Telefonzellen im Sommerloch?

Wien-Essling, Telefonzelle in der Esslinger Hauptstraße, 1979 (Bild: TARS631, gemeinfrei)
Was der Wiener – hier ein Blick in die Esslinger Hauptstraße – so brauchte, fand er 1979 auf einem Fleck: einen Abfalleimer, eine Tramhaltestelle und eine Telefonzelle (Bild: TARS631, gemeinfrei, 1979)

Heute ist jeder jederzeit per Handy erreichbar – vorausgesetzt er hat Empfang und der Akku spielt mit. Die Alternative, das gute alte Telefonhäuschen, macht sich zunehmend rar. In Österreich wollte man dem Sterben der „öffentlichen Sprechstellen“ entgegenwirken und verpflichtete die heute mehrheitlich privatwirtschaftlich getragene A1 Telekom per „Universaldienstverordnung“ (UDV) dazu, die Zahl der Stationen von 1999 beizubehalten.

In den letzten Monaten jedoch verdichtet sich für viele Österreicher der Eindruck, dass sich die Telefonzellen zunehmend rar machen. Um dem gefühlten Schwund auf den Grund zu gehen, stellten die österreichischen Medien eigene Recherchen an. Grundsätzlich ist die „Regulierungsbehörde“ dafür zuständig, die Einhaltung der UDV zu überwachen. Nur scheint niemand zu wissen (oder es laut sagen zu wollen), wo und wie viele Telefonzellen es 1999 gab bzw. es heute noch gibt. A1 Telekom spricht von ungefähr 14.000 Standorten, aber ihre genaue Lage sei laut Regulierungsbehörde ein „Betriebsgeheimnis“. Es fehlt also der exakte Maßstab, um einen Schwund zu beweisen. Wie praktisch. Bleibt wohl nur, jede verbliebene Sprechstelle mit Wehmut zu grüßen und zu Hause den Handyakku aufzuladen. (kb, 25.9.16)

Flugzeughangar im Sonderangebot

Eschborn, Flugzeughangar (Bild: Willow, CC BY-SA 3.0)
Der denkmalgeschützte Flugzeughangar nahe Eschborn verfällt seit über 20 Jahren. (Bild: Willow, CC BY SA 3.0)

Der Frankfurter Flughafen ist als ziviles Drehkreuz weltbekannt. Einst gab es nahe der Stadt aber auch einen Militärflugplatz: Vier Flugzeughallen wurden Ende der 1930er-Jahre im nordwestlichen Eschborn gebaut, hier wurden bis 1941 Lastensegler der Luftwaffe erprobt. Offiziell hieß die Anlage Militärflugplatz Frankfurt-Sossenheim, Tarnname „Schafweide“.

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die US Army das Gelände zunächst als Ausweichflughafen, später wurde eine Überseefunkstelle eingerichtet. 1991 räumten die Amerikaner das Areal, das in Bundesbesitz überging. Seither verfällt es, obwohl der letzte erhaltene Hangar (von ehemals fünf) als technisches Denkmal seit 2010 unter Schutz steht. Ebenfalls seit 2010 versucht die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben bislang vergebens, den Flughafen zu verkaufen. Da sich zu den bisherigen Preisvorstellungen kein Interessent für das ruinöse Gebäudeensemble fand, hat die BImA nun eine Anzeige geschaltet, in der sie den Flughafen ohne Mindestpreis anbietet. Bis zum 6. Januar 2017 können Interessierte ihr Angebot für das 87.150 Quadratmeter große Grundstück abgeben und die geplante Nutzung für den ehemaligen Flughafen angeben. Die Bundesanstalt hat dazu ein Exposé freigeschaltet. Demnach ist eine Vermietung des Areals (aufgrund des Zustands) nicht möglich. Schwieriger als eine Finanzierung scheint zu sein, der BlmA ein akzeptables Nutzungskonzept vorzulegen … (db, 25.9.16)

Neues Bauen: Revision der Sanierung?

Brünn, Villa Tugendhat (Bild: Karelj, GFDL oder CC BY SA 3.0)
Auch die Villa Tugendhat in Brünn unterlag schon vielen Wandlungen (Bild: Karelj, GFDL oder CC BY SA 3.0)

An vielen herausragenden Objekten des Neuen Bauens wie dem Bauhausgebäude Dessau, der Stuttgarter Weißenhofsiedlung oder der Villa Tugendhat in Brünn wurden in den 1970/80er Jahren erste denkmalpflegerisch ambitionierte Sanierungen durchgeführt. Viele beruhten auf Voruntersuchungen, die in das Sanierungskonzept einflossen. Allerdings fehlten oft Erfahrungen mit den Materialien und Konstruktionen der 1920er Jahre. Teilweise ging durch Modernisierungsmaßnahmen Originalsubstanz verloren.

Nun sind auch diese Sanierungen in die Jahre gekommen. Im Mittelpunkt der Tagung „Die Revision der Sanierung? Denkmalpflege in zweiter Generation an Objekten des Neuen Bauens“, die vom 26. bis 28. Oktober 2016 in Stuttgarter Bildungszentrum Hospitalhof stattfindet, steht daher die Frage, inwieweit die Maßnahmen der 1970/80er Jahre heute als erhaltenswerte Zeitschicht zu verstehen sind. Die Strategien des Umgangs mit diesen jüngeren Schichten sollen an wichtigen Bauten der Moderne im In- und Ausland vorgestellt und diskutiert werden. Als Veranstalter haben sich das Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, die Kantonale Denkmalpflege, Zürich, die Hochschule Konstanz, Technik, Wirtschaft und Gestaltung, die Wüstenrot Stiftung und die Landeshauptstadt Stuttgart, Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung, Sachgebiet Untere Denkmalschutzbehörde zusammengetan. Anmeldungen werden noch bis zum 5. Oktober entgegengenommen. (kb, 24.9.16)

Zwickau: Rettung für Lebensbaum

Zwickau, Lebensbaum im "Aktivist" (Bild: Bastian Dämmler)
Der Mensch im Sozialismus: Edgar Kliers Lebensbaum soll geborgen werden. (Bild: Bastian Dämmler/Industriekultur Ost)

Der VEB Strickwarenmode „Aktivist“ überlebte die DDR nur kurz: Seit den 1990ern verfallen die Betriebsgebäude in Zwickau-Planitz, einige sind bereits abgerissen. 2017 sollen die letzten Bauten mithilfe staatlicher Fördergelder verschwinden, darunter der Speisesaal der Betriebskantine. Mit ihm droht ein zwölf Meter langes Stück DDR-Kunst zu verschwinden: In den 1980ern wurde hier der Lebensbaum des Zwickauer Künstlers Edgar Klier (1925-2015) angebracht. Das Keramik-Relief bildet den Ablauf eines sozialistischen Werdegangs nach: Links wird die junge Liebe dargestellt, die Mitte beherrscht das Arbeitsleben, die Kacheln rechts sind Familie und Alter gewidmet.

Der Lebensbaum die Jahre des Leerstands arg geschunden überdauert – und bleibt wohl erhalten: Die Kacheln sollen geborgen werden. „Für den Eigentumserwerb laufen noch Abstimmungen mit dem Freistaat Sachsen und dem Fördermittelgeber“, sagte Heike Reinke von der Pressestelle des Rathauses der Freien Presse Zwickau. Abbau und Reinigung des Kunstwerkes kosten vermutlich rund 8000 Euro. Die Stadt verhandelt mit der Sächsischen Aufbaubank, ob dies über Fördermittel finanziert werden kann. Wie Reinke sagte, gebe es parallel Gespräche mit den Geschäftsführern der Gesellschaft für intelligente Infrastruktur Zwickau (GIIZ). Die Idee: Das Wandbild könnte im Gebäude des Erlenbades wieder angebracht werden. (db, 23.9.16)

Im Generalstabsgebäude Landau

Landau, Generalstabsgebäude (Foto: Thomas Holch)
Soll zu Wohnungen umgenutzt werden: das  Generalstabsgebäude Landau (Foto: T. Holch)

Das Generalstabsgebäude in Landau, ein in den frühen 1950er Jahren entstandener Verwaltungsbau der französischen Besatzungsarmee am Rande des Stadtentwicklungsgeländes der Landesgartenschau 2015, wird gerade zu Wohnungen umgebaut. Unter dem neuen Namen „Philosphengärten“ möchte Thorsten Holch, Investor und selbst Architekt, hochwertigen Wohnungsbau in die inzwischen denkmalgeschützte Substanz einbinden. Großzügige Balkone für moderne Wohnansprüche und der Erhalt einer Verwaltungsarchitektur der Nachkriegszeit – geht das zusammen? Tiefgarage, Energieeffizienz, Aufzug und lichte Wohnungen unter dem Dach – das alles gilt es, im Einklang mit den denkmalpflegerischen Anforderungen umzusetzen.

Unmittelbar vor der Fertigstellung macht die Reihe „Ortsgespräche“ zu ihrer fünften Ausgabe am 30. September 2016 um 17 Uhr in Landau Station. Diesmal stehen Rundgang und Diskussionsrunde im Zeichen von Konversion, Nachkriegsmoderne und moderner Wohnnutzung. Die Denkmalpflege und Architekten stellen das Projekt vor, es folgt die vom renommierten Architekturkritiker Dr. Wolfgang Bachmann moderierte Gesprächsrunde Mit der Landeskonservatorin Dr. Roswitha Kaiser, dem Landauer Oberbürgermeister Thomas Hirsch sowie dem Architekten und Investor Thorsten Holch. Die Reihe „Ortsgespräche“ wird von der Architektenkammer Rheinland-Pfalz und der Generaldirektion Kulturelles Erbe gemeinsam durchgeführt. Kurzentschlossene können sich noch bis zum 27. September anmelden unter Fax (06131/2016-222) und Mail (anmeldung@gdke.rlp.de). (kb, 22.9.16)

Sterne im Druck

griff-nach-den-sternen-vorderdeckelAls bundesweit beachtetes Modellprojekt entstand auf hannoverschen Reißbrettern eine Großwohnsiedlung für 10.000 Menschen: Auf der Horst. Sie sollte die Landeshauptstadt um einen weiteren Stadtteil vergrößern, gab stattdessen aber den Anstoß zur Entstehung der heutigen Stadt Garbsen. Rund um die gleichnamige Ausstellung des Stadtarchivs Garbsen beschreibt „Der Griff nach den Sternen“ die Geschichte der Horst von der Schafweide zur lebendigen bunten Heimat für heute rund 7.600 Menschen aus 76 Nationen.

Mit Beiträgen unter anderem über die alte Geschichte des Gebiets, die Einordnung des Siedlungsbaus in die Planungsgeschichte des Großraums Hannover und den Umgang des Stadtteils mit dem verheerenden Brand bei der Willehadikirche. Endlich liegt die spannende Geschichte des Garbsener Stadtteils als Buch vor, mit Texte von Jutta Grätz, Markus Holz, Axel Priebs und Rose Scholl und illustriert mit zahlreichen, teils bisher unveröffentlichten Aufnahmen namhafter Fotografen wie Wilhelm Hauschild und Rudolf Guthmann. Im Begleitprogramm zum Neuerscheinen des Buchs sind in Garbsen u. a. ein Vortrag, ein Stadtrundgang und ein „Bilderkino“ vorgesehen. (kb, 22.9.16)

Priebs, Axel/Scholl, Rose (Hg.), Der Griff nach den Sternen. Geschichte und Gegenwart des Garbsener Stadtteils Auf der Horst (Stadt- und Regionalforschung 12), hg. im Auftrag der Region Hannover und der Stadt Garbsen, LIT-Verlag, Münster in Westfalen 2016, broschiert, 192 Seiten, 28 x 22,5 cm, ISBN 978-3-643-13515-5.

Mehr historische Bilder und Informationen zu Garbsen finden Sie auch hier auf moderneREGIONAL!

Friedrich Kiesler. Lebenswelten

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Kieslers Modell für die Raumstadt wurde für die Ausstellung rekonstruiert (Bild: (C) MAK/Georg Mayer)

Bodenständigkeit hatte keinen Platz im Lebenswerk des austro-amerikanischen Architekten, Designers, Künstlers und Bühnenbildners Friedrich Kiesler (1890-1965). Die Architektur der Zukunft sollte sich nach Meinung des in Czernowitz geborenen Utopisten vielmehr von der Erde lösen und im freien Raum schweben. Diese Vision konkretisierte Kiesler 1925 auf der Pariser Exposition internationale des Arts Décoratifs et industriels modernes. Hier präsentierte er mit der abstrakten „Raumstadt“ eine Vision der Metropole der Zukunft, die den Boden nicht mehr berührte. Die Ausstellung „Friedrich Kiesler. Lebenswelten“ im Wiener MAK stellt das Lebenswerk des avantgardistischen Künstlers vor und hat auch das legendäre Modell rekonstruiert.

1908 begann Kiesler ein Studium der Architektur und Malerei in Wien, das er jedoch nie abschloss. Dennoch feierte er mit hochmodernen Ausstellungs- und Theaterprojekten in Wien, Berlin und Paris große Erfolge. 1926 siedelte er nach New York über. Auch hier machte er sich mit originellen Raumgestaltungen einen Namen, etwa mit neuartigen Museumskonzepten, welche die Barriere zwischen Kunstwerk und Besucher weitgehend einreißen sollten. Die Ausstellung macht auch diese Konzepte erlebbar und ist noch bis zum 2. Oktober 2016 zu sehen. (jr, 23.9.16)