Wien, Postsparkasse (Bild: Thomas Ledl, CC BY-SA 4.0)

Nach Wien zu Otto Wagner

Zugegeben, eigentlich sind die Bauten von Otto Wagner (1841-1918) ja etwas zu alt für unser Format. Doch der Österreicher gehört nicht nur zu zu den bedeutendsten Architekten an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert: Er zählt auch zu den Wegbereitern jener Moderne, mit der wir uns bevorzugt beschäftigen. Als einer der Ersten trat Wagner für eine neue Baukunst ein, die auf Funktion, Konstruktion und Material basierte und sich konsequent das „moderne Leben“ zum Vorbild nahm – was folgerichtig die Abkehr vom Historismus bedeutete.  Von den Traditionalisten angefeindet, blieben viele seiner Projekte unausgeführt, so etwa der Entwurf für ein Stadtmuseum am Karlsplatz. Die imposante Wiener Postsparkasse (1904-1912) hingegen zählt heute zu den Ikonen des in Richtung Moderne orientierten Jugendstils.

Anlässlich des 100. Todestags Otto Wagners präsentiert das Wien Museum ab 15. März nun das Gesamtwerk des „Weltstadtarchitekten“ in einer umfassenden Großausstellung, der ersten seit mehr als fünfzig Jahren. Der Schwerpunkt liegt auf Wagners Leben und Werk, in dem sich eine ganze Epoche der Wiener Kultur und Geschichte spiegelt: von der Ringstraße über das fin de siècle bis zum Ersten Weltkrieg. Etliche teils noch nie präsentierte Objekte, darunter Zeichnungen, Möbel, Modelle und persönliche Gegenstände veranschaulichen die internationale Strahlkraft des Architekten. (db, 22.1.18)

Wien, Postsparkasse (Bild Thomas Ledl, CC BY SA 4.0)

Köln, Ulrich-Haberland-Haus (Bild: Stadt Köln)

Köln: Brandschutzkeule überm Haberland-Haus

Seit bald 18 Jahren steht das denkmalgeschützte Ulrich-Haberland-Haus im Schlosspark Köln-Stammheim leer. Es wurde 1952 von der Bayer AG als Alterssitz für ehemalige Mitarbeiter erbaut. Das Gebäude ersetzte das im Krieg zerstörte spätbarocke Schloss der Reichsfreiherren von Fürstenberg-Stammheim; ein erhaltenes Portal wurde als Reminiszenz im Haberland-Haus verbaut. Bayer gab in den 1980ern die 120 Zimmer fassende Wohnanlage auf und verkaufte sie an die Stadt, die sie bis 2000 als Studentenwohnheim nutzte. Seither wird um ihre Zukunft debattiert. Viele potentielle Investoren wie Architekten sehen die Ursache der Verzögerung eher bei der Stadtverwaltung: Es gab etliche Entwürfe, teils schon konkret angekündigt, jedoch wurden sie nie realisiert. Zumindest ein Abriss des von Vandalismus gezeichneten Baus scheint vom Tisch. Scheint …

Nach sechs Jahren ohne Nutzung war der Bestandsschutz der nicht mehr vorschriftsgemäßen Brandschutzeinrichtungen erloschen. Mit einem Investorenwettbewerb will die Stadt nun für neues Leben im ruinösen Bau sorgen. Zunächst sollen Interessenten „Grobkonzepte“ vorlegen – so solle sich zeigen, ob ein „sich selbst tragender Erhalt bei sinnvoller Nutzung“ möglich sei. Im zweiten Schritt müssen dann die Preisangebote auf den Tisch. Spätestens dabei kommt dann wohl zu tragen, dass die Stadtverwaltung selbst auch bei erneuter Prüfung keine Chance sieht für den veralteten Brandschutz. Es wird in jedem Fall eine neue Baugenehmigung benötigt. (db, 21.1.18)

Köln-Stammheim: Ulrich-Haberland-Haus (Bild: Stadt Köln)

Warnemünde, "Teepott" (Bild: Norbert Kaiser, CC BY SA 3.0, 2011)

Schlechte Nachricht aus Warnemünde

Wenn es so etwas wie konsensfähige Ostmoderne gibt, dann wäre es sicher diese hier: malerisch am Strand gelegen, ein historischer Leuchtturm zur Seite, von außen ob seines kühnen Schwungs zu bewundern, von innen bei einem Heißgetränk zu genießen. Ulrich Müthers Schalenbauweise fand im Ostseebad Warnemünde 1968 – in Ergänzung eines historischen Leuchtturms – ihren wohl bekanntesten Ausdruck. Nun melden die Medien jedoch, der sog. Teepott sei „marode“. Ein Gutachten von „Ocean Architects“ spricht von gravierenden Schäden: Wasser von oben und von unten, Rost an den Stahlträgern, ein durchtrenntes Tragwerk, ganz abgesehen von Elektrik und Brandschutz. Es stehen geschätzte Sanierungskosten von 20 Millionen Euro im Raum.

Die Lage sieht verzwickt aus: Das Grundstück ist Eigentum der Stadt, der denkmalgeschützte Bau gehört der Friedemann Kunz Familienstiftung (die das Vermögen der Fertighausfirma Scanhaus Marlow umfasst), Mieter ist die Bäckereikette Junge. Und wenn die Sanierung das prophezeite Ausmaß annimmt (Totalentkernung, ein bis zwei Jahre Bauarbeiten), müsste der Cafébetrieb ausgesetzt werden. Und der Gebäudeeigentümer deutet an, erst zu investieren, wenn ihm auch der Grund und Boden gehört. Das Denkmalschutzamt prüft die Sachlage, im März sollen die Pläne im Ortsbeirat vorgestellt und diskutiert werden. (kb, 20.1.18)

Warnemünde, „Teepott“ (Bild: Norbert Kaiser, CC BY SA 3.0, 2011)

Tasche trifft U-Bahn (Bild: kurzzug.de)

Rettet die U-Bahn(-Bezüge)!

Es dürfte schwer zu leugnen sein: Das hier ist ein Ding für Bart- und Mützenträger. Aber irgendwie auch schön. Über die Bedrohung nachkriegsmoderner U-Bahnstationen müssen wir hier – leider – immer wieder berichten. Nicht immer kann man konkret was tun. Aber hier, hier kann man aktive Erhaltungsarbeit leisten. Die Münchener U-Bahn wurde für die Olympischen Spiele 1972 ins Leben gerufen. Doch viele der über 40-jährigen Wagen werden aktuell samt ihrer Bezüge ausrangiert. Damit wenigstens ein Teil dieser geschichtsdurchzogenen Materialien nicht verloren gehen, haben sich Jörg Schleburg und Wolfgang Bischoff 2013 zu ihrem Projekt „kurzzug“ zusammengetan, das 2016 mit einem erfolgreichen Crowdfunding in die Umsetzung ging.

Ihr Stoff sind die original gebrauchten Sitzbezüge der Münchner U-Bahnen, und dieser Stoff ist endlich. Noch dazu ist jeder Bezug einzigartig, je nach dem, wer ihn wie und wofür weichgesessen hat. Damit versteht kurzzug jedes seiner Produkte als Unikat, und limitiert seine Taschen und Beutel entsprechend. Im Angebot sind Wochenender, Stadttaschen, Geldbeutel und Schlüsselzüge. Die Preise entsprechen durchaus dem Selbstbewusstsein der Hersteller, Einzelstücke feil zu bieten. Wer hier passen muss, dem bleibt der Erwerb einer Münchener ÖPNV-Tageskarte und die Rundfahrt auf der Suche nach verbliebenen Originalbezügen – aber bitte nur in Form einer Fotosafari. (kb, 19.1.18)

Tasche trifft U-Bahn (Bild: kurzzug.de)

Dessau, Meisterhäuser (Bild: Dirk Schmidt, GFDL oder CC BY SA 3.0)

Der große Bauhaus-Call

Für die 16. Docomomo-Deutschland-Tagung „100 Jahre Bauhaus: Was interessiert uns heute die Moderne?“, die am 22. Februar 2019 (!) in der Berliner Akademie der Künste stattfinden soll, werden noch Themen gesucht. Bis zum 31. März 2018 können sich Akteure aus Wissenschaft, Lehre und Praxis ein, die eingebunden sind in Prozesse der Erhaltung, Konservierung, Renovierung oder Transformierung von Gebäuden, Stätten und Nachbarschaften des Modern Movement melden bei: docomomo@bauhaus-dessau.de. Die Eingänge sollen Bezug auf: Register (Gebäude, Typologien, Architekten/Planer), Urbanism+Landscape (Gebäudeensembles, Außenräume, Policies), Education+Theory (Programme, Konzepte, Ansätze), Technology (Komponenten, Materialien, Techniken) oder Interior Design (Innenräume, Ausbauten, Atmosphären).

Die Unterlagen müssen enthalten: 1. Titel (max. 65 Zeichen) und Abstract (max. 300 Wörter); Keywords (max. 5 Wörter); 2. Themenauswahl (Urbanism+Landscape, Education+Theory, Technology oder Interior Design); 3. Autoreninformation (Name, Universität/Firma/Organisation, Land); 4. Biographie (max. 100 Wörter) – und E-Mailadresse und Telefonnummer. Abstracts sollen ein Themengebiet definieren und die Argumente zusammenfassen, die später in einem längeren Beitrag dargestellt werden. Die Beiträge sollen auf einer gut dokumentierten originären Forschungs-/Projektarbeit beruhen und vorzugsweise analytisch interpretierend sein. Die Inhalte sollen vorher weder veröffentlicht oder öffentlich präsentiert worden sein. Es ist nur eine Einreichung je Autor/Koautor zulässig. Es wird erwartet, dass jede/r Sprecher/in die Konferenz sowie Reise und Unterkunft aus eigenen oder institutionellen Mitteln finanziert. (kb, 18.1.18)

Dessau, Meisterhäuser (Bild: Dirk Schmidt, GFDL oder CC BY SA 3.0)