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Das historische Bauhausgebäude in Dessau (Bild: Mewes)

bauhaus REGIONAL

„Das Bauhaus in der Provinz“ – unter diesem Titel widmet sich am 2. und 3. 11.2017 ein Symposium in Oldenburg dem Bauhaus außerhalb von Weimar, Dessau und Berlin. Die Tagung fragt nach der Wirkung der legendären Kunstschule auf die Region Oldenburg, verfolgt die Biografien einzelner Bauhäusler im Exil und diskutiert die Rezeption der Avantgardeschule nach 1945. Anmelden kann man sich unter der Telefonnummer 04 41- 220 73 44 oder per Email an info(at)landesmuseum-ol.de.

Die Tagung ist Teil des Forschungsprojekts „Das Bauhaus in Oldenburg. Avantgarde in der Provinz“. Es untersucht Kooperations- und Berührungspunkte des Landesmuseums Oldenburg und des Bauhaus sowie das Wirken von vier Bauhäuslern aus Oldenburg und Ostfriesland. Mit Walter Müller-Wulckow, dem Gründungsdirektor des Museums, verfügte das Bauhaus über einen Fürsprecher, der nicht nur seine Ideen in der niedersächsischen Provinz bekannt machte, sondern auch junge Talente aus der Region zu einem Studium an der Kunstschule motivierte. Die Ergebnisse des Forschungsprojekts werden der Öffentlichkeit zum Bauhausjubiläum 2019 in einer Ausstellung und einer begleitenden Publikation präsentiert. (jr, 24.9.17)

Bauhaus, Oldenburg … ähm, natürlich: Dessau (Bild: PD)

Liebe-Deine-Stadt-Museum, Architekt: BeL Sozietät für Architektur, Bauherr: Merlin Bauer, Köln (Fotos: Veit Landwehr)

50 Jahre Kölner Architekturpreis

Er zählt zu den ältesten deutschen Architekturpreisen: 2017 feiert der Kölner Architekturpreis sein 50-jähriges Bestehen und wurde gerade zum dreizehnten Mal verliehen. Im Blick der Jury sind vorbildliche Bauwerke (Neubau, Umbau, Ausbau), städtebauliche Anlagen, Freianlagen und Interventionen im öffentlichen Raum in Köln und Umgebung. Die Auszeichnung will dazu beitragen, das öffentliche Bewusstsein für Baukultur zu schärfen und die kulturelle Relevanz des Planens und Bauens zu verdeutlichen.

Gestern wurden die Preisträger 2017 bekanntgegeben. Darunter Neubauten wie das Erzbischöfliche Berufskolleg in Köln-Sülz (3pass Architekt/innen, Kusch Mayerle BDA), das :envihab – Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin (Glass Kramer Löbbert Architekten mit Prof. Uta Graff) oder die Neuordnung östliche Domumgebung Köln (Allmann Sattler Wappner Architekten) – und das mobile Liebe-Deine-Stadt-Museum, entworfen von BeL Sozietät für Architektur. Gelobt wird der mobile Pavillon für seine „Belebung des Stadtbildes“, die „feingliederigen Kolonaden und die Leichtigkeit der Überdachung“. Die Initiative „Liebe Deine Stadt“ wärmt seit Jahren das Herz der Kölner für ihre Nachkriegsbauten. Zum runden Geburtstag des Architekturpreises ist zudem eine Ausstellung erstellt worden. Zu sehen ist die Präsentation noch bis zum 27. September täglich von 11 bis 18 Uhr im Kölnischen Kunstverein (Hahnenstraße 6, 50667 Köln), der Eintritt ist frei. (kb, 23.9.17)

Liebe-Deine-Stadt-Museum, Architekt: BeL Sozietät für Architektur, Bauherr: Merlin Bauer, Köln (Fotos: Veit Landwehr)

Offenburg, Sparkasse (Bild: Daniel Bartetzko)

Abräumen in Offenburg

Die derzeitige Hauptargumentation für flächendeckende Abrisse ist ja, dass man einen geschlossenen Block „der Öffentlichkeit zurückgeben“ wolle. Statt Randbebauung gibt’s dann Passagen oder kleine Straßen mittendurch – was ja auch nicht die schlechteste Idee ist. In Offenburg macht es derzeit die Sparkasse vor: Hier fällt derzeit die alte Zentrale inklusive mehrerer Wohn- und Geschäftshäuser und eines Garagenhofs. Die gründerzeitliche Stadthalle, die ebenfalls auf dem Areal steht, bleibt (nach Bürgerprotesten) vom Komplettabriss verschont, wird aber völlig umgestaltet und teils neu gebaut. Auf dem 12.500 Quadratmeter großen Gesamtareal wird das Rée-Karré entstehen, das auch eine Erweiterung der angerenzenden Fußgängerzone sein soll.

Die Planung hat das Darmstädter Büro Kramm & Strigl übernommen, es werden „die üblichen Verdächtigen“ errichtet: ein Mix aus Wohnen, Büros und Geschäften. Farblich in ocker und beige gehalten, aufgelockert durch gezackte Dächer. Als Investor tritt die der Halaba angegliederte OFB Projektentwicklung auf, die als Fertigstellungstermin fürs Rée-Karré das erste Quartal 2019 avisiert hat. Derzeit kann man noch letzte Blicke auf das alte Sparkassen-Gebäude samt begrünter Tiefgarage an der Gustav-Rée-Anlage 1 werfen, das Mitte Juni mit einer Abriss-Party verabschiedet wurde – und (noch) als Beweis dient, dass früher doch manches Besser war…  (db, 22.9.17)

Offenburg, Sparkasse (Bild: Daniel Bartetzko)

Iris Nestler, "Meisterwerke der Glasmalerei des 20. Jahrhunderts in den Rheinlanden" (Bild: Buchcover, B. Kühlen Verlag))

Meisterwerke moderner Glaskunst

Eine besondere Dichte an qualitätvoller Glasmalereien findet sich, wie bereits 2015 von der Kunsthistorikerin Dr. Iris Nestler in ersten Band entfaltet, am Niederrhein. Doch es gibt ebenso herausragende Werke am Mittelrhein, wie beispielsweise die Fenster von Hans Gottfried von Stockhausen in der Liebfrauenkirche Koblenz, Marc Chagall in St. Stephan Mainz, Jacques Le Chevallier in der Liebfrauenkirche Trier oder Emil Kiess in der Trinitatiskirche Mannheim.

Im nun frisch vorliegenden zweiten Band möchten die Autoren wieder einen Bogen über ein ganzes Jahrhundert spannen: 50 Künstler von Melchior Lechter über Jacoba van Heemskerck bis Kim en Joong. Dabei wird deutlich, wie unterschiedlich die Aufträge zwischen historischer und rekonstruierter, moderner und zeitgenössischer Architektur sein können. Und wie kontrastreich die Ergebnisse zwischen Geometrie, Figürlichkeit und Abstraktion ausfallen. Mit Fachbeiträgen von zehn Autoren, großformatigen Farbabbildungen, Literaturverzeichnis und Künstlerbiografien wird nicht nur der aktuelle Stand der Forschung dargelegt. Darüber hinaus soll der Leser dazu angeregt werden, die vorgestellten (vorwiegend) Kirchen mit ihren Kunstwerken selbst aufzusuchen. (kb, 21.9.17)

Iris Nestler (Hg.), Meisterwerke der Glasmalerei des 20. Jahrhunderts in den Rheinlanden, Bd. 2, B. Kühlen Verlag, Mönchengladbach 2017, Festeinband (Hardcover) in Fadenheftung, 24 x 30 cm, 288 Seiten, Farbabbildungen, ISBN 978-3-87448-480-0.

Titelmotiv: Iris Nestler, „Meisterwerke der Glasmalerei des 20. Jahrhunderts in den Rheinlanden“ (Bild: Buchcover, Detail, B. Kühlen Verlag)

M. Schütte-Lihotzky, Porträt von Lino Salini 1927 (© Porträtzeichnung: Lino Salini)

Frau Architekt

Vor mehr als hundert Jahren wurden Frauen erstmals an den Technischen Hochschulen in Deutschland zu diplomierten Architektinnen ausgebildet. In der Folge haben sie – oft mit innovativen Ideen und nicht selten gegen massive Widerstände – maßgebliche Beiträge zur Architektur des 20. und 21. Jahrhunderts geleistet. Wie kaum eine andere Disziplin war Architektur von jeher eine Männerdomäne. Daran hat sich bis heute nur wenig geändert. Seit einigen Jahren jedoch studieren mehr Frauen als Männer an den Architekturhochschulen. Der Trend ist europaweit, in Deutschland mit mehr als 53 Prozent am deutlichsten.

Andererseits gibt es unter den im Beruf tätigen Architekten erst 30,9 Prozent Frauen. Zwar erreichen heute mehr Frauen als früher leitende Positionen als Partnerinnen in Architekturbüros, als Hochschullehrerinnen, als Präsidentinnen von Architektenkammern. An dem Geschlechter-Missverhältnis in der Architektur ändern solche Karrieren dennoch wenig. Die Gründung von Büros, die Besetzung einflussreicher Stellen und Professuren ist noch immer Männersache. Die Ausstellung „Frau Architekt. Seit mehr als 100 Jahren: Frauen im Architektenberuf“ im Deutschen Architekturmuseum (DAM) Frankfurt geht diesem Phänomen nach, zeigt historische und aktuelle Entwicklungen. Die Vernissage findet am 29. September um 19 Uhr statt, im Anschluss ist die Ausstellung bis zum zu sehen 8. März 2018. (kb, 20.9.17)

M. Schütte-Lihotzky, Porträt von Lino Salini 1927 (© Porträtzeichnung: Lino Salini)

Leipzig, Augustusplatz (Bild: Sven Scharr, CC BY SA 3.0)

Stadt-Kultur

Second Cities – das sind laut der neuen Monografie von Thomas Höpel die Städte, die zwar nicht den Status einer Kapitale für sich beanspruchen können, aber als bedeutende Metropolen einen besonderen nationalen Rang inne haben – direkt hinter der Hauptstadt. Im 20. Jahrhundert versuchten entsprechende Städte vermehrt, ihre Bedeutung durch eine spezifische städtische Kulturpolitik zu untermauern. Höpel untersucht fünf solcher Metropolen in vergleichender Perspektive.

Im Einzelnen handelt es sich um Frankfurt am Main, Leipzig, Birmingham, Lyon und Krakau. Die Städte verbindet eine Ausweitung und Differenzierung der kommunalen Kulturpolitik, die stets in enger Wechselwirkung zu (kultur)politischen Entwicklungen auf der nationalen Ebene stand. Das Buch identifiziert die historischen Prozesse, städtischen Protagonisten und staatlichen Akteure, die zur Herausbildung der jeweils spezifischen urbanen Kultur maßgeblich waren. Dabei zeichnen sich neben stadthistorischen Charakteristika auch Gemeinsamkeiten ab, welche die fünf Second Cities über längere Zeiträume und politische Systemgrenzen hinweg verbinden. (jr, 19.9.17)

Höpel, Thomas, Kulturpolitik in Europa im 20. Jahrhundert. Metropolen als Akteure und Orte der Innovation, Wallstein Verlag, Göttingen 2017, ISBN: 978-3-8353-3046-7.

Leipzig, Augustusplatz (Bild: Sven Scharr, CC BY SA 3.0)

Berlin, Haus des Lehrers (Bild: Christian Thiele, CC BY SA 3.0)

Ostmoderne wertschätzen

Einzelne Inkunabeln der Ostmoderne wie das Berliner Haus des Lehrers der stehen bereits unter Denkmalschutz. Weniger prominente Bauten oder gar städtebauliche Ensemble dieser Stilepoche jedoch gehen Gefahr zu verwahrlosen oder abgerissen zu werden. Dabei hat der fächerübergreifende Planungsansatz, der in den Kollektiven der DDR angewandt wurde, (nicht nur) in Berlin sehens- und schätzenswerte Ergebnisse vorzuweisen – so z. B. das Areal zwischen Fernsehturm und Haus des Reisens oder die Quartierentwicklung in Marzahn-Hellersdorf. Zu diesem Thema hat die Podiumsdiskussion „StadtWertSchätzen: Teil III: Ostmoderne wertschätzen“ am 20. September um 19 Uhr in Berlin (Notkapelle/Salon des Refusés, Raum für Architektur und Kunst, In der Prenzlauer Allee 7b/Gartenhaus, 10405 Berlin) Gäste eingeladen.

Gudrun Sack (Netzwerk Architekten für Architekten, AfA), Kerstin Lassnig (Vorstand Berliner Wirtschaftsgespräche), Regula Lüscher (Senatsbaudirektorin), Dr. Jörg Haspel (Direktor des Landesdenkmalamts), Roman Hillmann (Architekturhistoriker), Harald Engler (Stellvertretender Abteilungsleiter Historische Forschungsstelle am IRS Erkner), Martin Maleschka (Architekt Cottbus), Uta Henklein (Landschaftsarchitektin, AfA) und Theresa Keilhacker (Architektin, AfA) diskutieren: Warum ist es heute für die Wissenschaft immer noch so schwierig, Geld und Aufmerksamkeit für die Ostmoderne einzuwerben? Im Anschluss wird eingeladen zur verlängerten Diskussion bei Wein, Wasser und Brezeln. Anmeldungen zur kostenfreien Veranstaltung sind online möglich: www.bwg-ev.net. (kb, 18.9.17)

Berlin, Haus des Lehrers (Bild: Christian Thiele, CC BY SA 3.0)

Kitakyushu_Municipal_Museum_of_Art_(Bild: Wiki591801, CC_By_SA 3.0)

Tokio in Lothringen

Das Centre Pompidou in Metz legt derzeit einen inhaltlichen Schwerpunkt auf Kunst und Kultur Japans. Die Ausstellung Japan-ness. Architecture et urbanisme au Japon depuis 1945 fokussiert die architektonische Nachkriegsmoderne des Landes und zeichnet die japanische Zeitgeschichte in Architektur und Städtebau bis in die Gegenwart nach. Sie  wird ab dem 20. Oktober durch die Sonderausstellung Japanorama flankiert, die sich der japanischen Gegenwartskunst widmet.

Ausgang der Ausstellung Japan-ness ist die unvorstellbare Zerstörung, mit der sich Japans Architekten und Städtebauer 1945 konfrontiert sahen, insbesondere nach der atomaren Zerstörung der Städte Hiroshima und Nagasaki. In der Nachkriegszeit orientierte sich die japanische Architektur eng am Internationalen Stil, skulpturale Betonbauten hielten Einzug und die Ideen Le Corbusiers erfreuten sich hoher Popularität. Spätestens seit der Weltausstellung 1970 in Osaka setzten  japanische Architekten auch international eigene Akzente, so etwa die Metabolisten. Die Ausstellung schließt mit den Werken weltweit gefeierter zeitgenössischer Architekten wie Shigeru Ban, Kengo Kuma und Sou Fujimoto. Sie ist bis zum 8. Januar 2018 zu sehen. (jr, 17.9.17)

Kitakyushu Municipal Museum of Art (Bild: Wiki591801, CC BY SA 3.0)

Albert Speer Jr. 2010 (Bild: Eva K., GFDL 1.2)

Albert Speer Jr. ist gestorben

Noch zum Jahreswechsel 2016/17 hatte der Frankfurter Architekt und Städteplaner Albert Speer Jr., gemeinsam mit Gerhard Brand, die Geschäftsführung seines 170 Mitarbeiter umfassenden Büros „A S + P“ niedergelegt. Geboren wurde er in Berlin am 29. Juli 1934 als Sohn des Architekten und NS-Reichsministers für Bewaffnung und Munition Albert Speer Sr. (1905-81). Zunächst entschied er sich für eine Schreinerlehre, bevor er in München Architektur studierte. Mit dem Jahr 1964 gewann er den ersten Preis für den Ludwigshafener Stadtteil Pfingstweide und gründete sein eigenes Architekturbüro.

In der Folge spezialisierte sich Speer auf den Städtebau: die Diplomatenstadt in Riad (1980), den Leitplan für die Frankfurter Innenstadt (1985), die Expo 2000 und gleich mehrere neue Städte in China. Rund 25 Jahre lehrte er als Professor für Stadt- und Regionalplanung in Kaiserslautern. Speer wurde u. a. mit dem Großen Preis des DAI und der Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt ausgezeichnet. Am Freitagabend verstarb Albert Speer Jr. im Alter von 83 Jahren an den Folgen eines Sturzes in seiner Frankfurter Wohnung. (db, 16.9.17)

Albert Speer Jr. 2010 (Bild: Eva K., GFDL 1.2)

Thermalbad „Grüner Frosch“ (B. Fuchs, 1936) (© Muzeum města Brna)

Bohuslav Fuchs in Berlin

Von ihm stammen so charmante Baukunstwerke wie das tschechische Thermalbad „Grüne Frosch“: Als Architekt, Stadtplaner und Theoretiker machte Bohuslav Fuchs (1895-1972) die Stadt Brünn zu einem Ort des modernen Bauens. In Berlin kommentieren zwölf tschechische und slowakische Architekten unserer Zeit in diesen Tagen ausgewählte funktionalistische Bauten von Fuchs: vom Café Zeman über das Hotel Avion und die Trauerhalle auf dem Brünner Zentralfriedhof bis hin zum Stadtbad Zábrdovice.

Anlass ist eine Ausstellung im Tschechischen Zentrum Berlin (Wilhelmstraße 44, 10117 Berlin), wo zudem historische und aktuelle Fotografien zum Werk von Fuchs präsentiert. Die Vernissage wird am 14. September um 19 Uhr begangen, anschließend ist die Ausstellung „Bohuslav Fuchs – Ein Pionier der modernen Architektur“ bis zum 12. Oktober zu sehen. Das Begleitprogramm umfasst z. B. am 14. September um 18 Uhr den Vortrag „Das architektonische Erbe und der Einfluss von Bohuslav Fuchs“ des Architekten Jan Sapák. Am 28. September wird um 18 Uhr der Preview des Dokumentarfilms „Evropský architekt Bohuslav Fuchs“/“European Architect Bohuslav Fuchs“, dargeboten. Und am 9. Oktober ist um 19 Uhr DokuMontag „Evropský architekt Bohuslav Fuchs“/“European Architect Bohuslav Fuchs“ – und im Anschluss ein Gespräch mit dem Drehbuchautor Martin Polák über den Film und das Erbe von Bohuslav Fuchs heute. (kb, 16.9.17)

Thermalbad „Grüner Frosch“ (B. Fuchs, 1936) (© Muzeum města Brna)