Der Neckarsteg ist jetzt weg

Stuttgart, Neckarsteg 2015 (Bild: ChrisStuggi, gemeinfrei)
Es war einmal: der 1976/77 errichtete Neckarsteg im Jahr 2015 (Bild: ChrisStuggi, gemeinfrei)

Wenn derzeit in Stuttgart ein Gebäude abgerissen wird, so kann man fast sicher davon ausgehen, dass es im Zusammenhang mit dem Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 geschieht. Nun werden auch die letzten Reste der Bad Cannstädter Fußgängerbrücke über den Neckar abgebaut. Der „Neckarsteg“ wurde 1976/77 zur Bundesgartenschau errichtet und war seinerzeit die neuntlängste überdachte Holzbrücke weltweit. Ursprünglich war hier eine Stahlkonstruktion geplant, aus Kostengründen entschied man sich schließlich für den Baustoff Holz. Geplant wurde der Steg von Dieter Sengler, ehemals Professor der Hochschule für Technik Stuttgart.

Bereits im Juni wurde das größere Teilstück der Brücke entfernt, nun ist auch der letzte Teil des einstmals knapp 160 Meter langen Bauwerks verschwunden. Und Fußgänger müssen einen ordentlichen Umweg in Kauf nehmen, um von Bad Cannstadt zum Rosensteinpark zu gelangen: Erst 2018/19 soll die weiter nördlich geplante neue Eisenbahnbrücke fertig sein, die im „Untergeschoss“ einen Fußgängerbereich bietet. Unter Denkmalschutz stand das außergewöhnliche Brückenbauwerk übrigens nie, doch dieses Kriterium mag man im Zusammenhang mit Stuttgart 21 ohnehin getrost als untergeordnet ansehen …(db, 3.12.16)

50 Jahre Gerber Architekten Dortmund

Hagen, Stadthalle (1975/81), Bild: Gerber Architekten
Auch ein Gerber-Werk: die Stadthalle Hagen (1975/81) (Bild: Gerber Architekten)

1966 begann Eckhard Gerber in Meschede seine selbstständige Tätigkeit als freischaffender Architekt unter dem Namen „Werkgemeinschaft 66″ mit Manfred Lange. 1971 stieß Dirk Stelljes hinzu. Über viele Jahre erfolgreicher Arbeit ist das Büro, nach Stelljes’ Unfalltod seit 1979 in Dortmund ansässig, stetig gewachsen. Gerber Architekten zählt heute rund 170 Mitarbeiter mit weiteren Büros in Hamburg, Berlin, Riad und Shanghai.

Die Galerie Aedes am Pfefferberg Berlin präsentiert zum 50-jährigen Jubiläum des Büros ab dem 11. Dezember ausgewählte Bauten, die für Strategien und Herangehensweisen von Gerber Architekten stehen. Deren erklärtes Ziel ist es, Orte zu schaffen, die Menschen berühren und Sehnsüchte wecken. Anhand von Zeichnungen, Modellen, Fotos, Renderings, Büchern und Filmen werden die Projekte im Kontext des jeweiligen Zeitgeistes und den immer wieder neuen Bauaufgaben aufgezeigt, die sich mit unterschiedlichsten städtebaulichen, funktionalen, kulturellen und gestalterischen Themen auseinandersetzen. Präsentiert werden u. a. die Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (1993), das Harenberg City-Center Dortmund (1994) und die Neue Messe Karlsruhe (2003). Und auch die nicht ohne politischen Argwohn betrachteten Projekte in Saudi-Arabien werden zu sehen sein. Zum 50-jährigen Firmenjubiläum erscheint zudem das Buch „Eckhard Gerber Baukunst 2 – Gerber Architekten Projekte und Bauten“, herausgegeben von Frank R. Werner im Jovis Verlag. (db, 2.12.16)

Der mR-Adventskalender 2016

Auch 2016 haben wir im mR-Adventskalender wieder wertvolles Kulturgut der Nachkriegsmoderne hinter 24 Türchen versteckt. Dieses Jahr mit dem Thema: klassische TV-Serien der 1970er und 1980er Jahre. Und wie sich das gehört, lassen sich die virtuellen Türchen hier tageweise ab dem 1. Dezember öffnen:

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HIDE YOUR SOURCES

Bleistifte von the-modernist.org (Bild: the-modernist.org)
Ein Satz Modernisten-Bleistifte von the-modernist.org (Bild: the-modernist.org)

Wozu braucht man heutzutage schon noch Bleistifte … Zum schnellen Notieren reichen Handy und Notebook völlig aus. Oder man wählt gleich die Sprachnachricht. Es bliebe der dekorative nostalgische Wert, der das Schreiben zu etwas Handfesten macht. An eben jene Zeiten, als Architekten noch ohne CAD und Co. schöpferisch unterwegs waren, erinnert ein Angebot von the-modernist.org .

Unter dem Namen „Pencils for a Modernist“ vertreibt der Anbieter  bunte Bleistifte von 8 Pfund an aufwärts. Sie seien nützlich, um sie hinters Ohr zu klemmen, unschlüssig daran zu nagen oder unvergängliche Wahrheiten von ihnen abzulesen. Denn auf jedem der fünf monochromen Modelle ist in großen Lettern eine Weisheit der Moderne zu lesen: GOD IS IN THE DETAIL, LESS IS MORE, FORM FOLLOWS FUNCTION, THINK SIMPLE und HIDE YOUR SOURCES. Vielleicht etwas für den Wunschzettel? Dann nehmen Sie  aber bitte dazu passend den analogen! (kb, 1.12.16)

Crowdfunding im Staatssozialismus

Heilige Jungfrau Maria der Koenigin von Polen Kirche, Widnica (Bild: ©Igor Snopek)
Die Heilige-Jungfrau-Maria-der-Königin-von-Polen-Kirche in Widnica (Bild: © Igor Snopek)

Nach 1945 erlebte der polnische Kirchenbau eine ungeahnte Blüte. Über 3000 sakrale Neubauten entstanden in der jungen Volksrepublik. Wenngleich die Regierung den religiösen Bauabsichten der Bürger skeptisch gegenüberstand, legitimierte sie meist die Grundsteinlegung. Der Bau selbst war jedoch von den vielfältigen Initiativen der Gemeinden und der Gläubigen bestimmt. Die Ausstellung „Architektur des VII. Tages“ beleuchtet den nachkriegsmoderne Kirchenbau in Polen und legt einen Schwerpunkt auf das oft entscheidende private und kirchengemeindliche Engagement.

Neben ihrer sakralen Funktion fungierten die polnischen Kirchen oft auch als Zentren der Zivilgesellschaft. In zahlreichen polnischen Gemeinden erfolgten daher im Laufe der Zeit Aus- und Umbauaktionen der neuen Sakralbauten. Die Initiative und Realisierung kam oftmals von den Bürgern selbst – Crowdfunding geht auch offline und sogar im Sozialismus! Die Modifikationen der Bauten spiegelten die Bedürfnisse der Gemeinden wider, stießen aber oftmals auf den Widerstand der Architekten, die ihre Arbeit verfälscht sahen. Die Ausstellung ist bis zum 28. Februar 2017 im Polnischen Institut Berlin zu sehen. (jr, 30.11.16)

Der Columbusbahnhof soll fallen

Bremerhaven, Columbusbahnhof (Bild: Garitzko, gemeinfrei)
Hier landete 1958 Elvis Presley an: im Columbusbahnhof in Bremerhaven (Bild: Garitzko, gemeinfrei)

Da wir alle wissen, dass ER nicht gestorben ist, sondern immer noch (wenn auch verborgen) unter uns lebt, da wir das also wissen, ist dieses Stück Bremerhaven heiliger Boden: Hier, am Columbusbahnhof, oder der Columbuskaje, betrat Elvis Presley 1958 als amerikanischer GI deutschen Boden.

Der Kern der imposanten Anlegestelle für Passagierschiffe entstand schon in den 1920er Jahren, als hier Oberbaudirektor Heinrich Tillmann bis 1927 einen würdigen Hafen für den „Luxusdampfer“ Columbus der Norddeutschen Lloyd verwirklichte. Von hier konnte man direkt vom Schiff auf die Schiene (oder umgekehrt) – ein Bahnhof mit Meerzugang eben. Nach Kriegszerstörungen wurde der Columbusbahnhof bis 1952 wiederaufgebaut und 1962 nochmal um die Fahrtgastanlage II erweitert. Bereits in den 2000er Jahren wurde die Anlegestelle mit Geschichte zum Terminal ausgebaut, damit hier auch die großen Kreuzfahrtschiffe halt machen können. Doch 2017 sollen dafür nun, erklärte die Hafengesellschaft Bremenports, endgültig auch die inzwischen historischen Bauten weichen. Der Unterhalt der bestehenden Hallen koste jährlich rund 300.000 Euro, dies sei zu viel – zudem wolle man jährlich bald bis zu 200.000 Passagiere bedienen. Die Kosten für den Umbau zum „Columbus Cruise Center“ werden auf 60 Millionen Euro geschätzt. (kb, 29.11.16)

A Girl’s best Friend

Concrete Ring (Bild: 22designstudio.net)
Sagen Sie Ja? Hier wäre der passende Beton-Ring dazu! (Bild: 22designstudio.net)

Für alle heiratswilligen Brutalisten wird es dringend Zeit, sich mit dem entsprechenden Ring für den traditionellen Antrag unterm Weihnachtsbaum auszurüsten. Wir hätten den passenden Vorschlag: der Concrete Ring von 22 Design Studio. Denn hier haben die Gestalter tatsächlich das scheinbar spröde Material Beton zum Schmuckstück erhoben, das sich nun um einen Stahlring im Inneren schmiegt. Versprochen wird nicht nur konzentrierte Form, sondern auch hoher Tragekomfort. Der Ring ist in mehreren Formen und Größen erhältlich.

Das Design Studio mit Sitz in Taipei/Taiwan hat sich den wohl modernsten aller Materialien verschreiben: Beton und Stahl. Diese sollen in ansprechender Form für neue Verwendungen im Alltag tauglich gemacht werden. In der Angebotspalette finden sich für alle bereits Verheirateten oder dauerhaft überzeugten Freigeister weitere Beton-Produkte: vom Schreibtischset über den Kuli bis zur Uhr. (kb, 28.11.16)

Die Karte zu Socialist Modernism

socialist_modernism_screenshotDie Online-Plattform Socialism Modernism, ein Projekt von B.A.C.U. (Birou pentru Artă şi Cercetare Urbană/Bureau for Art and Urban Research), kämpft für die Anerkennung besonderer sozialistischer Landmarken und historischer Monumente. Daher konzentriert sich die Initiative auf Gebäude, Denkmäler, Parks, Viertel, Plätze und Grünanlagen im ehemaligen Ostblock, die zwischen 1955 und 1991 in Mittel- oder Osteuropa entstanden.

In den Blick kommen dabei auch die umgebenden Orte, die aktuellen Bedingungen, die Urheber und die Entstehungsgeschichte der jeweiligen Objekte. Ziel sind Dokumentation, Schutz, bauliche Sicherung und Erforschung dieser besonderen Orte. Diesem Ziel dient auch ein neues digitales „Kind“ von Socialist Modernism, eine virtuelle Karte. Hier können die Nutzer sich daran beteiligen, Orte der Ostmoderne zu markieren und damit auch über deren Geschichte und aktuelle Nutzung zu informieren. Noch gibt es auf der virtuellen Landkarte viele weiße Flecken, aber beispielsweise im Gebiet der ehemaligen DDR sind schon erste Bauten markiert – vom Kino International in Berlin über die ehemalige Leipziger Hauptpost bis zur Stadthalle Chemnitz. (kb, 27.11.16)

Begreifbare Baukunst

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Bei einigen Exponaten musste das Grassimuseum nicht lange suchen: Türklinke im Museumsbau von Hans Kollhoff (Bild: Grassimuseum Leipzig)

Im Leipziger Grassimuseum geben sich in den kommenden Monaten Karl Friedrich Schinkel, Walter Gropius, Jasper Morrison und andere bedeutende Baumeister die Klinke in der Hand. Gewürdigt werden sie jedoch nicht in Einzelausstellungen, vielmehr ein verbindendes Detail ihrer Arbeit vergleichend nebeneinander gestellt: der Türdrücker. Als haptischer Berührungspunkt zwischen Mensch und Bauwerk sahen und sehen sich Türdrücker und -griffe stets in der Verantwortung, Architektur im Kleinen zu repräsentieren.

Die Ausstellung „Begreifbare Baukunst. Die Bedeutung von Türgriffen in der Architektur“ versammelt 30 Stelen mit historischen und zeitgenössischen Türgriffen, die in Form, Material und Konzeption deutlich divergieren. Ihre Entstehungszeit reicht vom Anfang des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Die Schau fordert ihre Besucher ausdrücklich zum „Begreifen“ aus. So können sie etwa im Selbstversuch ergründen, ob die Handschmeichler den „Vier Gebote des Greifens“ folgen, welche der Designer Otl Aicher in den 1980ern in Form obligatorischer Must-Haves für Klinken aufstellte: Daumenbremse, Zeigenfingerkuhle, Ballenstütze und Greifvolumen. Die Ausstellung ist noch bis zum 14. Mai 2017 zu sehen. (jr, 26.11.16)

Wenn eine Getreideverkehrsanlage …

Bremen, Getreideverkehrsanlage (Bild: Inselmann, CC BY SA 3.0)
Bremen, Getreideverkehrsanlage, Silo I (Bild: Inselmann, CC BY SA 3.0)

Nicht nur in puncto Namenspoesie kann die Bremer „Getreideverkehrsanlage“ bundesweit mehr als mithalten. Allein das 200 Meter lange und 40 Meter hohe Silo I in der Bremer „Überseestadt“ wurde von 1914 bis 1916 für 32.000 Tonnen Getreide errichtet. Weitere Bauten kamen in rascher Folge hinzu, wurden teils erweitert und erneuert. Nun wurde die markante Anlage auf einem Grundstück von stattlichen 47.500 Quadratmetern Größe nach einer von der Stadt initiierten Ausschreibung durch die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) an einen neuen Eigentümer übergeben: die J. Müller AG.

Der Mietvertrag mit D. Wandel GmbH & Co. KG läuft in Kürze aus. An der Nutzung – „Umschlag von Getreide und anderen Agrarprodukten sowie Kaffeelagerung“ – soll sich jedoch nichts ändern. Nur müsse der neue Eigentümer die als „stark sanierungsbedürftig“ beschriebenen Bauten, so NWZ online, an „aktuelle Sicherheitsstandards“ anpassen. Was immer das konkret bedeuten wird, die Denkmalpflege dürfte ein Wort mitreden, denn seit 2006 stehen Teile der Anlage unter Schutz: aus der Zeit um den Ersten Weltkrieg Silo I, das Verwaltungsgebäude, Teile von Pier und Elevator sowie das Maschinenhaus II, aus den 1920er Jahren Silo II, sowie weitere Teile von Pier und Elevator aus den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg. (kb, 25.11.16)

Zu viele Kirchen unter Denkmalschutz?

Duisburg, Liebfrauenkirche mit Skulptur von Bernar Venet (Bild: Copyright Reimond Spekking, via wikimedia commons)
Heute eines der Vorzeigebeispiele: die Duisburger Liebfrauenkirche – hier mit einer Skulptur von Bernar Venet – dient heute als Kulturkirche (Bild: Copyright Reimond Spekking, via wikimedia commons)

Das Bistum Essen hat gegenüber der Presse – wie die WAZ berichtet – erklärt, es würden zu viele Kirchen unter Denkmalschutz gestellt. Die Stimmung an Rhein und Ruhr scheint gespannt: Gerade wurde die Frage für St. Elisabeth (1961, „stillgelegt“ 2010) in Gladbeck vor dem Verwaltungsgericht ausgetragen (und zugunsten der Denkmalpflege entschieden, ein formeller Widerspruch ist möglich). Die Denkmalpfleger fürchten ihrerseits, dass bald noch umfassendere Umnutzungen und/oder Abrisse auf uns zukommen: Von den rund 4.500 Kirchen im Rheinland könnte demnach in den kommenden 25 Jahren rund ein Viertel von der Schließung betroffen sein – in beiden Konfessionen.

Anlass für das öffentliche Aufflackern der Debatte ist die Tagung „Kirchen im Strukturwandel – Prozesse, Konzepte, Perspektiven“, die am 14. November vom Institut für Baugeschichte und Denkmalpflege (TU Köln) und vom LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland ausgerichtet wurde. Das Bistum Essen war der Veranstaltung fern geblieben. Einig dürften sich katholische Kirche, evangelische Kirche und Denkmalpflege sein, dass die Umwälzungen vor allem moderne Kirchenbauten betreffen – nach Angaben der Denkmalpfleger entstand rund die Hälfte der rheinischen Kirchen nach dem Zweiten Weltkrieg. (kb, 24.11.16)

Futura lockt nach Mainz

Futura (Bild: Gutenberg-Museum Mainz)
In Futura gestaltete Broschüren könnten viele Kartons füllen (Bild: Gutenberg-Museum Mainz)

2017 wird die legendäre Schrifttype Futura 90 Jahre alt. Das Mainzer Gutenberg-Museum möchte in den Geburtstag reinfeiern und eröffnete kürzlich die Sonderausstellung „FUTURA. DIE SCHRIFT“. Bis zum 30. April 2017 erzählen hier zahlreiche Exponate vom internationalen Siegeszug der serifenlosen Schriftart. Begleitend zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen und eine – selbstverständlich ausschließlich in Futura gehaltene – Website online gegangen.

Die schlichte Type wurde 1927 von Paul Renner in Frankfurt am Main entwickelt und fand in der Gestaltung des Neuen Frankfurt mehrfach Niederschlag. Ihre sachliche Konstruktion aus geometrischen Grundformen vermochte aber weit über die Grenzen der Mainmetropole hinaus zu überzeugen. Zahlreiche Designer bedienten sich in der Folgezeit der Futura, nach dem zweiten Weltkrieg wurde sie zeitweise Teil des Corporate Design international erfolgreicher Konzerne wie VW oder IKEA. 1969 landete sie mit Neil Armstrong sogar auf dem Mond: die Plakette, die der Astronaut auf dem Erdtrabanten hinterließ, war mit einem in Futura gehaltenen Text versehen. (jr, 24.11.16)

b+3

Braunschweig, TU, Audimax (Bild: Igge, GFDL, CC BY SA 3.0-2.5-2.0-1.0)
Nur einer der vielen bemerkenswerten Bauten der Moderne in Braunschweig: der Audimax (F. W. Kraemer, 1958) (Bild: Igge, GFDL, CC BY SA 3.0-2.5-2.0-1.0)

Um das Buchstabenrätsel gleich zu Beginn aufzulösen: Die Braunschweiger Vortragsreihe „Bauen im Bestand“ lässt drei B-Worte um ihr Veranstaltungslogo kreisen: „befragen! bewerten! bewahren!“ Es geht den geladenen Referenten also um mehr als bloße Entwurfsfantasien, sondern um eine gestalterisch verstehende Antwort auf ein bestehendes Bauwerk – und darunter dürften, wie schon ein rascher Blick auf die Referentenliste ahnen lässt, mit Sicherheit auch moderne Schätzechen sein.

Entsprechend wollen die Veranstalter hierfür „geeignete Erhaltungs- oder Umbaustrategien“ entfalten, indem die künstlerischen wie konstruktiven Besonderheiten des jeweiligen Objekts erfasst, versanden und in „größere baukulturelle Zusammenhänge“ eingeordnet werden – und dies alles „vor dem Hintergrund vielfältiger Kontexte seiner Entstehung, Geschichte und Nutzung“. Die Ringvorlesung „b+ 3. Bauen im Bestand – befragen + bewerten + bewahren“ am Institut für Baugeschichte (IB) der Technischen Universität Braunschweig findet immer mittwochs um 18.30 Uhr in der Technischen Universität Braunschweig (Hörsaal SN 19.2., Altgebäude, 1. OG) statt. Auf dem Programm stehen als Referenten: am 30. November Wolfgang Zimpel/Bonn, am 7. Dezember 2016 Olaf Gisbertz/Braunschweig, am 14. Dezember 2016 Silke Langenberg/München, am 18. Januar 2017 Winfried Brenne/Berlin sowie am 25. Januar 2017 Volker Staab/Berlin. Die Vortragsreihe ist öffentlich und freut sich auf Ihren Besuch! (Bitte beachten Sie: Online verweist die TU teils noch auf alte Vortragstermine, die bei uns oben genannten sind die „frischen“.) (kb, 23.11.16)

Welterbe für den Olympiapark?

Wenige Monate nach dem Tod des großen Baumeisters ist ein Buch übers Werk von Frei Otto erschienen (Bild: Jorge Royan, CC BY-SA 3.0)
Das Münchener Olympiastadion setzte 1972 Maßstäbe (Bild: Jorge Royan, CC BY SA 3.0)

Wofür die „Aktion Welterbe Olympiapark e. V.“ steht, hat sie sich in den Namen geschrieben. Anlass ist ein entsprechender Antrag (Aufnahme in die Kandidatenliste für das UNESCO-Weltkulturerbe), den LINKE und ÖDP in den Münchener Stadtrat eingebracht haben. Argumente ließen sich dafür viele denken: die Bedeutung der Olympiade für die junge Bundesrepublik, das Gesamtkunstwerk der dafür geschaffenen Anlage, der Anschlag …

Als Architekten der Olympiabauten konnten keine Geringeren als Günter Behnisch (und das Team bei Behnisch + Partner) sowie Jörg Schlaich (Projektleiter bei den Statikern Leonhardt und Andrä) gewonnen werden. Und spätestens seit dem Tod des posthumen Pritzker-Preisträgers Frei Otto im März 2009 steht auch er als Konstrukteur des außergewöhnlichen Dachs des Olympiastadions im Mittelpunkt des Interesses. Die Matinee „Ein Dach der Welt“, eine Veranstaltung eben jener Initiative, will die Argumente für einen Schritt hin zum Weltkulturerbe am 27. November 2016 ab 11 Uhr in München darlegen: mit Schirmherr Dr. Hans-Jochen Vogel (Münchener Oberbürgermeister 1960-72), Ulrike Nasse-Meyfarth (zweifache Goldmedaillengewinnerin), Prof. Michael Petzet (ICOMOS-Ehrenpräsident, Gutachter des Welterbekomitees), die Wellküren, Prof. Elisabeth Merk (Stadtbaurätin), Michael Lerchenberg, Dr. Dan Shaham (Generalkonsul des Staates Israel für Süddeutschland), Gert Heidenreich und Jens Harzer (spricht über Frei Otto), die Moderation übernimmt Marion Glück-Levi. (kb, 22.11.16)

Neues, altes Design-Museum

London, Commonwealth-Institute (Bild: Tarquin Binary, CC BY-SA 2.5)
So sah das Commonwealth-Institute im Jahr 2005 aus – heute gibt’s mehr Glas und dickere Nachbarhäuser… (Bild: Tarquin Binary, CC BY SA 2.5)

Das Design Museum in London hat ein neues Domizil, das selbst längst eine Design-Ikone ist: Bis zum Jahr 2002 beherbergte der Bau mit dem charakteristisch geschwungenen Dach das Commonwealth Institute, das hier ab 1962 mit Informationen und Kunstgewerbeobjekten Besuchern nahebringen sollte, wie „der Rest des Commonwealth“ lebte. In ein angeschlossenes Kino mit 450 Sitzen wurden Nachrichten aus diesen anderen Teilen der Welt übertragen.

Nachdem lange Ungewissheit über die Zukunft der denkmalgeschützten Anlage von Sir Robert Matthew, Stirrat Johnson-Marshall and Partners bestand, wird ab dem 24. November 2016 wieder eine Ausstellung unter dem kupferverblendeten Dach zu sehen sein. Das von Rem Koolhas gegründete Rotterdamer Büro OMA renovierte den Altbau und ersetzte dessen Außenwände durch Glas. Dazu entstanden drei – umstrittene – Apartmenthäuser in den Randbereichen des Geländes, für sie wurden unter anderem der Kinosaal und weitere Nebengebäude abgerissen. Der erhaltene Zentralbau des Commonwealth Institute ist nun bereits die dritte Heimat für das 1981 von Terence Conran gegründete Londoner Design Museum, das zunächst im früheren Heizkeller im Souterrain des Victoria and Albert Museum untergebracht war und 1989 in ein schneeweißes Bauhausgebäude am Themseufer umzog. Die ständig wachsende Sammlung sorgte nun erneut für einen Standortwechsel. (db, 22.11.16)