Kiel, Alter Markt (Bild: Jan Petersen, CC BY NC 2.0, 2013)

Kiel: Pavillons unter Schutz

Noch vor Kurzem wurde über den Abriss diskutiert, jetzt stehen sie unter Denkmalschutz: die Pavillons auf dem Alten Markt von Kiel. Das historische Herz der Stadt mit der Nikolaikirche hatte vor allem im 17. Jahrhundert mit den sog. Persianischen Häusern eine prägende Gestaltung erhalten. Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs wurde die Fläche als Parkplatz genutzt. Erst 1972 erhielt der Alte Markt durch den Architekten Wilhelm Neveling (1908-78), der u. a. auch für Neubauten der Kieler Universität verantwortlich zeichnet, ein neues Gesicht: eine gepflasterte Senke mit Granitsteinen und Pavillonbauten für Geschäfte und Gastronomie.

Genau diese Pavillons wurden jetzt unter Denkmalschutz gestellt. „Politik und Kaufmannschaft signalisierten Verständnis für die Entscheidung in Anbetracht der kulturgeschichtlichen Bedeutung des Gebäudeensembles“, so melden die Kieler Nachrichten. Zugleich sei man sich einig, dass der Denkmalschutz einer Neugestaltung des Platzes nicht grundsätzlich im Wege stünde. Dabei seien die Pavillons nicht allein wegen ihrer modernen Formensprache, sondern auch wegen ihrer historischen Bezüge erhaltenswert. Sie greifen die Form der verlorene Bebauung, darunter die Persianischen Häuser, wieder auf, in einen Pavillon wurde der Gewölbekeller des Alten Rathauses einbezogen.(kb, 25.2.18)

Kiel, Alter Markt (Bild: Jan Petersen, CC BY NC 2.0, 2013)

Berlin, Pavillon Fehrbelliner Platz, Blick durch die Passage neben dem Hauptabgang ins Freie (Bild: Verena Pfeiffer-Kloss, 2014)

Moderne Kunsttexte

Die Online-Zeitschrift „Kunstexte“ kann in der Sektion „Architektur Stadt Raum“ aktuell gleich mit zwei lesenswerten Beiträgen zur Architekturmoderne aufwarten: Frank Schmitz schreibt über „Die Angst vor dem Nationaltheater“. Am Beispiel des 1965 eröffneten, heute als Opernhaus genutzten Stadttheaters in Bonn wird besonders deutlich, wie widersprüchlich die Anforderungen an diesen Repräsentationsbau der damals provisorischen Hauptstadt waren – und wie die Aufgabe, mit dem Bühnenbau keinen Anlass zur Kritik zu geben, architektonisch erfolgreich gelöst wurde.

In einem zweiten Beitrag widmen sich Ralf Liptau und Verena Pfeiffer-Kloss dem Thema „Von Stecknadeln und Fäden. U-Bahnhöfe der Nachkriegsmoderne unter Wien und Berlin“. Das unterirdische Verkehrsnetz der beiden Metropolen wurde zwischen den späten 1960er Jahren und den 1980er Jahren umfänglich erweitert. An der direkten Gegenüberstellung dieser so unterschiedlichen Gestaltungen zeigen sich ganz unterschiedliche Auffassungen davon, was ein U-Bahnhof zu sein hat. In einem Ausblick werden die Bedeutung dieser Baugattung für die Architekturgeschichtsschreibung der Nachkriegsmoderne entfaltet und erste typologische Merkmale hierfür vorgeschlagen. (kb, 24.2.18)

Berlin, Pavillon Fehrbelliner Platz, Blick durch die Passage neben dem Hauptabgang ins Freie (Bild: Verena Pfeiffer-Kloss, 2014)

Berlin, Friedrichstadtpalast (Bild: Michael Fötsch, CC BY-SA 2.0)

Po-mo-stroi-ka

Seit 2014 widmet sich die Initiative Translations of Modernism (Transmodern) in verschiedenen Veranstaltungsformen der Architektur der Nachkriegsjahrzehnte in Mittel- und Osteuropa. Mit der Veranstaltung „po·mo·stroika – Postmodern Theories, Practices and Histories in Central and Eastern Europe“ will sie nun in Zusammenarbeit mit dem Collegium Hungaricum Berlin vom 17. bis 19. Mai 2018 in Berlin ein Forum schaffen, damit berufliche Architektur-Forschende und privat Architektur-Begeisterte ihre Arbeiten vor einem internationalen Publikum vorstellen und diskutieren können. Gesucht werden noch Vorschläge für Präsentationen von 20 bis 30 Minuten in englischer Sprache.

An Themenfeldern wären möglich: regionale und nationale Kennzeichen postmoderner Architektur, der Einfluss politische und sozialen Wandels auf Mittel- und Osteuropa in 1980er und 1990er Jahren, Fragen des öffentlichen und privaten Raums in diesen Jahrzehnten, der Einfluss postmodernen Denkens und Bauens auf die heutige Zeit u. v. m. Einsendungen mit einem kurzen Summary (1.000 Zeichen), Angaben zur Dauer und zum Datenformat der Präsentation, ein kurzes CV können bis zum 18. März eingereicht werden unter: Dániel Kovács, daniel.kovacs@kek.org.hu. (kb, 23.2.18)

Berlin, Friedrichstadtpalast (Bild: Michael Fötsch, CC BY-SA 2.0)

Hochhaus Sophienstrasse Kassel (Bild: Dietmar Walberg, CC B SA 3.0)

Kassel: Wohnhochhaus in Gefahr

In den 1950er Jahren schwang sich die im Krieg stark zerstörte Stadt Kassel mit einem ehrgeizigen Bauprogramm auf, zu einer der modernsten Städte der Bundesrepublik zu werden. Mit der 1953 fertig gestellten Treppenstraße verfügte sie über die erste Fußgängerzone des Landes, im selben Jahr wurde das erste Wohnhochhaus Kassels bezugsfertig. Eben dieser Bau steht nun vor dem Aus: Nach Informationen der Hessisch/Niedersächsischen Allgemeinen beantragte der Inhaber kürzlich den Abriss.

Das Hochhaus in der Sophienstraße wurde nach Plänen Paul Bodes errichtet. Es steht exemplarisch für die Kasselaner Nachkriegsmoderne und dementsprechend unter Denkmalschutz. Eine Sanierung sei aber unwirtschaftlich, argumentiert der Eigentümer, die Kommunale Versorgungskassen Kurhessen-Waldeck (KVK). Unter anderem müsste das Haus aktuellen Brandschutzvorschriften angepasst und eine Betonsanierung durchgeführt werden. Noch ist es bewohnt, nach Plänen der KVK sollen die letzten Mieter das Haus aber im August verlassen haben. Wie es dann weitergeht, ist ungewiss: Die Stadt hat sich noch nicht zum Abrissantrag geäußert. (jr, 22.2.18)

Hochhaus Sophienstrasse Kassel (Bild: Dietmar Walberg, CC B YSA 3.0 Detail)

Brutalistische Schokoladenkreation (Bild: Kia Utzon-Frank)

Brutolade

Schon länger haben wir uns den Hinweis auf Beton-Lifestyleprodukte verkniffen, es wurde einfach inflationär. Aber für Schokolade müssen wir eine Ausnahme machen. Gleich zweimal hat der Brutalismus-Hype Eingang in die Welt der Süßwaren gefunden. In London bietet Kia Utzon-Frank in Zusammenarbeit mit dem Barbican und der KitchenAid spezielle Schoko-Kurse an. Es werden gemeinsam Kreationen erarbeitet, die zwar nach Beton aussehen, aber wesentlich besser schmecken. Noch sollen Termine für den 3. März frei sein.

Den anderen Weg geht der Designer Jochen Korn. Er vertreibt eine „Beton-Schokolade“, die ausdrücklich nicht zum Verzehr gedacht ist. Stattdessen lassen sich darauf die Kaffekanne, der heiße Topf oder andere Küchenutensilien abstellen. Der haltbare Riegel soll sich ebenso als Mitbringsel oder „Deko-Extra“ eignen. Alle verschenkenden Männer oder Busenfreundinnen seien aber gewarnt. Es könnte zu schlechtgelaunten Rückfragen kommen („Du denkst also, ich sollte besser keine Schokolade essen?“). (kb, 21.2.18)

Brutalistische Schokoladenkreation (Bild: Kia Utzon-Frank)