Bücher

Vicenza, Villa Rotonda (Bild: Stefan Bauer, CC BY-SA 2.5)-

Andrea Palladio für Kinder

Um die Geschichte der Architektur – nicht zuletzt auch ihren Weg zur Moderne – zu verstehen, ist ein Blick in die Vergangenheit unabdingbar. Und um etwas über Architektur zu lernen, ist es eigentlich nie zu früh: Der Frankfurter Antaeus-Verlag startet seine neue Kinderbuchreihe „Architekten Kennen Lernen“ mit einem Band über den italienischen Renaissance-Baumeister Andrea Palladio (1508-1580). „Auf der Suche nach der idealen Villa“ erzählt aus Leben und Werk des Architekten; von seinen Anfängen als Steinmetz, den Reisen nach Rom, dem Bau des Stadthauses von Vicenza – der Basilica Palladiana – bis zu ebenjener „idealen Villa“: der Villa Almerico (1569), die heute als „La Rotonda“ weltberühmt ist.

Die lebendigen, leicht verständlichen Texte von Arne Winkelmann werden kongenial ergänzt durch die Illustrationen von Hauke Kock. Und schließlich gibt es zum Buch noch eine begleitende Hörspiel-CD. Der Palladio-Band hat 36 Seiten (Hardcover) und ist für Kinder ab 10 Jahren gedacht. Erhältlich ist er für 19,80 Euro im Buchhandel oder direkt beim Antaeus-Verlag. moderneREGIONAL hofft, dass diese Reihe so erfolgreich wird, dass sie irgendwann auch in der Spätmoderne ankommt. Wir hätten da ein paar Architekten-Vorschläge … (db, 30.1.18)

Andrea Palladio: „La Rotonda“ (Bild: Stefan Bauer, CC BY SA 2.5)

Esslingen, Moschee im Bau, 2009 (Bild: Sarang, gemeinfrei)

Moscheen im Ländle

Dem nachkriegsmodernen Kirchenbau und seinen Protagonisten widmeten sich in den vergangenen Jahren zahlreiche wissenschaftliche Abhandlungen und Ausstellungen und auch die Architektur der Synagoge ist kein Nischenthema mehr. Wie steht es aber mit den islamischen Gotteshäusern, die nach 1945 in Deutschland erbaut wurden? Die Ausstellung „Schwäbische Moscheen“ widmet sich diesem Themenkomplex und nimmt speziell Stuttgart und die umliegende Region in den Blick. Sie ist bis zum 18. Januar 2018 im Foyer der UB Stadtmitte (Holzgartenstraße 16, 70174 Stuttgart) zu sehen.

Baden-Württemberg und insbesondere Stuttgart wurden in den wirtschaftlichen Hochzeiten der Bundesrepublik zum Ziel zahlreicher türkischer „Gastarbeiter“, die sich einen wirtschaftlichen Aufstieg versprachen und oftmals dauerhaft in Deutschland blieben. Moschee-Bauten versprechen als öffentlich sichtbare religiöse und kulturelle Standorte Aufschlus über Integration und gesellschaftliches Selbstverständnis. In Schwaben reicht das Spektrum von den allbekannten „Hinterhofmoscheen“ über großzügig umgebaute Gewerbeimmobilien bis zu spektakulären Neubauplanungen. Die Ausstellung versammelt Foschungsergebnisse von Architekturstudenten der Universität Stuttgart, begleitend ist ein von Ulrich Knufinke herausgegebener Sammelband erschienen. (jr, 10.1.18)

Knufinke, Ulrich, Schwäbische Moscheen. Mit Beiträgen von Levent Günes, Klaus Jan Philipp und Katharina Philana Rindtorff, Imhof-Verlag, Petersberg 2017, ISBN 978-3-7319-0643-8 .

Titelmotiv: Esslingen, Moschee im Bau, 2009 (Bild: Sarang, gemeinfrei)

Sigrid Neubert, Hans Maurer, Erdfunkstelle bei Raisting, 1970 (© Staatliche Museen zu Berlin – Kunstbibliothek/Sigrid Neubert)

Erdfunkstelle und Olympiaparkhaus

Schulgängern der 1970er Jahre dürfte dieses Bild tief vertraut sein: Die riesige Parabolantenne scheint das bayerische Barockkirchlein schier zu erdrücken. Moderne gegen Tradition, Wissenschaft gegen Religion – so waren gern bediente Deutungsschemata für diese Fotografie von Sigrid Neubert aus dem Jahr 1970. Heute mag sich der einstige Blick zu einem nostalgischen gewandelt haben. Der Modernist wie der Brutalist freut sich an der inzwischen denkmalgeschützten „Erdfunkstelle“ und fragt sich, ob sie noch steht (ja).

Sigrid Neubert (* 1927) gilt als eine der bekanntesten Architekturfotografinnen Deutschlands. Rund 30 Jahre arbeitete sie für bedeutende Architekturbüros und entwickelte dabei ihren kontrastreichen, die Strukturen der Bauten klar herausarbeitenden Stil. Hier sind z. B. das Olympiaparkhaus von Gerd Wiegand, das BMW-Ensemble von Karl Schwanzer oder die Hauptverwaltung der Hypo-Bank von Bea und Walter Betz zu nennen. Seit den 1970er Jahren schuf Neubert ebenso Naturbilder, denen sie sich ab 1990 ausschließlich widmete. Das Museum für Fotografie (Jebensstraße 2, 10623 Berlin) zeigt ihr Werk, eine Sonderausstellung der Kunstbibliothek – Staatliche Museen zu Berlin, vom 9. Februar bis zum 3. Juni 2018 unter dem Titel „Sigrid Neubert – Fotografien. Architektur und Natur“. Die Eröffnung wird am 8. Februar 2018 um 19 Uhr begangen. (kb, 8.1.18)

Sigrid Neubert, Hans Maurer, Erdfunkstelle bei Raisting, 1970 (© Staatliche Museen zu Berlin – Kunstbibliothek/Sigrid Neubert)

Dorn, Hillebrecht, Bild Mann-Verlag

Monographisches zu Hillebrecht

Er gilt als einer der konsequentesten Verfechter der autogerechten Stadt und machte Hannover zum Primus des westdeutschen Wiederaufbaus – die Rede ist natürlich von Rudolf Hillebrecht. Kürzlich legte Ralf Dorn endlich eine umfassende Monographie zu dieser Schlüsselfigur der deutschen Nachkriegsmoderne vor.

Das Buch beleuchtet nicht nur Hillebrechts Amtszeit als Stadtbaurat in Hannover (1948-1975!), die bis heute überregional polarisiert. Auch die Studienzeit in der Weimarer Republik – unter anderem bei Heinrich Tessenow und Hermann Jansen – wird beleuchtet, ebenso die Zeit als Büroleiter bei Konstanty Gutschow und die Arbeit für den Wiederaufbaustab Albert Speers. Als Vorbilder Hillebrechts identifiziert der Autor Walter Gropius und Fritz Schumacher, in der Nachkriegszeit avancierte Hillebrecht selbst zum Idol zeitgenössischer Städtebauer. Der Architekt erscheint als Archetyp für die deutsche Architektenschaft des 20. Jahrhunderts, die sich durch den Nimbus des unpolitischen Expertentums beruflichen Erfolg über die historischen Zäsuren von Nationalsozialismus, Zweitem Weltkrieg und Kaltem Krieg sichern konnten. Gleichzeitig tritt dem Leser mit Hillebrecht ein Ausnahmetalent entgegen, dessen Organisationsgeschick und planerische Fähigkeiten Hannover dauerhaft ihren Stempel aufdrückten. (jr, 20.12.17)

Dorn, Ralf, Der Architekt und Stadtplaner Rudolf Hillebrecht. Kontinuitäten und Brüche in der deutschen Planungsgeschichte im 20. Jahrhundert, Gebr. Mann Verlag, Berlin 2017, ISBN 978-3-7861-2789-5.