Eine Idee für die Glasfabrik?

Die Glasfabrik Leipzig ist ein Ort steter Veränderung: von der gründerzeitlichen Maschinenfabrik über den Volkseigenen Betrieb zum langjährigen Leerstand nach der Wende. In den letzten Jahren rückte das Industriedenkmal im Stadtteil Leutzsch wieder näher an das Zentrum der wachsenden Landeshauptstadt. Angestoßen von einem Bündnis der neuen Eigentümer mit Kulturschaffenden, soll sich hier nun ein gemeinschaftlich genutzter Standort für künstlerische wie wissenschaftliche Aktivitäten entwickeln. Hier sollen Themen wie Urbanismus, nachhaltige Stadtentwicklung, Kunst und Ökologie ihren Raum finden.

Vor diesem Hintergrund sucht das zehntägige Festival „STADT/TT FINDEN“ nun Teams, die ihre Projektidee zum Thema der Wachsenden Stadt entwickeln und vor Ort umsetzen. Objekte, Performances oder Utopien sind mögliche. Beiträge lokaler wie internationaler Referenten, Workshops und kulturelle Events erweitern das Programm. Das Festival bildet so den inhaltlichen Auftakt zur langfristigen Entwicklung der Glasfabrik. All dies soll „interdisziplinär, kooperativ und experimentell“ erfolgen. Ort ist die Glasfabrik, eine Leipziger Institution in Gründung für künstlerische wie wissenschaftliche Auseinandersetzung mit urbanistischen Themen. Die Spielzeit wird zwischen dem 1. und 9. September 2017 liegen, Bewerbungen (Projektskizze, Material- und Kostenschätzung, Technik- und Materialbedarf, benötigter Unterstützung, Kontaktdaten u. a.) sind bis zum 15. Mai möglich unter: call@glasfabrik.org. (kb, 23.4.17)

Die futuristische Rettungsstation auf Rügen ist einer der bekanntesten Bauten Müthers (Bild: Kra)

Müther-Nachlass wird erschlossen

Eine gute Nachricht für alle Wissenschaftler, die sich mit der Ostmoderne beschäftigen: der umfangreiche Nachlass des Architekten und Bauingenieurs Ulrich Müther wird erschlossen. Im Rahmen des Verbundprojekts „Sonderbauten der DDR-Moderne“ wollen die Hochschule Wismar und die Berliner Akademie der Künste ein eigenes Architekturarchiv aufbauen. Zu den umfangreichen Beständen des Nachlasses gehören Architekturpläne, Akten, Modelle und Fotografien sowie Mobiliar und diverse technische Geräte aus dem Büro Ulrich Müthers – darunter der originale Robotron-Computer des Architekten! Den Wert dieses architekturhistorischen Schatzes hat auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung erkannt, dass das Projekt mit rund 470.000 Euro fördert.

Müther machte besonders mit seinen schwungvollen Schalenbauten von sich reden. Mit der Rettungswache in Binz, dem Berliner Ahornblatt und der Magdeburger Hyparschale plante er ikonische Bauten der DDR. Der Nachlass befindet sich bereits seit 2006 im Besitz der Hochschule Wismar, konnte aber bislang nicht systematisch erfasst werden. Das nun angestoßene Projekt soll die Grundlage für das erste Architekturarchiv der Moderne in Mecklenburg-Vorpommern schaffen. (jr, 22.4.17)

Rügen, Rettungsstation (Bild: PD)

Löhma-Munschwitz, ehem. Kneipp-Sanatorium (Bild: NoRud, CC BY-SA 4.0)

Keine Zukunft fürs Sanatorium

Seit 21 Jahren steht es leer, nun scheinen die Tage des Sanatoriums in Leutenberg-Löhma gezählt. Die Thüringer Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) als Eigentümerin des 1958-60 errichteten Gebäudekomplexes hielt diesen lange, auf eine Neunutzung hoffend, in Schuss. Es gab auch Interessenten: So einen Herrn aus einem westlichen Nachbarland, der bei einer Versteigerung den Zuschlag erhielt, leider aber den Kaufpreis zu zahlen vergaß. Der Kaufvertrag wurde „rückabgewickelt“. Seit Wasser- und Stromversorgung des abgelegenen Gebäudes gekappt wurden, sind die Hürden für potenzielle Nutzer immens: Rund eine halbe Million Euro würde es kosten, das Areal wieder an die Energie- und Wasserversorgung anzuschließen. Dagegen wirkt der noch immer aufgerufene Kaufpreis von 65.000 Euro bescheiden.

Der Grund, warum jahrelang in die Instandhaltung investiert wurde: Im Abrissfall wäre das Grundstück nicht zu verwerten, nach heutiger Gesetzeslage dürfte hier nicht mehr gebaut werden. Nachdem immer wieder Interessenten abrückten, scheint die LEG aufgegeben zu haben: Mittlerweile verfällt der Bau, der noch über etliche Ausstattungsdetails der 1950er Jahre verfügt, zusehends. Nun lässt man eine Kostenschätzung für zwei Varianten erstellen: entweder Teilabriss bis auf die Grundmauern oder Total-Beräumung. Wenn nicht noch plötzlich jemand sein Portemonnaie öffnet, sind die Tage des Ostmoderne-Baus gezählt. (db, 21.4.17)

Löhma, Kneipp-Sanatorium (Bild: NoRud, CC BY SA 4.0)

Heidelberg, HeidelbergCement-Firmensitz in der Berliner Straße, 2013 (Bild: Rudolf Stricker, via wikimedia.commons)

HeidelbergCement baut neuen Firmensitz

Das Produkt und die damit verbundene Firma hat sich seit 1873/74 einen, wenn auch wechselnden Namen gemacht: Aus dem Portland-Cement-Werk Heidelberg wurde die internationale Marke HeidelbergCement. 1963 ließ sich das gerade zu neuem Wachstum ansetzende Unternehmen am Stadtrand vom Münchener Architekten Josef Wiedemann (1910-2001) einen neuen repräsentativen Firmensitz errichteten. Leicht von der Straße zurückgesetzt, bot der fünfgeschossige Büroriegel viel Raum für das ein oder andere kundenwirksame Betonexperiment – vom künstlerisch eingefassten Betonglas bis zum Pavillon mit Betonfaltdach.

Gut 50 Jahre später plant HeidelbergCement auf diesem Gelände einen Neubau – unter Niederlegung der bisherigen Bauten, darunter der Büroriegel und der Pavillon. Gegenüber der Rhein-Neckar-Zeitung erklärte die Stadtverwaltung: „Der Pavillon auf dem Anwesen Berliner Straße 6 wurde Ende 2009 durch das Landesamt für Denkmalpflege als nur ‚erhaltenswert‘, nicht aber als denkmalwertig eingestuft“. Demnach galt für beide Bauten kein Denkmalschutz, wenn man in dieser Formulierung auch dem Pavillon eine (sprachliche) Wertschätzung angedeihen ließ. Büroriegel und Pavillon wurden vor wenigen Wochen niedergelegt, für die gefällten Bäume ist eine Ersatzpflanzung vorgesehen. Dass der neue Firmensitz vom Büro Albert Speer Junior gestaltet wird, lässt zumindest gestalterisch hoffen. (kb, 20.4.17)

Heidelberg, Firmensitz von HeidelbergCement in der Berliner Straße, vor dem Abriss (Bild: Rudolf Stricker, wikmedia-commons, 2013)

Dresden, Hochhaus Schokopack 1997 (Bild: S.J., gemeinfrei)

Neue Nutzung fürs Schokopack

Beachtliche 27 Jahre Leerstand haben ihm keine irreparablen Schäden zugefügt, und nun sieht es so aus, als ziehe tatsächlich wieder Leben ein ins „Schokopack“-Hochhaus. Der 1957-63 errichtete Bau gilt als Dresdens erstes Betonskelett-Hochhaus. Interessanterweise wurde das Wahrzeichen des einstigen „VEB Verpackungsmaschinenbau Dresden“ ab 1957 konsequent im International Style erbaut (Architekt: Johannes Junghans). Seit der Auflösung des Kombinats 1990 liegt die gesamte Anlage brach und verfällt, auch wenn das Hochhaus seit 2008 unter Denkmalschutz steht. Zuletzt wurde es regelmäßig mit rechts- wie linksradikalen Parolen beschriftet. Ein Investor wollte ab 2011 in dem Bau Altenwohnungen und Arztpraxen einrichten, wegen der Nähe zum Industriegebiet willigte die Stadt letztlich nicht ein.

Nun wechselte die Immobilie ein weiteres Mal den Besitzer: Die Bielefelder Intelligence AG erwarb das ramponierte Hochhaus und ließ bereits die Außenanlagen bereinigen. Das expandierende IT-Unternehmen will im DDR-Denkmal ein Dienstleistungszentrum einrichten, hinzu kommen Kantine, Fitnessstudio und ein Park. Man hofft, hier bis zu 550 Büro-Arbeitsplätze zu schaffen; das Investitionsvolumen beträgt 20 Millionen Euro. Die Sanierung wird durch den bisherigen Investor betreut und soll im Herbst 2018 abgeschlossen sein. (db, 20.4.17)

VEB Schokopack Dresden (Bild: S. J., gemeinfrei, Detail)

Szene aus „Heimat – Deine Lieder“ (P. May, 1959) mit der Schauspielerin S. Bethmann (Bild: Divina-Farbfilm, Gloria-Filmverleih)

Denkmalpflege mit gewissen Vorzügen

Es ist ein böses (böses!) Vorurteil, dass der typische Denkmalpfleger (und natürlich *in) nach Dienstschluss sein Cordsakko über den Empirestuhl wirft, um ein Natursauerteigbrot im selbstgeformten Lehmbackofen zu fertigen. Egal wie, besagter Fachkollege hat inzwischen mit Sicherheit Internet, ebenso wie seine Klientel – vom Fachwerkhäusler bis zum Lofthipster. Und aus eben diesen Gründen ist es überfällig, dass sich die Denkmalpflege auch der virtuellen Welt annimmt. Das Niedersächsische Landesamt geht hier gerade, auch mit Blick auf die anstehende Jahrestagung der Landesdenkmalpfleger in Oldenburg, einen großen Schritt in Richtung Zukunft.

Seit einigen Wochen ist der offizielle Blog „OLD News“ online. Stefan Winghart, Präsident des besagten Landesamts, bringt es in seinem begrüßenden Post auf den Punkt: „Vorwort zu einem Blog: Ich habe in inzwischen mehr als 38 Dienstjahren schon vieles geschrieben, aber das noch nicht.“ In seiner Folge werden Grundsatzfragen beantwortet („Hilfe, ich lebe im Denkmal!“), aber auch die urbane Seite Oldenburgs (Daniel Furhop) oder die cineastische Vergangenheit eines modernen Heidedörfchens beleuchtet. Reinschauen lohnt also – wir werden es jedenfalls regelmäßig tun! (kb, 19.4.17)

Szene des – in einem moderne Heide-Feriendörfchen gedrehten – Films „Heimat – Deine Lieder“ (P. May, 1959) mit der Schauspielerin S. Bethmann (Bild: Divina-Farbfilm, Gloria-Filmverleih): Online gibt es den Film HIER anzuschauen.

Josep Renau, Entwurf zum Erfurter Wandbild (Detail), 1982, Mischtechnik auf Holz (Bild: © Stadtverwaltung Erfurt/D. Urban)

Die Rückkehr eines Wandbilds

Überall fallen künstlerische Zeugnisse der Ostmoderne. Überall? Nein, Erfurt … Bis zum Sommer 2017 lässt die Stadt das 6 x 28 Meter große Glaskeramik-Wandmosaik „Die Beziehung des Menschen zu Natur und Technik“ von Josep Renau (1907-82) restaurieren. Der bis 1976 in der DDR ansässige spanische Künstler schuf das monumentale Werk für das ehemalige Kultur- und Freizeitzentrum in Erfurt. Seine Beauftragung zog sich von 1975 bis 1980 hin, die Einweihung erfolgte 1984.

2008 wurde das Wandbild am Moskauer Platz in Erfurt unter Denkmalschutz gestellt. Als das leerstehende Kultur-und Freizeitzentrum abgerissen werden sollte, wurde das monumentale Kunstwerk 2012 abgenommen und eingelagert. Nun kehrt es, in einer konzertierten Aktion von Stadt, Kulturdirektion, Wüstenrot Stiftung, Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie und „bürgerschaftlichem Engagement“, an seinen alten Ort zurück. Zu diesem Anlass werden aktuell im Grafikkabinett des Angermuseums (Anger 18, 99084 Erfurt) Studien, Entwürfe, Fotodokumente und der maßstäbliche Karton zum Wandbild präsentiert. Die Ausstellung „Josep Renau und sein Erfurter Wandbild“ ist noch bis zum 28. Mai 2017 zu sehen. (kb, 18.4.17)

Titelmotiv: Josep Renau, Entwurf zum Erfurter Wandbild (Detail), 1982, Mischtechnik auf Holz (Bild: © Stadtverwaltung Erfurt/D. Urban)