Fritz Nathan Totenhalle_Neuer_Jüdischer_Friedhof (Bild Kasperlein, CC By SA 3.0)

Crowdfunding für Myra Warhaftig-Symposium

Am 4. März 2018 jährt sich zum zehnten Mal der Todestag der Architektin und Bauforscherin Myra Warhaftig (11. März 1930 – 4. März 2008). Aus diesem Anlass führt die von Warhaftig gegründete Gesellschaft zur Erforschung des Lebens und Wirkens deutschsprachiger jüdischer Architekten am 17. und 18. Mai 2018 ein internationales wissenschaftliches Symposium durch. Die Rahmenfinanzierung der Veranstaltung ist zwar gesichert, für einige Punkte, etwa die Erstellung einer Online- und Printdokumentation, fehlt jedoch noch Geld. Die Veranstalter haben daher eine Crowdfundingkampagne organisiert, die noch bis Ende des Monats läuft.

Ziel des Symposiums ist es, einen Überblick über die Forschungen zu Bauten und Biographien vergessener jüdischer Architekten in Deutschland und anderen Ländern zu geben, die nach 1933 Berufsverbot erhielten, ins Exil getrieben, verfolgt oder ermordet wurden. Sehr viele dieser Forschungen stützen sich auf die grundlegenden wissenschaftlichen Publikationen von Myra Warhaftig. Ihr Leben und Werk bilden den zweiten Schwerpunkt des Symposiums. Die Veranstaltung findet am 17. und 18. Mai im Architekturgebäude der Technischen Universität Berlin statt. (jr, 20.2.18)

Fritz Nathan, Totenhalle, Frankfurt/Main, 1928 (Bild: Kasperlein, CC BY SA 3.0)

Wien, Hotel Daniel (Bild: Peter Haas, CC BY SA 3.0, 2014)

Das neue mR-Heft ist online!

Endlich darf man ungestraft Unordnung machen (räumt ja das Zimmermädchen auf) und unbeobachtet die Minibar leermachen (was im Hotel passiert, bleibt im Hotel): Im Fremdenzimmer ist vieles anders und das meiste davon aufregend. Gerade die Moderne hat bemerkenswerte Beherbergungsbauten hervorgebracht – von der brutalistischen Bettenburg bis zur Hochglanz-Luxusunterkunft. Das mR-Winterheft 2018 (Redaktion: D. Bartetzko/K. Berkemann) „Im Hotel – zu Gast bei der Moderne“ schaut auf die architektonischen Hüllen und die besonderen Erlebnisse darin. Mit von der Partie sind u. a. Dina Dorothea Falbe, Christina Gräwe, Heiko Haberle, C. Julius Reinsberg und Uta Winterhager. (db/kb, 19.2.18)

Und HIER gehts zum Heft – wie gewohnt online oder als blätterbares pdf.

Wien, Hotel Daniel (Bild: Peter Haas, CC BY SA 3.0, 2014)

Berlin, St. Hedwig, 2005 (Bild: Arnold Paul, CC BY SA 2.5)

„Verfassungsrechtlich hinzunehmen“

Die Bischofskirche und Basilica minor St. Hedwig wurde 1773 als erster katholischer Kirchenneubau Berlins nach der Reformation eingeweiht. Im 20. Jahrhundert bemühten sich gleich mehrere Architektengrößen um die Kathedrale – bis 1932 Clemens Holzmeister, bis 1963 Hans Schwippert, bis 1978 Hans Schädel und Hermann Jünemann. Prägend blieb der Schwippert-Wiederaufbau, der nach außen über der Betonschalenkuppel nur auf die klassizistische Laterne verzichtete. Der Innenraum wurde neu gedacht als  Kapellenkranz mit programmatisch offenem Zugang zur Unterkirche. 2013/14 wurde nach einem Wettbewerb zur „Modernisierung“ das Büro Sichau & Walter Architekten GmbH und Leo Zogmayer ausgewählt. Nach deren Entwurf ginge Schwipperts „Doppelkirche“ verloren. Bundesweit regten sich Proteste, viele kämpften mit kultur- wie liturgiegeschichtlichen Argumenten für die eigenständige Nachkriegsgestaltung.

Die Entscheidung zum geplanten Umbau von St. Hedwig ist nun ganz oben gefallen. Da sich Bezirksamt (dafür) und Landesdenkmalamt (dagegen) nicht einig waren, griff die Oberste Denkmalschutzbehörde ein: Gottesdienstliche Belange hätten Vorrang gegenüber dem Denkmalrecht. Der Staat habe, so die Oberste Denkmalschutzbehörde, nicht zu prüfen, ob die vom Erzbistum angeführten theologischen Argumente richtig seien. Er könne nur nachvollziehen, ob der Umbau zu deren Erfüllung beitrage. Die damit genehmigte Neugestaltung sei nicht nur für die Berliner Denkmalpflege „äußerst bedauerlich“, aber „aus verfassungsrechtlichen Gründen hinzunehmen“. (kb, 22.2.18)

Berlin, St. Hedwig, 2005 (Bild: Arnold Paul, CC BY SA 2.5)

Handicapped Car (Copyright Beni Bischof ; Bild: Kommunale Galerie Berlin)

Abgefahren!

Fetisch oder Fluch? Das Auto bestimmt das Alltagsleben vieler Menschen, und es gibt gleichzeitig wohl kaum einen Gegenstand, der so sehr polarisiert: Designikone und Umweltkiller, Statussymbol und Notwendigkeit, Hassobjekt und Lieblingsstück. Die Ambivalenz wird von Industrie und Werbung noch befeuert – auch, wenn sich die Ära des Verbrennungsmotors womöglich dem Ende zuneigt. Die Fotoausstellung DRIVE DROVE DRIVEN präsentiert unterschiedliche Automodelle und künstlerische Ansätze in über 60 Aufnahmen. Abbilder einer Gesellschaft, in dem ein Abgesang auf unsere automobile Gegenwart genauso aufblitzt wie die Faszination für den schlichten Gegenstand.

Die erste Station war in der Automobilnation USA, nun ist DRIVE DROVE DRIVEN vom fernen Omaha in die Kommunale Galerie Berlin gekommen: kuratiert von Matthias Harder, mit Werken unter anderem von Clara Bahlsen, Beni Bischof, Larry Ferguson, James Hendrickson, Charles Johnstone, Melina Papageorgiou und Michael Witte. Bis 8. April bietet die Ausstellung Entscheidungshilfe bei der Frage, ob man der Faszination Auto erliegen möchte, oder ob man zur wachsenden Zahl der Anti-Autler gehört. Einen Mittelweg scheint es heute irgendwie nicht mehr zu geben … Kommunale Galerie Berlin, Hohenzollerndamm 176; Di-Fr 10-17 Uhr, Mi 10-19 Uhr, So 11-17 Uhr (db, 18.2.18)

Beni Bischof, Handicapped Car (Copyright Beni Bischof/Kommunale Galerie Berlin)

Umstritten: Die Hochhäuser in Darmstadt Kranichstein (Foto: Julius Reinsberg)

Die Eiger-Nordwand steht in Darmstadt

1968 legte man in Darmstadt den Grundstein für eine der letzten großen Trabantenstädte der Bundesrepublik. Die Siedlung „Neu-Kranichstein“ nach Plänen Ernst Mays sollte mit Wohnhochhäusern vor den Toren der Stadt 18 000 Wohneinheiten schaffen. Nun feiert sie ihren 50. Geburtstag und kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken.

Wurden die Pläne bei der ersten Präsentation durch Ernst May 1965 noch hochgelobt, machte sich bald Kritik breit. Zwar wurde der erste Bauabschnitt der Wohnsiedlung in Rekordzeit gebaut, die Einrichtung der nötigen Infrastruktur ließ dagegen auf sich warten. Besonders die „Eiger-Nordwand“, ein 12-stöckiges Hochhaus mit einer Länge von 175 Metern, fand außerdem wenig Fürsprecher in der Bevölkerung. Noch während der Bauarbeiten schlug die Stimmung zu Ungunsten der Planung um. Realisiert wurde schließlich nur der erste Bauabschnitt, bevor der Planungsprozess von Neuem begann. Jahrzehntelang haftete dem Stadtteil das Image verfehlter Stadtplanung sowie eines sozialen Brennpunkts an. Zum Jubiläum kann sich Kranichstein jedoch wachsender Beliebtheit erfreuen. Der Stadtteil gilt als multikulturell, ist gut an die Darmstädter Innenstadt angebunden und – dies geht auf die Maysche Planung zurück – in eine Parklandschaft eingebettet. mR gratuliert herzlich! (jr, 17.2.18)

„Eiger-Nordwand“, Darmstadt-Kranichstein (Bild: Julius Reinsberg)