Alle Beiträge von Karin Berkemann

Ulm, Universumcenter (Bild: Peter Liptau)

Eine Verjüngungskur fürs Universum

Ein Vorzeigeprojekt der modernen Stadt: Das Universumcenter am Ehinger Tor in Ulm. 1971 fertiggestellt, geplant vom Architekten H. M. Wein, der wenig später auch das Neu-Ulmer Pendant, das Donaucenter planen durfte, galt es zur Bauzeit als Musterbeispiel der Stadt-in-der-Stadt-Lösung. Im 22 Stockwerke zählenden, knapp 60 Meter hohen Gebäude finden sich 121 Wohnungen und 41 Ladengeschäfte. Hinzu kommen ein Atrium mit Brunnen und eine Terrasse oberhalb.

Vieles ist verschwunden oder zumindest nicht mehr zugänglich: eine Kegelbahn, ein Panoramarestaurant, eine Tankstelle mit Autohaus. Heute ist das Gebäude, wie viele seiner Artgenossen, in Verruf geraten. „Wohnung zu vermieten. Auch für erotisch-gewerbliche Nutzung“, hieß es jüngst in einer Annonce. Nicht der einzige, aber einer der Startschüsse, die das Augenmerk der Eigentümer der Einzelparteien, aber auch die Ulmer Sanierungstreuhand auf den Plan ruft. Ein Bewohner-Arbeitskreis ist bereits gegründet, und die städtische Treuhand will das Universumcenter ebenfalls wieder zu einem attraktiven Ort zu machen – vor allem als Eingang zum dahinter in Sanierung befindlichen und weiter auszubauenden „Dichterviertel“. Welche gestalterischen Maßnahmen genau getroffen werden, das ist noch unklar. Aktuell wurden, unter Anwendung des Landesglücksspielgesetzes, bereits vier der fünf Spielotheken zur Schließung aufgefordert. Wer sich einen Eindruck machen möchte, kann hier eine 2016 entstandene Multimedia-Story zum Gebäude ansehen. (pl, 26.5.18)

Ulm, Universumcenter (Foto: Peter Liptau)

Hamburg-Dulsberg, Frohebotschaftkirche (Bild: An-d, CC BY SA 3.0, 2013)

Fritz Schumacher und der Dulsberg

Vor 100 Jahren prägte der Architekt und Stadtplaner Fritz Schumacher mit den Hamburger Stadtteil Dulsberg – bis heute. Grund genug für die Bewohner, kräftig zu feiern. In Mittelpunkt der Jubiläumswochen steht die „Ausstellung im öffentlichen Raum“ mit 20 großformatigen Installationen an fünf Standorten im Stadtteil. Sie sollen den Schumacherschen Bebauungsplanung für den Dulsberg veranschaulichen. Zudem gibt es Stadtteilrundgänge zur Bauhistorie des Stadtteils und zu heutigen Veränderungsprozessen im denkmalgeschützten Ensemble.

Pünktlich zum Jubiläum gibt es gleich drei Publikationen: Für das Bezirksamt Hamburg-Nord schreibt der Gartenhistoriker Joachim Schnitter über „Grünzug Hamburg Dulsberg 1918-2018“. Im Schaff Verlag informieren Daniela Schmitt, Joachim Schnitter, Christoph Schwarzkopf mit einem neuen Bändchen in der Reihe „Hamburger Bauhefte“ über „100 Jahre Siedlung Dulsberg“. Und nicht zuletzt erscheint bei Dölling und Galitz „Fritz Schumacher und der Dulsberg“ von Roger Popp. Das Buch wird am Sonntag, den 3. Juni 2018 im Rahmen der Auftaktveranstaltung zu den Jubiläumswochen öffentlich vorgestellt – ab 14 Uhr in der Frohbotschaftskirche am Straßburger Platz in Dulsberg. (kb, 24.5.18)

Popp, Roger, Fritz Schumacher und der Dulsberg, Dölling und Galitz, Hamburg 2018, ISBN 978-3-86218-110-0.

Schmitt, Daniela/Schnitter, Joachim/Schwarzkopf, Christoph, 100 Jahre Siedlung Dulsberg (Hamburger Bauhefte 24), Schaff Verlag, Hamburg 2018, ISBN 978-3-944405-38-4.

Hamburg-Dulsberg, Frohebotschaftkirche (errichtet auf Basis des Schumacherchen Bebauungsplans 1937 von Friedrich Dyrssen und Peter Averhoff, von ihnen 1953 wiederaufgebaut) (Bild: An-d, CC BY SA 3.0, 2013)

Tetrasoap (Bild: tetrasoap.com)

Wasch-Beton

Diese Neuheit verspricht nicht weniger als eine Revolution, „a soap revolution“. Tetrasoap kommt in kantiger Betonoptik daher. Sie erinnert, und soll das auch, an die Tetrapoden, eine französische Erfindung der 1940er Jahre. Mit diesen Betonformsteinen, die in der Folge in zahlreichen Ländern dem Küstenschutz, dem Dammbau und der Hafenbefestigung dienen, waren Wellenbrecher rasch und kostenfrei herstellbar. Teils wurden die seriell gefertigten Tetrapoden auch als Panzersperren eingesetzt.

Für die Tetrasoap setzen die Hersteller auf natürliche Materialien, die von Hand verarbeitet werden. Doch die Form soll nicht nur schick aussehen, sondern auch das „Wegglitschen“ verhindern. Denn auch stark heruntergewaschen, bleiben dem Nutzer immer noch die griffigen vier „Füße“. Die Idee entstand 2003, wurde kontinuierlich weiterentwickelt und vor einigen Monaten mit einer Crowdfunding-Aktion bei „kickstarter“ in die serielle Produktion gehoben – und kann jetzt in schicker Verpackung online bestellt werden: einzeln oder als „Jahres-Abo“. (kb, 23.5.18)

Tetrasoap (Bild: tetrasoap.com)

Walter Ulbricht mit Stadtmodell (Quelle: privat)

Wahrheit oder Pflicht?

Als die Moderne noch an die Zukunft glaubte, wollte sie nicht weniger als die Welt neu gestalten. Entsprechend entstanden in der DDR für Städtebaukonzepte, die einer Utopie, einer sozialistischen Neuordnung sehr nahe kommen sollten. Die breite Spanne – zwischen gewünschten und möglichen, verwirklichten und verfehlten Projekten – zeigt nun eine neue Publikation anhand von vier Beispielen aus Thüringen: Mit Weimar steht Erfurt hier dafür, wie schwierig es war, die ambitionierten Neubaupläne in Städte mit großem kulturhistorischen Erbe einzufügen.

Die Buchvorstellung wird am 14. Juni 2018 um 19.30 Uhr (Einlass: 19.00 Uhr) in Erfurt (Galerie Waidspeicher, Michaelisstraße 10, Erfurt) ergänzt durch den Vortrag „‚Unser Erfurt, einzigartig‘ – Stadtplanung nach 1945“ vom Architekturhistoriker und Denkmalpfleger Dr.-Ing. Mark Escherich. Er rekonstruiert die Erfurter Innenstadtplanung von der unmittelbaren Nachkriegszeit bis 1980. In diesen Jahren wandelten sich, nicht nur in Erfurt, die Stadtvorstellungen rasant. Innenbereiche galten als überaltert und erneuerungsbedürftig. Sie lösten heute utopisch anmutende Pläne aus, die seit den 1970er Jahren kritisiert und abgewandelt wurden. (kb, 22.5.18)

Scheithauer, Simon /Escherich, Mark/Nehring, Jens/Spiegel, Daniela/Meier, Hans-Rudolf (Hg.), Utopie und Realität. Planungen zur sozialistischen Umgestaltung der Thüringer Städte Weimar, Erfurt, Suhl und Oberhof (Forschungen zum baukulturellen Erbe der DDR 6), Bauhaus Universitätsverlag Weimar, Weimar 2018, 244 Seiten, 20,3 x 1,5 x 24,9 cm, ISBN 978-3957732446.

Walter Ulbricht mit Stadtmodell (Quelle: privat)

Mondrian-Kleid, Yves Saint Laurent (Bild: Eric Koch/Anefo (Nationaal Archief), CC BY-SA 3.0)

Moderne auf Stoff und Papier

Gleich zweimal geht es aktuell um die dreidimensionale Moderne auf zweidimensionalen Medien: auf Stoff und Papier. Bei der geplanten die Publikation „Textile Moderne“ (Böhlau Verlag) geht es um Textilien als avantgardistische (Kultur-)Techniken und als künstlerisches Experimentierfeld zwischen den 1850er und den 1950er Jahren: von der Stickerei über Weben, Textildruck und -collage bis hin zu Wohntextilien, Mode und textile Architekturen. Bis zum 15. Juni 2018 können Abstracts (bis max. 3.000 Zeichen) in einem pdf-Dokument gesendet werden an: Prof. Dr. Burcu Dogramaci (Institut für Kunstgeschichte, LMU München), burcu.dogramaci@lmu.de. Die Beiträge sollen später in deutscher oder englischer Sprache 35.000 Zeichen umfassen und bis spätestens 15. Dezember 2018 vorliegen.

Auch das Medium Papier spiegelt die Moderne in besonderer Weise: Das Symposium „Architekturfotografie der Spätmoderne“ will dieses Thema am 31. Mai 2018 im Berliner Museum für Fotografie (Jebensstraße 2, 10623 Berlin) mit Blick auf (West-)Deutschland, Österreich und die USA ausloten. Denn in der Architekturfotografie der 1960er Jahre verdichten sich die architektonischen Debatten dieser Zeit. Die damals zahlreich erscheinenden Architekturzeitschriften boten ein neues Forum für diesen Bereich der Fotografie. Aus der Reportage- und Magazinfotografie wurden dafür lebensnahe Darstellungsformen in die Architekturfotografie übernommen. Anlass des Symposiums ist die Ausstellung zum Werk Sigrid Neuberts. (kb, 20.5.18)

Mondrian-Kleid, Yves Saint Laurent (Bild: Eric Koch/Anefo (Nationaal Archief), CC BY SA 3.0)