Bonn, syrische Botschaft (Bild: Eckhard Henkel, CC BY-SA 3.0)

Bonn: Botschaft for Sale

Außen klotzige Spät-Postmoderne, innen ein Inferno orientalischer Formen und Farben: Mit der Architektur und der Innengestaltung seiner Botschaft setzte sich Syrien 1990 am Rand der Bonner Rheinaue ein Denkmal. Bauherr war Seine Exzellenz Suleyman Haddad, der damals bereits neun Jahre als Botschafter in Deutschland weilte. Erbaut wurde das Haus im Damazenerstil, Architekt war der (bis heute unbekannte) Kölner N. Kasri. Für die Details wurden eigens 40 syrische Künstler nach Bonn eingeladen. 2003 zog die Botschaft in die neue Hauptstadt Berlin um, seither steht der Bau leer, nur gelegentlich fanden Veranstaltungen der Deutsch-Syrischen Gesellschaft statt. Mit Ausbruch des Bürgerkriegs in dem arabischen Land endete die Nutzung vollends.

Nach langer Ruhezeit kommt der letzten neu entstandene Bonner Botschaftsbau nun auf den Immobilienmarkt: Das ortsansässige Büro Limbach Immobilien ist mit dem Verkauf beauftragt. Einbringen soll die Liegenschaft, die bei einem Bieterverfahren bis Oktober 2017 den Besitzer wechseln soll, mindestens 2,5 Millionen Euro. Trotz des Leerstands gebe es keine großen Schäden, so der Geschäftsführer des Maklerbüros. Die Botschaftsliegenschaft verfügt über ein rund 4.000 Quadratmeter großes Grundstück. Im Inneren umschmeicheln Marmorböden, „Goldornamente“ und Intarsiendecken die Seele, im Keller gibt es ein Hamam, im Innenhof kann ein Springbrunnen in Betrieb genommen werden. (db, 22.7.17)

Bonn, Syrische Botschaft (Bild: Eckhard Henkel, CC BY SA 3.0)

Frankfurt, Neue Bethlehemkirche (Gaki64, CC BY-SA 3.0)

Klaus Peter Heinrici gestorben

Er ist gebürtiger Frankfurter, allerdings nicht am Main, wohin er 1951 zog, sondern an der Oder. Sein Name taucht selten auf, wenn von den großen Baumeistern der Frankfurter Nachkriegsmoderne die Rede ist. Und viele seiner Entwürfe sind ebenfalls bekannter als ihr Schöpfer: Das 1956 eröffnete Büro von Klaus Peter Heinrici (ab 1978 Heinrici und Geiger) hat unter anderem das Grzimek-Haus im Zoo (1978), den Umbau des Bockenheimer Straßenbahndepots zum Theaterraum (1988) und das postmoderne Wohnhaus Saalgasse 28 realisiert. Auch die neue Kirche der Bethlehem-Gemeinde (1971) im Stadtteil Ginnheim ist ein Werk des Elsaesser-Schülers.

Neben Elsaesser prägte Heinrici in seinen Anfangsjahren ein weiterer Protagonist des „Neuen Frankfurts“: Nach seinem Diplom arbeitete er von 1951 bis 1956 im Hochschulbauamt der Frankfurter Universität unter Ferdinand Kramer. Über 50 Gebäude, die meisten bis heute in Nutzung (das will etwas heißen in Frankfurt/Main!), entwarf Heinrici, seine Gründung HGP Architekten ist noch immer aktiv. Er selbst ging 2000 Ruhestand, zog sich auch aus dem Städtebaubeirat zurück. Bereits am 25. Juni ist der Architekt, der das Bild Frankfurts nachhaltiger prägte, als vielen bewusst ist, gestorben. Klaus Peter Heinrici wurde 89 Jahre alt. (db, 21.7.17)

Frankfurt/Main, Bethlehemkirche (Bild Gaki64, CC BY-SA 3.0)

 

 

Rom, 1983 (Bild: Archiv H. W. Peuser)

Wenn die Ewigkeit ruft

Nein, eine Nummer kleiner haben wir es nicht: Es geht um das Ewige, das Göttliche, das Heilige. Oder, um es mit den Worten von Sektion M24 zu sagen. „Cities, Space and the Sacred: Exploring Urban (Religious) Landscapes in the Modern Era“. Austragungsort ist (Redundanz erwünscht) die Ewige Stadt Rom (Department of Business Studies – Roma Tre University, Via Silvio d’Amico 77, 00145 Rom). Für die Veranstalter, die European Association of Urban History (EAUH), reicht die Moderne von 1800 bis in die Gegenwart.

Vom 29. August bis zum 1. September 2018 (!) trifft man sich in Rom zur 14 th International Conference on Urban History. Zu diesem Anlass werden vom Deutschen Historischen Institut (Rom) für die besagte Sektion noch Themenvorschläge zu diesen Schwerpunkten gesucht: die sich wandelnde Rolle religiöser Orte, wie religiöse Gemeinschaften den städtischen Raum markieren, wie weltliche Mächte in der Stadt heilige Räume ausweisen wollen. Willkommen sind fachübergreifende Zugänge inner- und außerhalb der europäischen Kulturlandschaft. Vorschläge (max. 450 Worte) können online eingereicht werden bis zum 5. Oktober 2017. Wer es mit dem Heiligen nicht so hat, kann sich in einer der zahlreichen Sektionen z. B. auch für „Räume der Furcht“ (M 28) bewerben. (kb, 20.7.17)

Der moderne Kirchenbauer H. W. Peuser besucht 1983 Rom (Bild: Archiv H. W. Peuser)

Sofia, 1300 Jahre Bulgarien (Bild: Save the Monument)

Sofia: Rettet die Betonskulptur!

In Bulgarien geht es einem Stück sozialistischer Erinnerungskultur an den Kragen. Das monumentale Denkmal „1300 Jahre Bulgarien“ soll abgerissen werden, die ersten Arbeiten haben bereits begonnen. Die Skulptur aus ineinander verschränkten Betonelementen ist bis zu 31 Meter hoch und wurde der Öffentlichkeit zum Jubiläumsjahr 1981 übergeben. Die bulgarische Initiative „Save the Monument“ hofft, den Abriss in letzter Sekunde noch stoppen zu können und sucht nun internationale Unterstützer.

Das Monument ist Teil des Ensembles um den Nationalen Kulturpalast, der ebenfalls anlässlich der 1300-Jahrfeier Bulgariens im Zentrum Sofias errichtet wurde. Das ostmoderne Bauwerk wird derzeit saniert, worunter absurderweise auch der Abriss des Denkmals gerechnet wird. Anlass ist die erste EU-Ratspräsidentschaft Bulgariens im Jahr 2018, der der Kulturpalast eine repräsentative Bühne bieten soll. Da die Skulptur zu Zeiten der Volksrepublik Bulgariens entstand, wird sie mit dem damaligen Regime verknüpft, obwohl sie sich in ihrer Abstraktion deutlich von der realsozialistischen Monumentalpropaganda unterscheidet. Die ineinander verschränkten Betonblöcke des Denkmals wurden von Valentin Startchev entworfen und sollen Geschichte, Gegenwart und Zukunft Bulgariens darstellen. (jr, 19.7.17)

Sovia, Denkmal „1300 Jahre Bulgarien“ (Bild: Save the Monument)

Herdecke, Koepchenwerk (Bild: Radler59, CC BY-SA 4.0)

Koepchenwerk: Schriftzug wird saniert

Am Koepchenwerk tut sich was: Nachdem die Stiftung Industriedenkmalpflege Ende 2016 das seit über 20 Jahren stillgelegte Kraftwerk vom Energieversorger RWE erwarb, starten nun erste Sanierungsarbeiten. In Bälde wird der RWE-Schriftzug, der sich in Jahrzehnten zum Wahrzeichen des Hengsteysees bei Herdecke entwickelt hat, demontiert und aufgearbeitet. Dies soll in Eigenleistung in der Zentralwerkstatt der Stiftung geschehen. Die Tragekonstruktion der sechs Meter hohen Lettern muss hingegen vor Ort entrostet und konserviert werden. Auch das Dach des Schieberhauses, auf dem das Logo angebracht ist, erhält eine Grundsanierung. Witterung und Vandalismus haben dem Bauwerk in den vergangenen Jahren stark zugesetzt. Nach Abschluss der Arbeiten soll ein Zaun vor erneuten mutwilligen Beschädigungen schützen.

Das 1927-30 errichtete Koepchenwerk, dessen Name sich von seinem Planer Arthur Koepchen ableitet, ist neben dem Pumpspeicherwerk Niederwartha der zweitälteste deutsche Bau dieser Art. Bereits 1986 wurde es unter Denkmalschutz gestellt, 1994 stillgelegt und neben dem Altbau ein neues Kraftwerk errichtet. Bis vor wenigen Jahren wurde das Koepchenwerk museal genutzt, dann scheute der RWE-Konzern die weiteren Erhaltungskosten und stellte Anfang 2015 Abrissantrag – der Dank des Verkaufs vom Tisch ist. Im Sommer 2018 sollen auch am Hauptgebäude Instandsetzungsarbeiten folgen. (db, 18.7.17)

Koepchenwerk: Schieberhaus mit RWE-Schriftzug (Bild: Radler59, CC BY SA 4.0)