Frau Architekt wandert

Frauen sind seit über 100 Jahren aktiver Teil des Architekturberufs, doch waren sie dabei lange (fast) unsichtbar. Das möchte die Ausstellung „Frau Architekt“ ändern, indem sie prägende Büropartnerinnen, Baudezernentinnen und Hochschullehrerinnen der Moderne ins Rampenlicht rückt. Eine – wenn auch späte – Ehrenrettung, aber zugleich ein bleibender Ansporn. Denn nur 31 Prozent dieses Berufsstandes (so die Zahlen der Ausstellungsmacher) sind heute Frauen.

Die Schau war 2017 zum ersten Mal erfolgreich zu sehen im Deutschen Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt am Main. Nun bringen Baukultur Nordrhein-Westfalen und die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen „Frau Architekt“ in Kooperation mit dem DAM vom 12. August bis zum 2. Oktober 2020 nach Düsseldorf (Haus der Architekten). Dafür werden Elemente der Frankfurter Ausstellung ergänzt um einen neuen, vom Museum für Baukultur kuratierten NRW-Schwerpunkt: Architektinnen aus der Zeit vom späten Kaiserreich bis in die 1970er Jahre. (kb, 28.7.20)

Lea Grundig: Porträt der Architektin Iris Dullin-Grund, 1969 (Foto: © Privatbesitz)

Behelfsheim

Provisorien sind bekanntlich oft die hartnäckigsten Lösungen. Enver Hirsch und Philipp Meuser widmen sich in ihrem Buch Hamburgs Behelfswohnungen der Jahre um 1945: In Kleingartenvereinen zimmerten sich die Ausgebombten und Flüchtlinge aus Trümmern und einfachsten Baumaterialien ein neues Zuhause oder besserten die bestehende Datsche zum Wohnsitz auf. Für die Erstbewohner und ihre Nachkommen wurde das Kriegsprovisorium auf Zeit legalisiert: Sie durften blieben.

Doch mit Auszug dieser Nutzergeneration werden die Behelfsheime zurückgebaut oder ganz abgerissen. Der Wohnraum wird gerade in Großstädten wie Hamburg neu geordnet, die Zeit der Provisorien scheint zu Ende zu gehen. Vor diesem Hintergrund fingen Enver Hirsch und Philipp Meuser diese verschwindende Baugattung in Wort und Bild ein. Vernissage und Buchvorstellung zum Projekt „Behelfsheim“ sind geplant am 19. September 2020, von 14 bis 21 Uhr in der Freelens Galerie in Hamburg (Alter Steinweg 15, 20459 Hamburg). (kb, 27.7.20)

Hirsch, Enver/Meuser, Philipp, Behelfsheim, 148 Seiten, 21 x 25,5 cm, Leinen-Flexcover.

Titelmotiv: Bildmotiv aus dem Projekt „Behelfsheim“ von Philipp Meuser und Enver Hirsch (Bildquelle: behelfsheim.com)

„Vote!“ Wie wertvoll ist die DDR-Spätmoderne?

In Erfurt werden jetzt die Erfurter gefragt: Ist das Baukunst oder …? Im Projekt „Vote!“ geht es um die DDR-Spätmoderne und ihren Denkmalwert. Zur Diskussion gestellt werden zehn lokale Objekte wie die ehemalige SED-Parteischule in der Werner-Seelenbinder-Straße. Denn während künstlerische Zeugnisse der 1950er Jahre langsam die verdiente Anerkennung finden, so die These der Initiatoren, haben es die 1970er und 1980er Jahre immer noch schwer: Die Denkmalinventarisation kommt kaum hinterher und die öffentliche Meinung sieht hier oft noch keinen historischen Wert.

Projekt „Vote!“ (Bild: © Landeshauptstadt Erfurt, Pressestelle und Stadtarchiv)

Das Projekt „DDR-Architektur – entbehrlich oder erhaltungswürdig?“ der städtischen Denkmabehörde mit der Uni Weimar (Professur Denkmalpflege und Baugeschichte) bildet zugleich eine „Satellitenausstellung“ der Wanderausstellung „Zwei deutsche Architekturen 1949-1989“, die von heute bis zum 13. September 2020 im Kulturhof „Zum Güldenen Krönbacken“ (Michaelisstraße 10, 99084 Erfurt) zu sehen sein wird. Seit 2004 war die Schau, die das Bauschaffen von BRD und DDR gegenüberstellt, bereits erfolgreich in 26 Städten zu sehen. Am 8. September 2020 gibt Mark Escherich ab 16 Uhr in der Galerie Waidspeicher (Vorderhaus) Erläuterungen zum Projekt „Vote“, das sich als Gesprächsimpuls versteht. Ausgewertet wird das Voting am 10. September 2020 2020 um 19 Uhr zu einer öffentlichen Podiumsdiskussion. (kb, 26.7.20)

Titelmotiv: Halle/Saale, Kindergarten Buratino (Bild: © Gerald Große)