Mechernich, Bruder-Klaus-Kapelle (Bild: David Kasparek, CC BY 2.0, 2010)

Unterwegs zu Peter Zumthor

Wer einen Bau entwirft, der 1996 eingeweiht und 1998 unter Schutz gestellt wird, der hat es als Architekt eigentlich schon geschafft. Eine Würdigung, die der 1943 in Basel geborene Architekt Peter Zumthor sicher zu schätzen weiß, arbeitete er doch selbst zehn Jahre als Denkmalpfleger im Kanton Graubünden. 1979 eröffnete er dann sein eigenes Architekturbüro in Haldenstein bei Chur und reüssierte rasch mit klaren, materialstarken, auf ihren jeweiligen Standort rückgebundenen Entwürfen. Die Fachwelt hat Zumthor – im obigen Fall seiner Therme Vals – schon vor rund 20 Jahren das Siegel des Zeitlosen verliehen. Es folgten renommierte Auszeichnungen wie 2009 der Pritzker-Preis und 2017 der Große BDA-Preis.

Im Kirchenbau brillierte Zumthor vor allem durch zwei Projekte im Jahr 2007: Den Umbau der Kolumba-(Ruinen-)Kirche zum Kunstmuseum der Erzdiözese Köln und die expressive Bruder-Klaus-Feldkapelle in Mechernich-Wachendorf. Zum umfangreichen Werk von Peter Zumthor bietet die Katholische Akademie Schwerte vom 13. bis zum 14. Oktober 2018 eine Veranstaltung an. Das Seminar mit Exkursion „Architektur und Vision (2): Peter Zumthor“ will anhand der Zumthor’schen Schriften und Bauten in sein Bauen und Denken einführen. Auf einer Halbtagesexkursion nach Mechernich wird die Bruder-Klaus-Kapelle besichtigt. Eine Anmeldung ist bis zum 28. September 2018 erforderlich, es wird ein Teilnahmebeitrag erhoben. (kb, 8.9.18)

Mechernich, Bruder-Klaus-Kapelle (Bild: David Kasparek, CC BY 2.0, 2010)

Berlin, Staatsbibliothek Lesesaal (Bild: da Flow, CC BY-SA 3.0)

WDWM in Duisburg

Bis zum 26. September beschäftigt sich die Kulturkirche Liebfrauen mit der Frage „Welche Denkmale welcher Moderne?“ oder kurz: WDWM. Der Titel klingt kryptisch, ist aber schlüssig: Kirchen, Schlösser und Fachwerkhäuser gelten unbestritten als Baudenkmale. Wie aber wird der Wert von Großwohnsiedlungen, Einkaufszentren oder Campus- Universitäten beurteilt? Zwei Drittel des deutschen Gebäudebestands wurden zwischen 1949 und 2000 errichtet. Die häufig als „Betonklötze“ geschmähten Nachkriegsbauten sind heute Zeugnisse einer abgeschlossenen Epoche. Als solche nimmt sie die Denkmalpflege in zahlreichen europäischen Ländern seit gut zwei Jahrzehnten immer mehr in den Blick.

Der Forschungsverbund „WDWM“ ist ein Kooperationsprojekt der Bauhaus-Universität Weimar und der Technischen Universität Dortmund. Er wurde 2014–2017 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert und brachte Wissenschaftler aus den Bereichen Architektur, Denkmalpflege, Kunstgeschichte und sozialwissenschaftlicher Stadtforschung zusammen. Die resümierende Ausstellung „BIG HERITAGE. Welche Denkmale welcher Moderne?“ gibt anhand ausgewählter Beispiele einen Einblick in die Denkmal-Debatten um die Nachkriegsmoderne. Zu sehen sind Fotografien von Walter Danz, Gerald Große, Otto Hainzl, Herbert Lachmann, Bernd Walther, Raumlabor. Geöffnet ist dienstags bis sonntags von 13.00 bis 18.00 Uhr bei freiem Eintritt. Begleitend ist 2017 im Jovis Verlag der Sammelband „Welche Denkmale welcher Moderne? Zum Umgang mit Bauten der 1960er und 70er Jahre“ erschienen. (db, 7.9.18)

Berlin, Staatsbibliothek Lesesaal (Bild: da Flow, CC BY-SA 3.0)

Berlin, IG-Metall-Haus (Bild: Schlesinger, CC BY-SA 4.0)

Mendelsohn Transfer

Einige der berühmtesten Fotos der Berliner Nachkriegsgeschichte zeigen das Ende des Columbushauses am Potsdamer Platz: Es brennt am 17. Juni 1953, dem Tag des sozialistischen Arbeiterauftstands. Am Abend haben 34 Menschen den Tod gefunden, und das schon im Krieg beschädigte Gebäude ist nur noch eine Ruine. Architekt des kühnen Baus war Erich Mendelsohn, der Deutschland in den 1920er Jahren mit modernen Großbauten prägte. In Berlin zeugen noch die Schaubühne am Lehniner Platz, der Umbau des Mosse-Hauses und das IG-Metall-Haus vom Werk des gebürtigen Ostpreußen. Der Einsteinturm in Potsdam und die Hutfabrik Luckenwalde zählen zu den Ikonen des Neuen Bauens.

In einem der Berliner Bauwerke Mendelsohns, dem IG-Metall-Haus, wird bis 29. September die Ausstellung „Mendelsohn Transfer“ gezeigt: Studierende des Masterstudienganges Architektur der UdK Berlin haben Grundformen im Werk Mendelsohns analysiert sowie konzeptionelle Entwurfszugänge zu Architektur, Städtebau und Mediengebrauch untersucht. Texte, Bilder und Artefakte setzen sich mit seinen Arbeitsweisen auseinander. Die Ausstellungsmacher konzentrieren sich dabei auf die Ausarbeitung „wiederkehrender Antagonismen“ im Werk des Architekten wie die Gegensatzpaare „Licht und Schatten, Konstruktion und Hülle, Material und Dynamik, Form und Wahrnehmung, Außen und Innen, Tag und Nacht“. Die Ausstellung in Kooperation mit der Berliner Architektenkammer ist ein Beitrag zum Europäischen Kulturerbejahr. (db, 6.9.18)

Berlin, IG-Metall-Haus (Bild: Schlesinger, CC BY-SA 4.0)

Alditüte (Bild: Like_the_Grand_Canyon, CC BY NC 2.0)

Adieu Aldi-Abstraktion

Die Anekdote sagt: An einem Tag im Jahr 1967 kam der abstrakte Maler Günter Fruhtrunk (1923-82) zu seinen Studenten und bekannte, er habe „gesündigt“. Daraufhin legte er einen hohen Betrag in die Kaffeekasse. Der Grund des schlechten Gewissens: Gerade hatte Fuhtrunk der Firma Aldi zugesagt, die Plastiktüten der Supermarktkette zu gestalten. Heraus kam 1970 das berühmte blau-weiße Muster, die wohl am häufigsten getragene abstrakte Malerei der Bundesrepublik.

Mit den Jahren entwickelte sich das Frutrunk-Werk zum Sinnbild nicht nur der Supermarktkette, sondern auch von allzu schnellem und billigem Konsum. Ein Zeichenwert, die zeitgenössische Künstler gerne aufgriffen und auf ihre jeweils eigene Art umdeuteten. Doch bald ist es aus mit soviel Kunst am Kunden: Aldi hat angekündigt, die Plastiktüte komplett vom Markt zu nehmen. Bereits im letzten Jahr hatte man begonnen, die Tragetasche stufenweise durch Mehrwegbeutel zu ersetzen. Sogar Jute soll den Aldi-Kunden künftig angeboten werden. Graben Sie doch einmal in Ihrer Besenkammer, vielleicht findet sich dort noch das ein oder andere Stück serielle Nachkriegskunst – der Wert könnte steigen! (kb, 5.9.18)

Alditüte (Bild: Like_the_Grand_Canyon, CC BY-NC 2.0)

Güstrow, Alain aus der Schweiz, Ken aus den USA und Katica aus Jugoslawien (Foto: Ken Mayer, CC BY 2.0, 24 Juli 1988)

Sozialismus als Erfahrung

War Kapitalismus siegreich war oder erhielt der Sozialismus nie eine wirkliche Chance? Ähnliche Fragen mögen in politischen Debatten von Interesse sein, für die Zeitgeschichtler war der Sozialismus schlicht eine Realität: Für einige Jahrzehnte lebten Menschen in Systemen, die sich selbst als sozialistisch verstanden. Diese Erfahrungen von Einzelnen und Gruppen sind vor allem mit dem bevorstehenden Jubiläum der Umwälzungen von 1989 wieder in aller Munde.

Vor diesem Hintergrund sucht das 16. Potsdamer Doktorand_innenforum zur Zeitgeschichte – Potsdam für die Tagung „Sozialismus als Erfahrung und Erinnerung. Junge Forschung im etablierten Feld“, die vom 21. bis 22. Februar 2019 in Potsdam (Zentrum für Zeithistorische Forschung, ZZF) stattfinden soll, noch nach Themenvorschlägen. Promovierende der Zeitgeschichte oder einer Nachbardisziplin sind aufgerufen, ihre Arbeiten anhand erster Ergebnisse vorzustellen. Die wissenschaftliche Tagung behandelt die Epoche des sowjetisch geprägten Sozialismus im Europa der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts – mit einem Blick bis in die Gegenwart. Einsendungen (ein Abstract mit maximal 500 Wörtern auf Deutsch oder Englisch sowie ein knapper akademischer Lebenslauf) sind willkommen bis zum 31. Oktober 2018. Organisation/Kontakt: Christopher Banditt, Nikolai Okunew, Henrike Voigtländer,  doktorandenforum@zzf-potsdam.de. (kb, 4.9.18)

Güstrow, Alain aus der Schweiz, Ken aus den USA und Katica aus Jugoslawien (Foto: Ken Mayer, CC BY 2.0, 24. Juli 1988)