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Münster, Pädagogische Akademie (Bruno Lambart, 1958) (Bild: Ausstellung "Nur kein Spektakel. Die Bauten von Bruno Lambart")

A-Z Architekten: Bruno Lambart (1924-2014)

Der Architekt Bruno Lambart und sein Werk stehen beispielhaft für das Öffentliche Bauen im Wandel der Bonner Republik. Seit Beginn der fünfziger Jahre plante und realisierte Lambart rund 540 Projekte im öffentlichen Bauens – darunter zahlreiche Rathäuser, Bürgerzentren, Verwaltungsgebäude, Bauten für Kultur und Freizeit sowie vor allem Schul- und Hochschulbauten. Schon während seiner beruflichen Anfänge nahm er rege an Wettbewerben teil, worauf sich nahezu sein gesamtes Auftragsvolumen gründen sollte. Seine gestalterischen Mittel blieben meist zurückhaltend, dennoch wurde jeder seiner Bauten auf einmalige Weise mit der Landschaft und der gebauten Umgebung verbunden.

Am 19. Juni 2017 finden um 19 Uhr in Münster (Aula am Aasee, Scharnhorststraße 100-116) eine BDA-Abendveranstaltung statt. Auf dem Programm stehen ein Vortrag von Alexandra Apfelbaum „Nur kein Spektakel – Öffentliches Bauen als Kulturbeitrag“ und eine anschließendes Podiumsgespräch mit Wegbegleitern und Freunden Lambarts. Der Abend dient zugleich als Buchvorstellung für die Publikation „Bruno Lambart. Architektur im Wandel der Bonner Republik“. Der Veranstaltungsort, heute Teil der Universität, wurde 1955-58 von Bruno Lambart und Günter Behnisch gebaut. Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei. (kb, 29.5.17)

Münster, Pädagogische Akademie (Bruno Lambart, 1958) (Bild: Ausstellung „Nur kein Spektakel. Die Bauten von Bruno Lambart“)

Chemnitz, Haus der Körperkultur (Bild: Youtube-Still)

Neue Nutzung im Haus für Körperkultur

15 Jahre Leerstand und zunehmender Vandalismus setzten dem einstigen „Haus für Körperkultur“ im Chemnitzer Stadtteil Rabenstein arg zu. Nun werden im denkmalgeschützten Bau Eigentumswohnungen errichtet. Entsprechende Pläne gibt es schon länger, doch langsam scheint Schwung in das Projekt zu kommen: Auf Immobilienseiten sind mittlerweile detaillierte Anzeigen geschaltet, die Straße vorm Portal des Gebäudes ist aufgrund der Baustelle bereits bis voraussichtlich 2018 gesperrt.

Die Neoklassizistische Erholungsanlage am Pelzmühlenteich, bestehend aus dem Kulturpalast und dem Haus der Köperkultur als Gegenstück, wurde 1949 bis 51 auf Initiative der Sowjets und der Wismut AG errichtet. Ausführende Architekten waren Kurt Ritter, Adam Burger und Joachim Rackwitz. Der Kulturpalast in Chemnitz war im Übrigen der erste seiner Art in der DDR. Das Haus für Körperkultur wurde 1967 der Stadt übergeben, die es als „Sport- und Freizeitcenter Siegmar“ bis 2002 nutzte. Sinkende Besucherzahlen und schon damals hoher Sanierungsbedarf waren Anlass für die Schließung. (db, 29.5.17)

Chemnitz, Haus der Körperkultur (Bild: Youtube-Still)

STAEDELxTRINKHALLE (Bild: Städel, Frankfurt am Main)

#STAEDELxTRINKHALLE

Gotha, Pero-Werk (Bild: Jan Knobel)

Industriekultur in Thüringen

Im Europäischen Kulturerbejahr „Sharing Heritage“ widmet sich das Thüringer Themenjahr „Industrialisierung und soziale Bewegungen“ 2018 – pünktlich zum 200. Geburtstag von Karl Marx – dem Industriellen Erbe. Zwölf Referenten aus sechs Bundesländern kommen im Vorfeld nach Erfurt und Arnstadt. Das Symposion „Industriekultur in Thüringen“ findet vom 12. bis 13. Juni 2017 im Milchhof Arnstadt (Quenselstraße 16, 99310 Arnstadt) statt. Auf dem Programm stehen geführte Tagestouren ebenso wie Vorträge und Workshops. Die Elemente der Veranstaltung sind teils öffentlich, teils nur gegen Voranmeldung zu besuchen.

Da Symposion will auch für Thüringen eine „Straße der Industriekultur“ in Angriff nehmen und diese in das europäische Netzwerk der „European Route of Industrial Heritage“ einfügen. Zugleich geht es darum, das Bewusstsein um die Bedeutung des baulichen und technischen industriellen Erbes in Thüringen zu schärfen. Geplant sind fünf Themenschwerpunkte: Erfahrungen in anderen europäischen Regionen, die Lebensqualität in den Städte, das urbane Nebeneinander von Wohnen, Gewerbe, Handel und Erholung, die Einbeziehung der Unternehmen vor Ort sowie die Umlenkung der öffentlichen Mittel weg vom Abriss hin zur Erhalts- bzw. Notsicherung. (kb, 27.5.17)

Roes, Schwanenkirche, 2014 (Bild: RomkeHoekstra, CC BY SA 4.0)

Trier: Dombaumeister gestorben

Wer im 20. Jahrhundert moderne Kirchen baute, noch dazu katholische Kirchen, der konnte sich vor dem Kölner Architekten Dominikus Böhm nicht oft und nicht tief genug verbeugen. Karl Peter Böhr (* 1925) erwies Böhm, seinem „Lehrmeister“, in der Voreifel seine Reverenz. In Roes baute der Trierer Architekt kurz nach dem Krieg die sog. Schwanenkirche in der schönsten Böhm’schen Expressionistengotik. Damit ersetzte er 1952 einen mittelalterlichen Vorgängerbau. Doch auch unmissverständlich nachkriegsmoderne Kirchen – von der Zeltkonstruktion über den Brutalismusbau bis zur Postmoderne – wurden nach seinen Entwürfen errichtet: z. B. St. Simeon  (1966), St. Agritius (1971) oder die Maria-Hilf-Kapelle (1990), alle drei in Trier.

1987/88 erhielt Karl Peter Böhr den Titel des Dombaumeisters. Zuletzt wurde ihm die Ehre zuteil, das traditionsreiche Apostelgrab in der Trierer Basilika St. Matthias neu zu gestalten. Wie Mitte Mai bekannt wurde, starb Böhr am 27. April im Alter von 91 Jahren. Das Requiem für den Verstorbenen wurde am 19. Mai in Trier in St. Matthias begangen. Die Frage, wie sein bauliches Erbe überdauern wird, ist gerade hochaktuell: Seine betonbrutalistische Kirche St. Simeon in Trier-West soll zum Kunstmagazin des Bistums umfunktioniert werden. (kb, 24.5.17)

Roes, Schwanenkirche, 2014 (Bild: RomkeHoekstra, CC BY SA 4.0)

Bremen-Neue_Vahr, Bild Pilot71, CC-BY-SA 3.0

60 Jahre Neue Vahr

Sie war eines der Vorzeigeprojekte des bundesdeutschen Wohnungsbaus: die Großsiedlung Neue Vahr bei Bremen. 1957 wurde nahe der Hansestadt auf der grünen Wiese der Grundstein für die Trabantenstadt gelegt, die rund 30 000 Menschen Wohnraum bieten sollte. Für die Planung zeichneten die Architekten Ernst May, Max Säume, Günther Hafemann und Hans Bernhard Reichow verantwortlich. 2004 fungierte die Siedlung als Namenspatron für den Roman „Neue Vahr Süd“ von Sven Regener und konnte sich erneut bundesweiter Prominenz erfreuen. Nun begeht sie ihren 60. Geburtstag – wir gratulieren!

Die Siedlung vereint die Grundsätze des organischen Städtebaus, der Gartenstadt und der autogerechten Planungen der 1960er. Sie wird von einer kreuzungsfreien Schnellstraße geteilt, die sie mit Bremen verbindet und ist in fünf Nachbarschaften untergliedert.  Diese setzen sich aus unterschiedlichen Typen flachgedeckter, durchgrünter Wohnzeilen zusammen. Mit dem künstlich angelegten Vahrer See und einem Grünflächenband verfügt die Neue Vahr über ein eigenes Naherholungsgebiet. Das Zentrum der Siedlung wird durch ein 22-stöckiges Hochhaus von Alvar Aalto markiert. (jr, 25.5.17)

Bremen, Neue Vahr (Bild: Pilot71, CC BY SA 3.0)

München, Haus der Kunst, 2014 (Bild: M(e)ister Eiskalt, CC BBY SA 4.0)

Schweres Erbe?

Manches Erbe wird als Last empfunden, hält es doch die Erinnerung an Geschichte(n) wach, die man eigentlich lieber vergessen würde. Besonders gilt das für die Hinterlassenschaften des Dritten Reiches – gleich, ob es um Repräsentationsbauten des Regimes geht oder um verschwindende Spuren ihres Terrors. Wie aufwühlend die Fragen nach einem angemessenen Umgang sind, zeigen aktuelle Debatten: die um die Sanierung des Hauses der Kunst in München durch David Chipperfield Architects zum Beispiel. In Mainz wurde gerade der Wettbewerb zur Gestaltung eines Gedenkortes „Deportationsrampe“ entschieden.

Die Hambacher Architekturgespräche bieten jedes Jahr eine Podiumsdiskussion an der Nahtstelle zwischen Architektur und baukulturellem Erbe. In diesem Jahr sprechen die Experten am 1. Juni ab 18 Uhr darüber, ob die Steine oder die Menschen die Verantwortung und wie das Erinnern tragen. Eingeladen wurden der Partner von Chipperfield Architects, der Architekt Martin Reichert, sowie der Architekt Peter Weber, der mit seinem Atelier den Wettbewerb Deportationsrampe Mainz für sich entschieden hat. Mit Ihnen diskutieren Dr. Julia Binder, Stadt- und Regionalsoziologin an der TU Cottbus, Thomas Metz, Generaldirektor der GDKE und Kammerpräsident Gerold Reker. (kb, 24.5.17)

München, Haus der Kunst, 2014 (Bild: M(e)ister Eiskalt, CC BBY SA 4.0)