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Siegen, Hochhaus Landesstraßenbauamt (Videostill Youtube)

Landesstraßenbauamt Siegen verkauft

Hat es das Mailänder Pirelli-Hochhaus ins Siegerland verschlagen? Nein – diese Sechziger-Jahre-Perle ist das ehemalige Landesstraßenbauamt in Siegen. 2012 wurde es wegen Schimmelbefall geräumt und steht seitdem leer. Der nordrhein-westfälische Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) wollte sich angesichts Sanierungskosten im Millionenbereich von der Immobilie trennen, Begehrlichkeiten waren schnell geweckt: Das Studentenwerk beabsichtigte, das Hochhaus abreißen zu lassen und an seiner Stelle ein Wohnheim zu errichten. Als das Vorhaben bekannt wurde, wurde das Gebäude 2014 unter Denkmalschutz gestellt. Das Gezerre setzte sich fort, bis weitere Interessenten für den Bau auf den Plan traten: Die Investoren Kenan Dema und Naser Dervishi ersteigerten ihn im Frühjahr 2017 in einem offenen Bieterverfahren, Mitte Juli wurde der Kaufvertrag nun notariell bestätigt.

Damit ist der travertinverkleidete Zwölfgeschosser gerettet: Die neuen Eigner wollen den 1962 nach Plänen von Herbert Kienzler errichteten Bau sanieren. Der Grund für seine Unterschutzstellung ist kurioserweise ein Abriss: Der Landschaftverband Westfalen-Lippe (LWL) hatte ihn 2003 nur deshalb als nicht denkmalwert eingestuft, da es seinerzeit in Siegen noch ein ähnliches Gebäude gab: Das Krupp-Haus im Stadtteil Geisweid. Dieses ist mittlerweile dennoch abgerissen, und so wurde das Kienzler-Haus doch in die Liste aufgenommen. Damit ist zumindest ein Hochhaus der 1960er gesichert, zahlreiche weitere Spätmoderne-Bauten gibt es in Siegen aber noch (wieder-) zu entdecken. (db, 29.7.17)

Ehemaliges Landesstraßenbauamt Siegen (Bild: Youtube-Still)

Enzensberger: Blaupause (Bild: Hanser Verlag)

Bauhaus-Belletristik

Das Bauhaus und seine Akteure waren in den letzten Jahren Gegenstand unzähliger wissenschaftlicher Abhandlungen. Das anstehende 100-jährige Jubiläum im Jahr 2019 lässt einen weiteren Schwung an Fachliteratur erwarten. Das jüngst erschienene Buch „Blaupause“ von Theresia Enzensberger nähert sich der Kunstschule stattdessen von der literarischen Seite und macht Gropius, Meyer und Co zu Romanfiguren.

Hauptfigur und Ich-Erzählerin ist die junge Luise Schilling, die Anfang der 1920er Jahre ein Architekturstudium am Bauhaus in Weimar beginnt. Hier trifft sie auf die abgehobenen Bauhausdirektoren Walter Gropius und Hannes Meyer, die trotz der Modernität der Kunstschule Frauen im Architektenmetier skeptisch gegenüber stehen. Viele ihrer Kommilitonen sind begeisterte Anhänger Johannes Ittens und verehren den Bauhaus-Meister wie einen Guru. Den jungen Bauhäuslern erscheint die von ihm vertretene Mazdaznan-Lehre als ideales spirituelles Gegenstück zu den avantgardistischen Positionen der Kunstschule. Der Roman liefert einen fiktiven, aber gut recherchierten Einblick in den Alltag des Bauhaus und ist als Sommerlektüre absolut empfehlenswert! (jr, 28.7.17)

Enzensberger, Theresia, Blaupause, Hanser Verlag, München 2017, ISBN 978-3-446-25643-9.

Titelmotiv: Buchover (Hanser Verlag)

Erlangen, Freizeitzentrum Frankenhof (Bild: Janericloebe, GFDL oder CC BY SA 3.0)

Erlangen: Hallenbad Frankenhof a. D.

Um es gleich vorweg zu sagen, den Fall haben wir hier leider öfter: steht unter Denkmalschutz, soll abgerissen werden. In diesem speziellen Fall geht es um ein Erlanger Hallenbad, einen Teil des Freizeitzentrums („Jugendzentrum“) Frankenhof, das die Architekten Johannes Ludwig und Werner Wirsing 1963 mit dem örtlichen Stadtbauamt umsetzen konnten. Der ganze Komplex wird gerade ertüchtigt zum „KuBiC – Kultur- und Bildungscampus“ (der alte Name klang irgendwie nach mehr Spaß). Dabei entschied sich die Stadt gegen eine Sanierung und für den Abriss des Hallenbads. Das Geld wolle man lieber in den Hallenbad-Neubau in der Damaschkestraße investieren, so das Argument.

Weniger aus Sorge um die Baukunst, wohl mehr aus Fürsorge für die Schwimmfähigkeiten des Nachwuchses sprach sich der Elternbeirat des Christian-Ernst-Gymnasiums per Petition gegen den Abriss aus. Das neue Hallenbad sei zu weit weg und mit der Zahl junger Erlanger Bürger stiege aktuell auch der Bedarf an „Schwimmplätzen“. Diese Argumente wurden nun im Landtagsausschuss für Kommunale Fragen, Innere Sicherheit und Sport (welch eine Themenkombination) diskutiert und der Abriss für rechtens erklärt. Die Abbrucharbeiten sollen von August bis November erfolgen. Was mit dem dann freiwerdenden Grundstück geschieht, ist noch nicht abschließend geklärt. (kb, 27.7.17)

Erlangen, Freizeitzentrum Frankenhof (Bild; Janericloebe, GFDL oder CC BY SA 3.0)

Arnstadt, Bau von Eigenheimen, 1974 (Foto: Peter Heinz Junge, Bild: Bundesarchiv Bild 183-N0920-0302, CC BY SA 3.0)

Hausaufgaben

Über Jahrzehnte hatten die Deutschen, wenn es ums Wohnen ging, vor allem eins im Sinn: Schnell ins eigene Heim. Generation für Generation ist zumindest den Westdeutschen dieses vermeintlich einzig wahre Wohn-Leitbild eingeimpft worden – von Bausparkassen und Vorabendserien, aber auch durch den Staat, indem er diese Wohnform lange steuerlich begünstigte. Das Ergebnis ist eine unübersehbare Vielzahl von Einfamilienhausgebieten aus den 1950er bis 1970er Jahren in großen und kleinen Kommunen.

Eine neue Studie der „Landesinitiative StadtBauKultur NRW 2020“erhältlich als Gratis-pdf-Download oder per Forumlar als Print bestellbar – zeigt anhand von vier Fallstudien Wege auf, wie bürgerschaftliches Engagement zur zukunftsfähigen Weiterentwicklung alternder Einfamilienhausgebiete beitragen kann. Diese vier Beispiele geben einen Einblick in das Spektrum der Anlässe für bürgerschaftliches Engagement in Einfamilienhausgebieten und zeigen exemplarisch die Bandbreite der Themenfelder und Akteurskonstellationen auf. Ergänzend zu den Fallstudienuntersuchungen wurden Fachgespräche geführt, um die Erkenntnisse aus der beispielhaften Auseinandersetzung in einen breiteren Kontext einzuordnen. Diese Studie zeigt so unterschiedliche Modelle und Ansätze auf, wie Kommunen begleitend und in Kooperation mit dem bürgerschaftlichen Engagement tragfähige Anpassungen alternder Einfamilienhausgebiete angehen können. (kb, 26.7.17)

Gudewer, Stephan u. a., Hausaufgaben – Bürgerschaftliches Engagement in alternden Einfamilienhausgebieten, hg. von der Landesinitiative StadtBauKultur NRW 2020, 2017.

Arnstadt, Bau von Eigenheimen, 1974 (Foto: Peter Heinz Junge, Bild: Bundesarchiv Bild 183-N0920-0302, CC BY SA 3.0)

Matthias Matzak: das neue frankfurt (Bild: Wasmuth Verlag)

Stuttgart am Main

In der Architekturgalerie am Weißenhof in Stuttgart treffen derzeit zwei Spielarten des Wohnungs- und Städtebaus aufeinander. Die Ausstellung „Soziale Stadt im Bild“ stellt aktuellen  Aufnahmen des baulichen Erbes des Neuen Frankfurt historische Bilder des Stuttgarter Nachkriegswohnungsbaus gegenüber. Während die in den 1920er Jahren erbauten Siedlungen der Mainmetropole den Idealen der Gartenstadt verpflichtet sind, zeigen ihre schwäbischen Verwandten das Planungsparadigma der Großwohnsiedlungen der Bundesrepublik auf. Die Schau wirft mit dieser Gegenüberstellung Fragen nach der sozialen Stadt und ihrer Vermittlung auf.

Kern der Ausstellung sind Bilder des Fotografen Matthias Matzak. Seit 2008 widmet er sich dem Neuen Frankfurt und porträtiert dessen Bauten und Planungen. Das umfangreiche Bildarchiv als thematisch sortierter Onlinekatalog im Internet verfügbar. 2014 erschien seine Arbeit erstmals gebündelt in Form eines Bildbandes, der eine Fotoausstellung Matzaks im Deutschen Architekturmuseum flankierte. Die Ausstellung in der Weißenhofgalerie ist noch bis zum 1. Oktober 2017 zu sehen. (jr, 25.7.17)