berlin 2020, ISBN: 978-3-7861-2845-8.

Dessau, Kornhaus, sonnenschutz (Bild: gemeinfrei, via pixabay.com)

Offener Brief: Bei der Kultur hört der Spaß auf

Politik sei sonst nicht seine Sache, so sinngemäß der Promitrompeter Till Brönner vor wenigen Wochen in einem vielbeachteten Videobeitrag zur Corona-Misere einer ganzen Branche. Aber auch Musiker und Co. seien ein Wirtschaftsfaktor und bräuchten – wenn viele davon ihren Beruf von Staats wegen gerade nicht ausüben dürften – drängend Unterstützung. Mit dem neuen Lockdown light hat sich die Situation nun weiter zugespitzt. Neben Kinos und Konzertstätten fielen z. B. auch die Museen in die Kategorie Freizeit und Vergnügen – und mussten damit schließen. Vorerst bis Ende Dezember.

Heute meldet sich der Verband Deutscher Kunsthistoriker (VDK) zur Sache – mit einer Stellungnahme. Natürlich müssten auch Kulturschaffende ihren Beitrag zum Gesundheitsschutz leisten. Dennoch fiele es schwer, die „Dif­fe­ren­zierung zu verstehen, die zwischen dem Einzel­handel auf der einen und Mu­seen auf der ande­ren Seite vor­genom­men wurde.“ Denn, so der VDK, „Museen dürften zu den sicher­sten Orten über­haupt zählen.“ Schließlich habe man seit dem Frühjahr vorbildmäßig alle Hygienemaßnahmen umgesetzt. Als Bildungsorte, „Wissens­speicher und Archen“ seien Museen von gesamt­­gesell­schaft­licher Bedeutung. Daher erwarte man von der Regierung, diese Belange künftig stärker in die Überlegungen einzubeziehen – auch zum Schutz der festen wie freien Museumsmitarbeiter. (kb, 27.12.20)

Dresden, Museumsbesucher (Foto: Richard Peters, Bild: Deutsche Fotothek, CC BY SA 3.0, um 1970)

Geesthacht: Was wird aus der denkmalgeschützten Kirche?

Traurige Nachrichten aus Geesthacht bei Hamburg. Nach dem Zweiten Weltkrieg war hier die Zahl der Protestanten in den Neubaugebieten stark angestiegen. Zunächst richtete man sich in einer ehemaligen Feuerwache ein, die 1951 das Patrozinium St. Petri erhielt. Als die Kirchengemeinde 1960 selbständig wurde, begann sie auf dem Nachbargrundstück mit der Planung für einen eigenen neuen Gottesdienstraum. 1963 schließlich wurde die neue St.-Petri-Kirche fertiggestellt nach Entwürfen des Hamburger Büros Horst Sandtmann und Friedhelm Grundmann. Für die Glasgestaltung konnte man das Künstlerpaar Karl Heinz und Gisela Wienert, für einige der Ausstattungsstücke den Bildhauer Hans Kock gewinnen. Auf dem umliegenden Gelände entstanden, unter Einbeziehung der ehemaligen Feuerwache, weitere Gemeindebauten.

2005 hatte man die Fusion mit der Nachbargemeinde vollzogen, noch 2012 wurde die Verglasung saniert. Doch 2017 wurde der Beschluss bekanntgegeben, die Kirche 2022 zu schließen, zwischenzeitlich war auch von Abriss oder einer Zwischennutzung durch den Kindergarten die Rede. Nun kam der Abschied früher: Vor wenigen Tagen wurde die Entwidmung von St. Petri mit einem Gottesdienst begangen. Als Grund wird die geringe Mitgliederzahl angegeben. Aktuell wird der Kindergarten auf dem Gelände von St. Petri abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Die Zukunft der entwidmeten Kirche ist noch ungewiss – der Bau ist denkmalgeschützt. (kb, 26.11.20)

Geesthacht, St. Petri (Bild: hh_oldman, via mapio.net)